Ankündigung sorgt für Aufregung

Urlaub und Corona: Was droht Touristen mit Kreuzimpfung?

19.7.2021, 14:53 Uhr
Blick auf Valetta, Hauptstadt von Malta.

Blick auf Valetta, Hauptstadt von Malta. © Malta Tourism

Vor einer Woche sorgte Malta mit der Ankündigung, nur noch Geimpfte einreisen zu lassen und Kreuzgeimpfte (z.B. erste Dosis Vektorimpfstoff wie AstraZeneca, zweite Dosis mRNA-Vakzin wie Biontech) nicht als solche anzuerkennen, für Unruhe unter deutschen Reisenden. Mittlerweile ist das Land wieder zurückgerudert und ermöglicht auch ohne Impfnachweis eine Einreise mit Quarantäne. Und: Wenn die beiden Vakzine von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zugelassen sind, werden auch Kreuzimpfungen anerkannt. Damit sind Kombinationen von AstraZeneca und Biontech oder Moderna kein Problem mehr für eine Malta-Reise.

Aber wie steht es in anderen Ländern? Auch wenn sich die Staaten der EU darauf geeinigt haben, einen (digitalen) Europäischen Impfpass einzuführen, der teils schon seit 1. Juli eingesetzt wird: Beim Thema Kreuzimpfung darf jeder Staat selbst entscheiden, ob er diese anerkennt.

Deutschland ist diesbezüglich aber noch eine Ausnahme, die wenigsten EU-Länder impfen Kombinationen. Und weil die Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA fehlte, wurde eine Kreuzimpfung bei der Planung und Einführung des digitalen Impfpasses bzw. Gesundheitszertifikats nicht weiter berücksichtigt.

Den Ländern bleibt Interpretationsspielraum

Denn das EU-weit gültige Impfzertifikat ("Grüner Impfpass") legt eben nicht exakt fest, welche Lockerungen nun für welche Geimpfte mit welchem Impfstoff gelten - klar ist lediglich, dass für Durchgeimpfte die Testpflicht entfallen soll, dass sie wieder ihre Bewegungsfreiheit zurückerlangen.

Doch wer gilt als durchgeimpft? Es bleibt Interpretations- und Handlungsspielraum für die einzelnen Länder. Der könnte sich künftig noch als Nachteil für Menschen mit Kreuzimpfungen oder Vakzinen ohne EU-Zulassung wie denen aus Russland oder China herausstellen.

Werden andere Länder Urlauber mit Kreuzimpfung abweisen?

Unter Experten gilt es als unwahrscheinlich, dass große EU-Reiseländer wie Spanien, Italien, Griechenland, Österreich oder Frankreich, aber auch die Türkei oder Ägypten Kreuzgeimpfte als ungeimpft werten werden. Sie haben besonders unter dem Ausbleiben der Touristen gelitten und sind froh, dass endlich wieder die Grenzen offen sind - viele buhlen geradezu um Urlauber, um die Sommersaison und einen wichtigen Wirtschaftssektor zu retten.

Da gerade die Deutschen als Reiseweltmeister viel Geld in viele Länder bringen und nun einen großen Teil ihrer Bevölkerung mit zwei verschiedenen Impfstoffen gegen Corona immunisieren, würden sich die Ferienländer selbst schädigen, wenn sie wegen Formalia diese Touristen nicht hereinließen.

Außerdem macht die Impfkampagne in vielen Ländern große Fortschritte, was auch die eigene Bevölkerung im jeweiligen Urlaubsland schützt - es gilt daher als absehbar, dass auch Kreuzimpfungen allgemein als wirksam anerkannt werden.

