Selbst im Internet per Videochat testen

Urlauber aufgepasst: So umgehen Sie Coronatest-Abzocker im Ausland

Man testet sich selbst und ein Prüfer schaut zu. So können wir lästige, teure Tests im Ausland umgehen.

Man testet sich selbst und ein Prüfer schaut zu. So können wir lästige, teure Tests im Ausland umgehen. © Foto: Freetogo

Flugreisende kennen das Ärgernis, das seit August alle Auslandsreisenden erleben dürfen (mit Ausnahme von Tagespendlern im Grenzverkehr): Wer einen Corona-Test benötigt, muss im Ausland oft große Anstrengungen unternehmen, um an ein Zertifikat zu kommen. Hohe Kosten bringt das obendrein für alle Rückreisenden mit sich, die nicht geimpft oder genesen sind und die mit dem Auto oder Zug aus dem Ausland zurückkehren.

Noch immer ist vielen nicht überall klar, wo und wie sie sich bis spätestens wann im jeweiligen Land testen lassen müssen und ob nicht doch noch eine Option für nachträgliche Tests in Deutschland unmittelbar nach der Rückkehr kommt.

Einige Abzocker haben bislang jedenfalls mit der Testpflicht für Flugreisende fette Geschäfte gemacht, sie freuen sich nun auf den Rest der Reisenden. Welche Kosten auf Urlauber zukommen, hat das Europäische Verbraucherzentrum EVZ gelistet. Dort finden Sie tagesaktuelle Preise zu Ihrem Reiseland – auch wenn einige Länder und Regionen derzeit noch Hochrisikogebiete sind.

Das kosten Corona-Tests in wichtigen Urlaubsländern

In Italien etwa legen die Provinzen selbst die Preise fest. Ein Antigen-Test kostet mal 20, mal 50 Euro, ein PCR-Test mal 50 und mal 120 Euro.

In Südtirol können sich auch Touristen kostenlos testen lassen - einfach die Gastgeber fragen und online anmelden. Wir haben das hier in Welsberg-Taisten selbst ausprobiert.

In Südtirol können sich auch Touristen kostenlos testen lassen - einfach die Gastgeber fragen und online anmelden. Wir haben das hier in Welsberg-Taisten selbst ausprobiert. © Matthias Niese

Südtirol hingegen bietet Touristen in seinen Testzentren für die eigene Bevölkerung nach einfacher vorheriger Anmeldung kostenlose Tests an, Dänemark und die Niederlande ebenfalls, in Österreich sind nur Antigen-Tests in "Teststraßen" und Apotheken auch für Touristen kostenlos – IPCR-Tests müssen selbst bezahlt werden – sie kosten bis zu 70 Euro.

In Frankreich zahlen Touristen 43,89 Euro für einen PCR-Test und 25 Euro für einen Antigen-Test, die Griechen verlangen für Antigen-Tests zwischen 15 und 40 Euro, für PCR-Tests zwischen 40 und 70 Euro. Kroatien hat Festpreise: PCR-Test 65 Euro, Antigen-Test 20 Euro.

In Portugal schwanken die Preise zwischen 25 bis 40 Euro für den Antigen- und 100 bis 120 Euro für den PCR-Test. In Spanien kostet ein Antigen-Test 50 Euro, ein PCR-Test meist unter 100 Euro.

So funktioniert der geprüfte Selbsttest im Internet

Seit einigen Wochen bieten Unternehmen wie Laive, DLMC, CoronaOne und Freetogo die Zertifizierung von Antigen-Selbsttests per Video-Chat an – ohne dass sich die zu Testenden im Testzentrum, in einer Arztpraxis oder in der Apotheke vorstellen müssen. Die Vorteile: Antigen-Tests sind hierzulande günstig zu bekommen, die Video-Zertifizierung kostet nur etwa 15 Euro und erspart Strapazen gerade in Ländern mit wenigen Testzentren.

"Das von uns lizensierte System wurde für mehrere zehntausende Testungen eingesetzt", sagt Laive-Geschäftsführer Wolfgang Reinhardt. "Es ist für die Corona-Warn-App zugelassen, für die europäische CovApp läuft die Zulassung gerade." In der Corona-Warn-App kann der Getestete ganz einfach den QR-Code einscannen, das Ergebnis wird dann regulär in der App angezeigt.

