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Warum ausländische Touristen über uns Deutsche lachen

Diese Eigenheiten sorgen bei Urlaubern für Amüsement und Verwirrung - 10.09.2019 13:40 Uhr

Geduldig in der Schlange stehen gilt nicht als deutsche Tugend - hier vor einem Brezenhaus. © Adrian Drechsel


"Falls Sie bei Deutschland an konservative, schlichte Leute mit Lederhosen und Hüten mit Federn denken, vergessen Sie es", schreibt der englische Reiseführer Rough Guides. "Deutschland ist ein kosmopolitisches Land mit einer Vielfalt von Lebensstilen, Ethnien und Kulturen." So weit, so gut, doch dann wird Reisenden empfohlen, auf keinen Fall jeden zu duzen. Das "Du" ist schließlich nur für Freunde und Familie reserviert. Handelt es sich um ältere Personen, fügt man am besten noch ein "Herr" beziehungsweise "Frau" hinzu. Allerdings: Das gilt nicht mehr für junge Leute.

Doch so sehr die Form bei uns noch eine Rolle spielt, so schnell vergessen wir sie beim Warten. Schlange stehen zählt aus Sicht von ausländischen Touristen nicht zu unseren Stärken. Stark sind wir nur darin, möglichst diskret oder mit einer dreisten Entschuldigung nach vorne zu drängen. Selbst schuld, wenn die Schlafmütze vor einem noch gar nicht bemerkt hat, dass da gleich ein weiterer Schalter öffnet. Da huschen wir mal schnell hin.


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Warten und Geduld zahlen sich auch auf der Autobahn nicht aus. In darwinistischer Manier gilt es alle, die langsamer sind, wegzuhupen, abzudrängen oder mit der Lichthupe zu drangsalieren. Die Tatsache, dass es auf vielen unserer Highways kein Tempolimit gibt, löst bei vielen Ausländern ungläubige Überraschung beziehungsweise bei manchen Mietwagenfahrern aus Übersee, deren Freiheit im eigenen Land von unerbittlichen Tempogrenzen beschränkt wird, eine nervöse Vorfreude aus. Einmal mit 280 Sachen durch Deutschland rasen, was für ein Vergnügen!

Nachts bleiben wir an Ampeln stehen

Das Ausland hält uns außerdem für obrigkeitshörig und behauptet, dass wir immer feste Normen und Regeln benötigen. Festgemacht wird das an der Tatsache, dass wir auch nachts um drei Uhr, trotz keiner Menschenseele weit und breit, vor einer roten Ampel halten und andere gerne belehren. Auch das strikt eingehaltene Verkaufsverbot am Sonntag löst bei vielen eher Frust aus. Eine tote Innenstadt, nur Touristen unterwegs.

Auf völlige Verwirrung und vor allem Schamgefühle trifft die Tradition des FKK bei prüderen Nationen wie USA oder China gleichermaßen. Dort läuft ja tagsüber niemand hüllenlos herum. Die Nackten in Münchens Englischem Garten erregen daher genauso viel Unbehagen wie die abgezirkelten FKK-Strände an Nord- und Ostsee. Auch die Sitte, in gemischten Saunalandschaften splitterfasernackt und nur mit einem Handtuch bewaffnet zu schwitzen, treibt vielen ausländischen Gästen die Schamröte ins Gesicht.


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Komplett undurchschaubar ist für Ausländer zudem unser Mülltrennungssystem. Die Regeln variieren ja nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern oft von Landkreis zu Landkreis. Besonders wer in Ferienwohnungen logiert, steht nicht selten vor drei verschiedenen Mülltonnen und einem großen Rätsel. Erschwerend kommt das Pfandsystem auf Flaschen und Geschirr, etwa auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten, hinzu.

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Auch unsere Offenheit ist immer wieder Grund für Verblüffung. Im angelsächsischen Sprachraum gehört die Frage "How are you?" zu den Floskeln genauso wie "Nice to meet you". Nicht wenige Besucher sind höchst perplex, wenn wir ihnen auf die harmlose Frage "Wie geht es?" ein präzises Update unseres aktuellen Gesundheits- oder Gemütszustands geben. Ein schlichtes "Danke, es geht gut" hätte eigentlich völlig ausgereicht. 

Tinga Horny

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