Kreuzimpfung gilt in Deutschland als "deutlich überlegen"

Weil die Immunantwort unter anderem einer Studie der Berliner Charité zufolge nach einer Kreuzimpfung der von zwei Dosen AstraZeneca "deutlich überlegen" sei, wird sie von der Stiko empfohlen. In den Impfzentren der Bundesländer bekommen erstmals mit Vektorimpfstoff wie AstraZeneca Geimpfte aktuell nur noch Biontech oder Moderna bei der Zweitimpfung gespritzt. Auch die Hausärzte versuchen, sich daran zu orientieren und werden inzwischen besser mit mRNA-Impfstoffen versorgt als noch vor zwei Wochen.

Menschen warten in einem Impfzentrum in Lissabon auf ihre Impfung gegen Covid-19. 

Menschen warten in einem Impfzentrum in Lissabon auf ihre Impfung gegen Covid-19.  © Paulo Mumia, dpa

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, selbst Humanmedizinier mit Schwerpunkt Epidemiologie (Harvard-Abschluss) und Impfarzt in Leverkusen, schrieb dazu bei Twitter: "Diese Kombi wird gut vertragen und wirkt noch etwas stärker als doppelte BionTech Impfung. Die Kombination kann man empfehlen."

Deutschland hat schon die Test- und Quarantänepflicht bei der Rückkehr aus Risikogebieten und Hochinzidenz-Gebieten für Genesene und vollständig Geimpfte abgeschafft - ausdrücklich auch bei Kreuzimpfungen. Doch wie steht es um die Einreise in ausgewählte Urlaubsländer?

Kreuzimpfung: Das gilt in einigen Ländern

Griechenland etwa erkennt eine Kreuzimpfung als vollwertigen Coronaschutz an - und das schon seit Ende Mai. In Kroatien seien auf Nachfrage beim Gesundheitsministerium Kreuzimpfungen "kein Problem". Italien lässt jeden bei sich urlauben, der negativ getestet, voll geimpft oder von Corona genesen ist. Auf Kreuzimpfungen geht die Verordnung nicht näher ein, daher sollte auch sie kein Problem sein.

Ein Strand im türkischen Antalya - derzeit vor allem aber belegt mit Gästen aus Russland, Israel oder dem Inland.

Ein Strand im türkischen Antalya - derzeit vor allem aber belegt mit Gästen aus Russland, Israel oder dem Inland. © Emrah Gurel, dpa

Spanien und auch andere Länder schließen Kreuzgeimpfte derzeit ebenfalls nicht explizit aus. Und das türkische Fremdenverkehrsamt schreibt: "Die Türkei differenziert bei den Einreisebestimmungen nicht in Bezug auf den Hersteller des Vakzins. Dementsprechend sind auch Personen mit einer Kreuzimpfung denen gleichgestellt, die mit demselben Vakzin geimpft worden sind." Dieser Trend zeichnet sich bei den allermeisten Ländern ab.

Es stellt sich eher die Frage: Geimpft oder nicht?

Sollten Kreuzimpfungen in einem Staat doch nicht anerkannt werden, dann gilt man dort als "nicht geimpft" - das jeweilige Land wendet dann die Einreiseregelungen für Ungeimpfte an. Angesichts der Verbreitung von neuen Corona-Mutationen werden künftig vermutlich mehr Länder Ungeimpfte nicht mehr oder nur noch unter sehr strengen Auflagen über die Grenze lassen. Es stellt sich also vermutlich künftig nicht die Frage, ob kreuzgeimpft oder nicht, sondern ganz grundsätzlich: geimpft oder nicht.

Da sich zum Teil täglich die Einreiseregeln der Staaten ändern können, sollten Sie sich vor Ihrer Reise oder sogar schon bei Planung der Reise etwa über die Einreiseampel des Fachmediums fvw über die jeweiligen Bedingungen Ihres Reiselandes informieren - dort finden Sie auch die Einreisebedingungen für die europäischen Länder. Tagesaktuelle Auskunft gibt natürlich auch die entsprechende Seite des Auswärtigen Amtes.

Dieser Artikel wurde am 15.7. aktualisiert

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