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Washington: Frischer Wind weht durch die US-Bier-Szene

Über 6000 Brauereien - The Wharf ist das neue, hippe Viertel - 13.04.2019 08:00 Uhr

Greg Engert, deutschstämmiger Braumeister, braut Biere wie "Forbidden Planet" oder "Self-Portrait". © Timo Schickler


Das ist die teuerste Werbung der Welt. 30 Sekunden TV-Sendezeit während des Super Bowls kosten bis zu fünf Millionen Dollar. Coca Cola und Pepsi leisten sich das, Autohersteller. Und Brauereien. Die nutzen die Spots während des Football-Spektakels mit 800 Millionen Zuschauern oft für lebendige Spots mit großen Gags und Stars. Dieses Jahr nicht. Stattdessen sitzt eine Frau im Wald an einem Holztisch, sie klopft mit ihren Fingernägeln gegen eine Bierflasche. Slogan: "Bier in seiner ökologischsten Form". Eine andere Brauerei zeigt einen Hund auf einem Laster, die Ohren schlackern im Wind. Laut Aussage wird hier wird mit Windenergie gebraut.

Denn ein frischer Wind weht durch die gesamte Bier-Szene in den USA. Gerade durch Washington D.C. Auch dank Greg Engert, deutschstämmiger Braumeister und Biersommelier. Sein Reich ist das Blue Jacket, früher eine Fertigungsanlage der Navy, der Name stammt von der blauen Uniform. Auf 500 Quadratmetern über drei Stockwerke verteilt braut Engert 20 verschiedene Sorten, Ales, Lager, Helles oder Weißbier.

Biere wie Budweiser oder Miller lehnt er ab. Denn Greg Engert hat auf "mieses Industrie-Bier", wie er sagt, keine Lust mehr. Sein Vater nahm den 39-Jährige einst mit in die ersten Mikrobrauereien, die Keime des heutigen Craftbier–Hypes. Engert kostete dort erstmals richtig gutes Bier.

In Bamberg lernte Engert fränkisches Bier kennen

Dann kam der Literaturwissenschafts-Student ans Goethe-Institut nach München. Er wollte dort Deutsch lernen, "aber stattdessen sprachen alle mit mir Englisch". Dafür lernte er deutsches und vor allem fränkisches Bier kennen. An Mahrs Bräu aus Bamberg und St. Georgen-Bräu aus Buttenheim hat er besonders gute Erinnerungen. In Washington D.C. serviert er nun sogar Bier in drei verschiedenen Temperaturen, weil sich nur so das Aroma richtig entfaltet. Die richtige Temperatur ist auch auf den Bierdosen zu lesen. So bekommt man auch daheim den richtigen Geschmack hin.

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Cheers! Willkommen in Washington und Virginia

In und um die US-Hauptstadt Washington, D.C. wird Bier gebraut, Schnaps gebrannt und Wein angebaut. Die Capitol Region ist hochprozentig - und aus vielen Gründen sehenswert.


"1995 gab es weniger als 1000 Brauereien in den USA, vor fünf Jahren waren es 3000, heute sind es über 6000", sagt Engert, "auch wenn die meisten sehr klein sind" — Amerika ist auf den Geschmack gekommen. Im Blue Jacket heißen die Biere "Lost Weekend", "Self-Portrait" oder "For the Company", bestellt werden sie von Rentnern, Baseballfans auf dem Weg ins Stadion um die Ecke. von Yuppies und Hipstern, die aus dem nahen Stadtteil The Wharf rüberkommen.

Das ist das neue, hippe Viertel, das seit 2017 Einheimische und Touristen in den Süden an einen Seitenarm des riesigen Potomac River lockt – obwohl derzeit nur die erste Phase der Neugestaltung abgeschlossen ist. Trotzdem ist auf dem Kai schon jetzt viel los. Jeder Steg hat eine Funktion, dient als Platz für Festivals, als Ablegestelle für eine Kajaktour. Direkt daneben liegt der über 200 Jahre alte Main Ave Fish Markt, einer der ältesten Fischmärkte der USA.

Die Sehenswürdigkeiten mit dem Rad erkunden

Der Wharf schmiegt sich an den alten bunten Handelsplatz an – und schließt damit eine Lücke im Südwesten der Stadt. Denn wer früher das nahegelegene Jefferson Denkmal besucht hat, wurde von Einheimischen zur Mall geschickt, wenn er nach einem Restaurant gesucht hat. Die National Mall ist kein Kaufhaus, sondern der Teil Washingtons, an dem die größten Sehenswürdigkeiten liegen. Nun findet er hier etwas zu essen.

Ein Stück entfernt liegt auch das Denkmal für Franklin D. Roosevelt — mit dem Fahrrad, das man überall ausleihen kann, sind auch Touristen schnell dort. Denn wer Washington entdecken will, tut das am besten auf zwei Rädern, zum Beispiel bei einer geführten Radtour.

Das neue hippe Viertel Washingtons: The Wharf © Timo Schickler


Ein beliebtes Ziel dabei: Das in weißen Stein geschlagene Denkmal Martin Luther Kings, das ausschaut, als sei es noch nicht ganz fertig. Doch das ist Absicht: Er wächst geradezu aus dem Felsen, ein Symbol, dass der Kampf für Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit noch nicht zu Ende ist.

Ein Stück weiter draußen vor den Toren der Stadt in der Capital Region im Örtchen Prince William stehen große Schlachtfelder aus dem Bürgerkrieg für das alte Amerika, aber gleichzeitig auch für das neue, darunter die riesige Brauereianlage von Farm Brew live. Auf 3,2 Hektar wird hier gebraut, Bier ausgeschenkt, Barbecue oder mexikanisches Essen serviert – und jeden Tag Live-Musik geboten.

Hier die Musik, dort die Kunst. In keiner Stadt in den USA sind so viele Wände kunstvoll bemalt wie in Richmond. In fünf Jahren wurden diese "Murals" an 100 Stellen in der Hauptstadt Virginias gemalt, um die Stadt noch bunter zu machen. Das macht Richmond, einst das Zentrum der Konföderierten, nicht nur für Geschichtsfreunde interessant, sondern dank des Virginia Museum of Fine Arts mit seinen 22.000 Ausstellungsstücken auch für Kunstinteressierte.

Einheimische aber schlagen einen anderen Weg ein, und zwar den Richmond Beer Trail. "Mit 30 Brauereien ist Virginias Hauptstadt eine der am schnellsten wachsenden Bier-Szenen der USA", sagt Josh Starliper. Er braut in der Castleburg Brewery vor allem traditionelle Biere. Und serviert die dann etwa zum Bier-Yoga.

Bier und Natur. So überzeugt das moderne Amerika auch einen Biertrinker aus Deutschland.

Mehr Informationen:

Capitol Region USA: www.capitalregionusa.de
Die Agentur liefert zahlreiche Informationen über die Region rund um die US-Hauptstadt; ein Reiseplaner kann per E-Mail an crusa@claasen.de oder unter der Rufnummer 00800 – 96 53 42 64 (gebührenfrei) bestellt werden.
 

Anreise: Direktflug z.B. mit United Airlines ab München nach Washington D.C.

Günstig wohnen: Hotel Hive, www.hotelhive.com

Luxuriös wohnen: InterContinental The Wharf, www.wharfintercontinentaldc.com/hotel/

Beste Reisezeit: Von April bis Oktober ist das Wetter am schönsten, im Winter oft eisig kalt.

 

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