Mittwoch, 26.02.2020

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Vias Verdes bei Valencia: Radeln mit Tunnelblick

Hier rollen Biker auf alten Bahntrassen stets bergab bis ans Meer - 18.01.2020 08:00 Uhr

Wenn man in den Tunnel fährt, geht automatisch das Licht an. © Peter Ehler


Über 100 dieser naturnahen und geschichtsträchtigen Fahrrad-Trails gibt es mittlerweile, allein zwölf in der Region Valencia am Rand des Mittelmeeres mit einer Länge von über 170 Kilometern. Einst schnauften auf den Bahntrassen schwer beladene Züge zu den Stahlwerken an der Küste, brachten Fässer aus den Olivenmühlen in die Häfen und Orangen, die in den Küchen Spaniens landeten oder in den Norden Europas verschifft wurden.

1884 war die Eisenbahn zwischen Carcaixent bei Valencia und Gandía eingeweiht worden. Anfangs wurden die Waggons mit dem "Blutmotor" gezogen, heißt es an einer Infotafel. Denn 30 Pferde mühten sich, die schwere Fracht zu ziehen. Sie brauchten drei Stunden, um die 37 Kilometer zurückzulegen

Erst zehn Jahre später kam die Dampfmaschine aus England zum Anschieben hinzu. Der moderne Biker muss sich hingegen nicht mehr quälen, kommt auf den flachen Strecken kaum ins Schwitzen. In den schmalen Schneisen zwischen den Felsen kommt er aber angesichts der landschaftlichen Schönheit aus dem Staunen kaum heraus.

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Vias Verdes: Auf alten Bahnstrecken entspannt um Valencia radeln

Spanien macht alte Bahntrassen fit für Radler und Touristen. Auf den Vías Verdes rund um Valencia geht es auf jetzt Grünen Wegen ohne große Anstrengung über historische Strecken voller Sehenswürdigkeiten.


Das archäologische Erbe der alten Eisenbahnstrecken zwischen Castellón, Valencia und Alicante ist ideal und lässt sich genussvoll mit dem Fahrrad erkunden. Denn die Vías Verdes verlaufen abseits der Straßen. Wenig Steigung, alle paar Kilometer ein Gasthaus und am Ende wartet stets das Meer – ein Konzept, das den Tourismus im Land ankurbeln soll.

Eine solche Nutzung hatten die Bahn-Ingenieure freilich nie geahnt. Die komplette Strecke war ursprünglich nur für Transporte bestimmt und ist heute der erste Abschnitt, der als Grüner Weg für Radfahrer und Wanderer hergerichtet worden ist. Mittlerweile sind von den knapp vierhundert Kilometer stillgelegten Bahnstrecken in der Region Valencia über die Hälfte für den Tourismus zu neuem Leben erweckt worden. Im ganzen Land wurden knapp 200 Millionen Euro in die historischen Radwege investiert, im spanischen Bürgerkrieg zerstörte Strecken wurden saniert und sogar niemals fertiggestellte Abschnitte sind nun befahrbar.

Spektakulär den Fluss entlang

Besonders spektakulär ist die Strecke entlang des Río Serpis, dem einzigen Fluss in der Region, der das gesamte Jahr über Wasser führt. Wir fahren am Racó del Duc an einer alten Stromfabrik vorbei und durch die L’Estret de l’Infern, die "Straße der Hölle" – einem engen Bergpass, der zwischen den steilen Klippen verläuft. Mittlerweile sind auch hier die Schienen abgebaut, verfallene Bahnhöfe restauriert. Bars, Bauernhöfe und Kneipen locken mit Paella, dem vermeintlichen spanischen Nationalgericht, das aber ursprünglich aus Valencia kommt. Derart gestärkt fahren die Radler durchs Landesinnere und durch Orangenhaine über Berge wieder hinab – zur Küste.

In den Gaststätten hängen riesige Serrano-Schinken an der Wand. © Peter Ehler


"Die grünen Wege sind Vorzeigeobjekte geworden, sie lassen auch die Eisenbahngeschichte Spaniens wiederaufleben", sagt Maria Manuela Soares von Mediterranean Bike Tours, als sie auf die markante Markierung deutet. Ein Symbol mit einem Eichenblatt und Eisenbahner-Zeichen zeigt uns den Weg, als es von Viver über Jérica mit seinem Glockenturm entspannt über die Via Verde de Ojos Negros geht.

Die Tour ist der längste Grüne Weg in Spanien. Sie war einst die Route, auf der die Kohle von den Minen zu den Hochöfen von Sagunto transportiert wurde. Knapp die Hälfte der 160 Kilometer langen Trasse des Bergwerkszuges der Sierra Menera führen durch Valencia an die Küste.

Der Einstieg in die Touren und Etappen ist unkompliziert. Dank Kartenmaterial und GPS-Koordinaten sind die Strecken schnell auf das Handy geladen. Ideal ist eine Radwoche mit einem der lokalen Anbieter, die Räder und Ausrüstung verleihen und Tourenvorschläge abseits der Vías Verdes erstellen.

Etappenziel Valencia. Die Zwei-Millionen-Metropole ist hypermodern, hat aber auch eine wundervolle Altstadt. © Peter Ehler


So geht es mit Maria nach Navajas zum Wasserfall El Salto de la Novia, eine der Touristenattraktionen im Hinterland Castellóns. Hier sprangen der Legende nach Paare vor der Hochzeit an einer Engstelle über den Fluss. Glückte das Ritual im Beisein des ganzen Dorfes, stand die Ehe unter einem guten Stern.

Zurück im Dorf gibt es auf der Plaza eine Brotzeit – Serrano-Schinken und weitere Leckereien vom örtlichen Fleischer. Nebenan thront eine gigantische Ulme über zwei Bars, die im Jahr 1636 nach der Vertreibung der Mauren gepflanzt worden sein soll.

Mehr Informationen:
Spanisches Fremdenverkehrsamt
www.spain.info/de, das die Reise unterstützte.
Anreise:
Mit dem Flugzeug ab München direkt oder über Madrid nach Valencia in 3,5 Stunden. Mit dem Auto ab Nürnberg 1800 Kilometer, Zug 28 Stunden.
Günstig wohnen:
Hotel Ciutat d’Alcoy
www.sercotelciutatdalcoi.com
Luxuriös wohnen:
Hotel Primus Valencia
www.hotelprimusvalencia.com
Beste Reisezeit:
März bis Juni zum Radeln mit durchschnittlichen Temperaturen 20-28 Grad.

Peter Ehler

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