Dienstag, 20.10.2020

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Wandern wird beim "Salzburger Gipfelspiel" zum Bergroman

Sieben Orte umwerben Urlauber mit geschichtsträchtigen Touren - 02.10.2020 07:49 Uhr

Gute Aussichten: Unterwegs in der Salzburger Ferienregion.

© Claudia Weinig, NN


Beim "Gipfelspiel" sollen Urlauber jeweils eine Bergspitze der sieben beteiligten Ferienorte erklimmen. Miteinander verwoben werden die Orte durch ihre wichtigsten Berge, wobei es zu jedem eine eigene Geschichte gibt. Unter anderem wird die Gegend durch die markante Bischofsmütze geprägt, auch Wohlwollende Königin genannt.
In der Geschichte dazu stehen ihr sechs Edelmänner zur Seite: das Hochgründeck in St. Johann in Salzburg ("Heiler"), der Penkkopf in Wagrain-Kleinarl ("Magier), der Saukarfuntel in Flachau ("Poet"), der Lackenkogel in Altenmarkt-Zauchensee ("Wächter"), der Bossbrand in Radstadt ("Späher") und der Gerzkopf in Eben ("Geheimnisträger").

Für die Wanderrouten ist ein Tourenbuch erhältlich, in denen Platz für Prägestempel ist; samt jeweils einer Geschichte oder einem "Ritual". Die Rituale reichen vom Kräutersammeln bis zur Meditation mit Blick auf das Dachsteingebirge.
Ein bisschen moderne Mystik hier, etwas Esoterik dort, abgerundet mit Botanik und Geografie "light". Letztlich einfach ein weiteres PR-Konzept in Zeiten, in denen Wanderer nicht unbedingt Selbstläufer sind, sondern umworben werden wollen.
Tourenführerin Eva Salchegger macht daraus auch gar keinen Hehl: Bevor sie in den Vorruhestand ging, leitete sie den "Tourismusverband Filzmoos".

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Salzburger "Gipfelspiel": Schritt für Schritt gewinnen

Wandern als Fortsetzungsroman sehen, mit sieben verschiedenen Kapiteln, deren Geschichten gerade mal ein Jahr alt sind. Nicht entsprungen aus alten Überlieferungen, sondern das Ergebnis kreativer Workshops.Das Ergebnis: Das "Salzburger Gipfelspiel", ein neues Wanderkonzept des Tourismusverbandes "Salzburger Sportwelt" mit dem Ziel, sieben Berge ihrer Region Bergfreunden schmackhaft zu machen.


"Von selber kommen die Gäste nicht", sagt sie: "Das war zu Anfang meiner Berufslaufbahn schon noch ganz anders." Geht man mit der 59-Jährigen auf Tour, merkt man "laufend", dass das "Gipfelspiel" tatsächlich ein Herzensprojekt für sie ist. Die Infrastruktur dazu steht: Mit Schautafeln entlang der vorgesehenen Routen, Souvenirs und Begleitbroschüre. Wer alle sieben Gipfel schafft, erhält als Lohn eine hochwertige Trinkflasche aus dem örtlichen Tourismusbüro, die es nicht zu kaufen gibt. In der Region wird der Begriff der "Kraftorte", von denen es im Filzmooser Berg und Tal einige gibt, spürbar. Intuitiv sollen manche Menschen hier schon vor Jahrhunderten um "Energiefelder" gewusst haben. So wirbt die Region.

Schäfchen schauen und Wunschglocke läuten

Salchegger spricht sogar bei Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, doch voller Charme und Lebensfreude, von "Kraftmenschen". Gitti, die Schäferin, ist so eine. Die resolute Blondine war etliche Jahre lang auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs; sie lebte auf Mallorca, in Deutschland und in Holland. Bis sie dann einmal zufällig im Winter in St. Martin im Salzburger Land Station machte. Wer hätte gedacht, dass sie bereits im Sommer die rund 100 Jahre alte, leerstehende Schäferalm übernehmen sollte. Vier Jahre ist das her. Seither versorgt sie Wanderer mit Brotzeiten, Bier und Schorlen. Alles wird von ihr eigenhändig hochgetragen.

Gitti, die Schäferin, war früher auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs und betreibt jetzt eine Hütte.

© Claudia Weinig, NN


Auf einem Hochplateau in der Sonne ist Gittis Hexenhäuschen gelegen; dort kann man sich bei den Schafen ausruhen, um später noch die "Wunschglocke" ganz oben auf dem Gerzkopf zu läuten.
Wer später Muskelkater vom Wandern hat, kann sich unten im Filzmooser Tal bei einer Pferdekutschfahrt ausruhen. Der 70-jährigen "Fiakerwirt" Georg Vierthaler (www.fiakerwirt.co.at) transportiert mit wettergegerbtem Gesicht seit fünf Jahrzehnten Gäste herum. Immer freundlich in alle Richtungen vom Kutschbock herab grüßend. Nie um einen Witz verlegen. Mancher davon nicht unbedingt jugendfrei ...

Gut gegen Kater und Muskelkater

Regional leben und wirtschaften, das ist nicht nur für Menschen wie Evi Salchegger, Gitti und Georg Vierthaler wichtig, sondern auch auf dem Mandelberggut. Neben selbstgebackenem Kuchen bietet die Seniorchefin, einer gelernten Konditorin, auch Hochprozentiges an. Das Gut ist die einzige Manufaktur Österreichs, die zwei Brennereien unter einem Dach vereint: ­die "Dachstein Destillerie" für Whisky- und Schnaps und die die Latschen- und Zirbenkieferbrennerei.
Das Latschenkiefernöl soll schnapsbedingten Kater ebenso vertreiben, wie den Muskelkater nach dem "Gipfelspiel".

Die Wanderrouten beim "Salzburger Gipfelspiel" führen an Hütten vorbei.

© Claudia Weinig, NN


Mehr Informationen:
Diese Reise wurde unterstützt von der Salzburger Sportwelt
www.salzburgersportwelt.com;
Informationen zum Wanderkonzept "Gipfelspiel" unter www.salzburgergipfelspiel.at.

Anreise mit dem Pkw:
Nürnberg - Filzmoos: 370 km, Fahrtzeit: ca. 3,45 Stunden.

Anreise mit dem Zug:
Nürnberg via München und Salzburg nach Bischofshofen (von da mit dem Taxi nach Filzmoos): kürzeste Fahrtzeit: 3:43 Stunden; mit Sparpreis rund 100 Euro.

Beste Reisezeit:
Wandern bis weit in den Herbst, dann wieder ab Ende April. Dazwischen klassische Skisaison.

Claudia Weinig

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