Wer auf der Laive-Webseite eine Zertifizierung kauft, muss zunächst seine persönlichen Daten eingeben und einen Termin vereinbaren. Dann geht alles ganz schnell. Zunächst bekommt der Kunde eine SMS oder eine E-Mail mit einem Link zum Download der kostenlosen Video-Konferenz-App StarLeaf. Ist er eingeloggt, prüft ein Mitarbeiter die Ausweisdaten und ob der vorliegende Test noch versiegelt ist. Dann führt der oder die zu Testende den Test unter Aufsicht durch.

Foto hochladen, Test-Zertifikat bekommen

Am Ende schreibt man die Identifizierungsnummer, die man vom Mitarbeiter bekommt, auf die Testkassette und hält diese in die Kamera. Das soll gewährleisten, dass die Kassette nicht getauscht wird. 15 Minuten darauf erhalten die Getesteten eine Nachricht, in der sie gebeten werden, das Foto des Ergebnisses hochzuladen. Wenig später geht das personalisierte Test-Zertifikat als PDF auf Deutsch, Englisch und Spanisch zu. Dieses können die Kunden zum Beispiel bei der Airline, bei der Einreise oder beim Restaurantbesuch vorlegen.

Die Mitarbeiterin eines digitalen Corona-Schnelltestzentrums kontrolliert den Test eines Patienten am Bildschirm und schickt ihm dann bei negativem Ergebnis ein pdf-Zertifikat.

Die Mitarbeiterin eines digitalen Corona-Schnelltestzentrums kontrolliert den Test eines Patienten am Bildschirm und schickt ihm dann bei negativem Ergebnis ein pdf-Zertifikat. © Federico Gambarini/dpa

Verwendet werden können alle in Deutschland zugelassenen Selbsttests, die auf der Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stehen und über eine CE-Kennzeichnung verfügen – egal, ob sie vom Discounter, aus dem Drogeriemarkt oder aus der Apotheke kommen. Wenn der Test im Ausland erworben wurde, muss er eine CE-Kennzeichnung vorweisen.

Wie betrugsanfällig sind die Video-Selbsttests?

Dass Antigen-Tests bisweilen falsch positiv oder falsch negativ ausfallen können, ist hinlänglich bekannt. Doch wie betrugsanfällig ist das System? Ausweisverifizierung und handschriftliche Identifikationsnummer allein schützen nicht vor Betrug. In so genannten E-Learnings vermittelt zum Beispiel die deutsche Prüfgesellschaft DEKRA den Video-Aufsichtspersonen die notwendigen Kenntnisse zur Beaufsichtigung von Corona-Selbsttests. Wird ein Kunde positiv getestet, müssen die seine Daten in Deutschland zwingend an das zuständige Gesundheitsamt weitergleiten. Auch für Personen, die noch im Ausland sind, ist das Vorschrift.

"Natürlich ist es besser, wenn ein Test persönlich von geschulten Mitarbeitern durchgeführt wird", sagt Sohrab Taheri-Sohi vom Bayerischen Roten Kreuz, das täglich tausende Corona-Tests durchführt. "Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, dass Antigen-Selbsttests auch unter Aufsicht im Videochat gemacht werden." Wichtig sei dabei, dass die Tests stets mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt werden.

Dazu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Corona-Testverordnung aufgrund zahlreicher Unregelmäßigkeiten bei den Testanbietern bald ändern und strengere Regeln einführen. "Wir gehen aber davon aus, dass das nicht diejenigen Unternehmen betrifft, die international gültige Testzertifikate ausstellen", sagt Reinhardt, schließlich könne das System viele Institutionen entlasten.

PCR-Tests sind in Eigenregie kaum zu machen

Nicht gefeit sind die Anbieter von Video-Zertifikaten indes vor dem Fall, dass bei steigenden Inzidenzen in Europa in immer mehr Lebensbereichen PCR-Tests erforderlich werden. Zwar bieten Unternehmen wie CoronaOne mittlerweile auch PCR-Tests per Video-Unterweisung an. Die Tests müssen aber nach Durchführung an ein Labor versandt werden. Die korrekte Durchführung per Video zu überwachen, ist eher schwierig und unpraktisch.

Laive: www.laive-check.de
Dienstleistungsgesellschaft für Medizincontrolling GmbH (DLMC): www.dlmc.de
CoronaOne: www.coronaone.org
Freetogo: www.freetogo-app.de

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