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Unter Hipstern in Tschechien

Ein Streifzug durch die moderne Gastro-Szene der großen Städte des Landes - 10.06.2017 08:00 Uhr

Viel Platz für Kunst und die Produkte lokaler Designer bieten die Hallen von "Vnitroblock" in Prag. © Lisa Susu Hahn


Ein altes Fabrikgebäude, Backsteinwände, junge hippe Menschen sitzen mit ihren Laptops auf Vintage-Möbeln zwischen stylishen Accessoires. In dem riesigen Loft finden Kunstgalerie, Café und Designer-Shop Platz. Wir befinden uns im "Vnitroblock" – und das steht nicht etwa in London, sondern in der tschechischen Hauptstadt Prag.

Szenenwechsel. Die Wände sind nackt, der Parkettboden ist retro, den Glühbirnen fehlt der Lampenschirm. Der Filterkaffee wird von Hand gebrüht, die Bohnen dafür stammen aus einer lokalen Rösterei. Hinter dem Tresen stehen junge hippe Menschen mit bunten Haaren und ebenso bunten Tattoos. Wir befinden uns im Szene-Café "Skøg – Urban Hub" und das steht nicht etwa in Kopenhagen oder Stockholm, sondern in Brno (Brünn), mit 380.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tschechiens.

Szenenwechsel. Gekachelte Wände, der Tresen erinnert an eine alte Apotheke. Auf der Karte stehen Fritz Cola und Mate Limonade. Das Bio-Fleisch für die Burger – serviert auf Vintage-Geschirr – stammt von Rindern aus der Region, auch der Käse ist ein lokales Produkt. Wir befinden uns im Bistro "Boule za ušima" und das steht nicht etwa mitten in Berlin, sondern in Ostrava (Ostrau), mit fast 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Tschechiens.

Auf unserem Streifzug durch die moderne Gastronomie Tschechiens stoßen wir vor allem auf Hipsterkultur, wie man sie aus westlicher gelegenen Großstädten kennt –  und auf wenig Tschechisches. Das ist schade, denn es macht die Städte austauschbar. Auf den zweiten Blick finden sich allerdings doch noch ein paar eigenwillige gastronomische Konzepte.

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Prag, Brünn, Ostrau - Neues aus Tschechiens Gastro-Szene

Ein Streifzug durch die moderne Gastronomie Tschechiens zeigt: Knödel und Bier finden sich immer seltener auf der Karte. Stattdessen gibt es Burger und Mate-Limo.


Fast einzigartig zum Beispiel ist das "Lod‘ Pivovar": Ein Schiff auf der Prager Moldau, auf dem sich ein Restaurant und eine Brauerei befinden. Inhaber Vojtèch Ryvola hat das Schiff vor einem Jahr in Hamburg gekauft und bietet seither 18 selbstgebraute Craft-Biere an Bord an. Stichwort: Craft-Beer, da ist sie wieder, die Gleichförmigkeit, allerdings besinnt sich die Küche auf ihre tschechischen Wurzeln: Knödel in Soße mit Eberfleisch empfiehlt der Chefkoch.

Die überwiegend einheimischen Gäste sitzen zwischen den Braukesseln und genießen den Blick auf den Fluss. "Eigentlich habe ich bei meinen Gästen mit 70 Prozent Touristen und 30 Prozent Einheimischen gerechnet,  das Verhältnis ist aber seit der Eröffnung umgekehrt", so Ryvola.

Den Nerv der Zeit getroffen hat außerdem František Kšána. Bei Naše maso – übersetzt "Unser Fleisch" – stehen die Leute Schlange und reisen sogar aus mehreren hundert Kilometern Entfernung an. Für den 38-Jährigen scheint es auf der Welt nichts Spannenderes zu geben als Fleisch in allen Formen: als Burgerpatty, als Roastbeef, als Schulter, Hackfleisch, Würste oder Speck.

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Der Tscheche hat sich in Prags angesagter Gourmet-Passage Dlouhá einen Kindheitstraum erfüllt: Eine Metzgerei mit kleinem Imbiss, damit die Kunden gleich probieren können. Und währenddessen macht er den lokalen Theatern Konkurrenz. Denn Ksana gibt in seinem Laden Stand-up-Vorführungen zum Thema Fleisch oder lädt zur Verkostungs-Show namens "Abendessen vom Metzger", die wochenlang im Voraus ausverkauft sind.

Das Fleisch stammt dabei von längst vergessenen Rassen und der Kunde kann dank eines Zahlencodes den Weg seines Fleisches zurückverfolgen. Die Würste, die Kšána serviert, ohne Zusatzstoffe, einfach nur aus Fleisch und Gewürzen gemacht, schmecken ursprünglich und deftig.

Nach einem Burger bei František kann man gleich nebenan gehen in eine versteckte kleine Weinbar namens Vinárna Bokovka, die in einem fast vergessenen Hinterhof liegt. Im Eingangsbereich, der wie die Küche eines Serienmörders anmutet, laufen alte Schwarz-Weiß-Filme und neben Käse aus der eigenen Fromagerie gibt es eine hervorragende Auswahl von Weinen, die sich auch ein Tscheche mit Durchschnittsgehalt gut leisten kann. Und spätestens in dem Moment, wenn die Rechnung kommt, weiß man, dass man diesmal nicht in einer der überteuerten Hipster-Hochburgen gelandet ist.

Mehr Informationen:

Prag:

Tourist Info Prag

www.prague.eu

Weinstube Bokovka

www.bokovka.com/en/

Vnitroblock

www.facebook.com/vnitroblock/

Metzgerei Naše maso

http://nasemaso.ambi.cz/en/

Schiffsbrauerei Lod´ Pivovar

www.pivolod.cz/v2.0/

 

Brünn:

Tourist Info Brünn

www.gotobrno.cz/de

Café SKØG Urban Hub

www.skog.cz

 

Ostrau:

Touristeninfo Ostrau

www.ostravainfo.cz

Bistro Boule za ušima

http://bistroboulezausima.cz/

 

Die Reise wurde von Czech Tourism unterstützt.

www.czechtourism.com

 

 

 

 

 

Lisa Susu Hahn

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