Montag, 09.12.2019

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Wasser und Weite am Unteren Bodensee

Hier finden Sie Entspannung beim Alpaka-Wandern, im Heilkräutergarten oder im Kloster - 19.10.2019 08:00 Uhr

Die 78-jährige Schwester Edith bietet im Kloster Hegne direkt am See spirituelle Gespräche an. © Petra Reinmöller


Caramello quatscht viel. Zumindest für einen Alpakahengst. Aber das karamellbraune Tier mit den tiefschwarzen Augen ist genau das richtige Alpaka für mich für diesen Spaziergang oberhalb des westlichen Bodensees, das spüre ich sofort. Denn ich bin quasselnde Tiere gewohnt, auch mein Kater Mickey zuhause in Nürnberg redet schließlich viel. Doch keine Zeit zum Nachdenken über andere Tiere jetzt!

Schon stupst mich Caramello am Kopf, immer wieder. Und gibt lustige dunkle Töne von sich. Dann geht es los auf einer Waldroute zwischen den Hegaubergen mit ihren schwarzen Vulkankegeln und idyllischen Tälern. Caramello läuft immer an dritter Stelle, hinter dem hübschen Anführer Bandito und seinem dann folgenden schwarzen Freund Commander Spock, den Caramello auch immer wieder freundschaftlich anstupst.

Bilderstrecke zum Thema

Entschleunigt reisen am Unteren Bodensee

Ob Wandern mit Alpakas, Qi-Gong im Naturschutzgebiet oder spirituelle Impulse durch Klosterschwestern - der Untere Bodensee rund um Radolfzell bietet viele Möglichkeiten. In dieser Bildergalerie zeigen wir sie.


"Alpakas sind Herdentiere", erklärt Kai Herning von Adventure Alpakas in Eigeltingen. Ihnen sei es wichtig, in einer bestimmten Reihenfolge zu laufen. So richtig laufwütig sind sie selten, sie schreiten eher gemächlich voran. Erst als ihre Weide wieder in Sicht ist, gibt es kaum noch ein Halten. Denn dort warten frisches Gras, Löwenzahn und vielleicht sogar ein ganz besonderes und nicht gerade billiges Kräuterheu aus Vorarlberg auf die Tiere.

Wer "seinem" Alpaka immer wieder tief in die Augen schaut, gerät in Gefahr, sich zu verlieben, auch das weiß Herning. Deshalb sind die aus den Anden stammenden Tiere – die deutschen Schnee mögen und hierzulande nicht geschlachtet werden dürfen – ideale Therapietiere etwa für behinderte Kinder, auf die sie sich gut einstellen können.

Kräuter aus Vorarlberg bekommen sie zwar nicht im Heilkräutergarten von Sabine Christ am Stadtrand von Radolfzell. Aber die Heilpraktikerin lädt Besucher regelmäßig in ihren fast 1000 Quadratmeter großen Garten ein und erklärt ihnen, welches Kraut welchem Leiden gewachsen ist. Und wie man ein Kräutersalz selbst herstellen kann oder einen gesunden Aufstrich zaubert.

Wer Christ zuhört, kann sich zu einer späteren Auseinandersetzung mit der Lehre Hildegard von Bingens inspirieren lassen. Er kann aber auch einfach nur abhängen und entschleunigen, dem Zwitschern der Vögel lauschen und die Bienen beobachten.

Wandern mit spirituellen Impulsen

Bei der geführten Wandertour von Susanne Fellhauer-Hoffmann rund um das Kloster Hegne steht ebenfalls eher die Entschleunigung im Vordergrund. "Wanderung mit spirituellen Impulsen" nennt die Lehrerin das Angebot. Für Tierfreunde hat sie den vier Monate alten Anton dabei, den sie als Patin gerade für seine Ausbildung zum Blindenhund sozialisiert.

Immer wieder macht sie Halt im Wald und lenkt mit literarischen Impulsen die Aufmerksamkeit auf die verschiedensten Elemente der Natur: Wald, Wasser und Weite. Wie oft etwa kommt es dem Wanderer sonst in den Sinn, nicht nur in die Weite oder in die Nähe zu schauen, sondern auch mal ganz nach oben – in die Baumwipfel, um dann dort eine Weile zu verharren? Oder vor Ameisenhaufen stehenzubleiben?

Was hingegen jeder Wanderer tut, geht selbstverständlich auch hier: tief durchatmen und wunderschöne Ausblicke genießen – zum Beispiel nach unten zum Kloster der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz und zur dahinterliegenden Insel Reichenau.

Wer kann diesem flauschigen Alpaka-Gesicht schon widerstehen . . . © Stephanie Rupp


Und wer dann einen Stopp beim Hotel St. Elisabeth in Hegne macht, um auf der Café-Terrasse etwas zu essen, der begegnet mit etwas Glück Ordensschwester Edith. Die rührige 78-Jährige kümmert sich mit um dieses Hotel, das zum Kloster gehört, aber allen Reisenden offensteht und Räume auch für weltliche Tagungen hat. Wer spirituelle Impulse sucht, dem bietet sie Gespräche an. Dann verrät sie vielleicht, dass eine Klosterschwester mal ganz weltlich sein kann – zum Beispiel, wenn sie Urlaub in den Schweizer Bergen macht und ihre Tracht gegen Wanderhose und T-Shirt tauscht.

Im Samariter Fastenzentrum in Volkertshausen wiederum gibt es nicht nur das bekannte Heilfasten, sondern auch Fasten mit ausschließlich basischer Gemüsekost, die ganz gut sattmacht. Oder sogar die süßeste Variante: das sogenannte Früchtefasten.

Lautlos über den Bodensee schwebt die futuristische Solarfähre "Helio". Und wer den richtigen Termin erwischt, kann dabei der Harfenistin Johanna Dannert lauschen. Allerdings spielt sie nur wenige Male im Jahr auf der "Helio". Die Fähre hingegen startet regelmäßig zu Sonnenuntergangsfahrten.

Mehr Informationen:
Regio Konstanz-Bodensee-Hegau
www.bodenseewest.eu
Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell
www.radolfzell-tourismus.de
die beide diese Reise unterstützt haben.
Anreise:
Mit der Bahn nach Radolfzell etwa vier Stunden, mit dem Auto 322 Kilometer.
Luxuriös wohnen:
Wellness-Hotel Hoeri
www.hoeri-am-bodensee.de
Wohnen in jeder Kategorie:
Hotel St. Elisabeth/Kloster Hegne
www.st-elisabeth-hegne.de
Buchtipp:
Doris Burger: Kleines Untersee-ABC: Die feine Ecke des Bodensees, Verlagsgruppe Husum, 9,95 Euro.
Von der (Radolfzeller) Aach, ein 32 Kilometer langer Fluss, über (die Gemeinde) Gaienhofen, wo Hermann Hesse und Otto Dix wohnten, bis zum Wollmatinger Ried, dem größten Schutzgebiet am Bodensee, führt Autorin Doris Burger ihre Leser entlang am Untersee, dem kleineren Teil des Bodensees. Nicht nur Orte sind darin aufgeführt, sondern auch die besten regionalen Weine, das interessanteste Feuerwerk und einheimische Spezialitäten.

 

Stephanie Rupp

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