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Weitwandern auf dem Lechweg: Soweit die Füße tragen

Die Tour zwischen Tirol und dem Allgäu ist auf 125 Kilometern ein spektakuläres Erlebnis - 23.09.2020 11:21 Uhr

In 110 Metern Höhe führt die Hängebrücke von Holzgau über das Höllenbachtal und gehört damit zu den unvergesslichen Momenten des Lechwegs auf der Etappe von Holzgau nach Bach. 

© Matthias Oberth


Schwärzler hatte schon immer ein Näschen dafür, wohin sich Trends entwickeln. Um das Jahr 2000 keimte die Idee von einem Weitwanderweg, der vom Ursprung des Lechs bis hin zum Lechfall reicht. Mehr als ein Jahrzehnt später war es dann soweit. Die 125 Kilometer lange Strecke zwischen Lech am Arlberg und Füssen war erstmals als ausgewiesene Strecke begehbar. „Moderates Weitwandern“ steht über den einzelnen Etappen, dennoch ist bei Streckenlängen von 15 bis 20 Kilometern eine gute Kondition und eine ordentliche Ausrüstung angebracht.

Wer beispielsweise in Lech startet, genießt zwar zunächst die Fahrt mit dem Panoramabus an den türkisblau schimmernden Formarinsee, dann geht es jedoch rund 14 Kilometer lang über Stock und Stein bis zum Ausgangsort. Die reine Gehzeit beträgt fünf Stunden, die Berglandschaft ist berauschend. Zurück bleibt aber auch ein leichter Muskelkater.

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Den Lechweg mit allen Sinnen erleben

Der Lechweg führt über 125 Kilometern Länge vom Ursprung des Lechs bis zum Lechfall nach Füssen. Der Abschnitt gilt als einer der letzten Wildflusslandschaften Europas und bietet den Wanderern ein Naturerlebnis der besonderen Art.


Mit etwas Glück erhaschen die Weitwanderer dabei einen Blick auf eine der größten Steinbock-Kolonien Europas oder kommen einem Murmeltier nahe, die hier an vielen Stellen aus ihren Bauten hervorspitzen. Auch die alpine Pflanzenwelt zeigt sich hier besonders üppig. Die „Lechtaler Kräuterhexen“ vermitteln rund um Holzgau und Elbigenalp auf einem Rundgang gerne noch viel mehr Wissen über Blut- und Meisterwurz, Mädesüß, Herbstzeitlosen und andere Heil- und Kräuterpflanzen.

Spektakulär ist in diesem mittleren Abschnitt des Lechwegs die Holzgauer Hängebrücke, die das 110 Meter tiefe Höhenbachtal quert. Nichts für schwache Nerven, weshalb auch eine Alternativroute dazu angeboten wird. „Wir wollen nicht unbedingt immer höher und weiter“, sagt Michael Kohler vom Tourismusverband Ferienregion Lechtal. Große Teile des Tals sind zudem weit weg von den Touristenmassen, die sich hier nur an wenigen Punkten konzentrieren.

Ein Franke braut das Lechweg-Bier

Außerdem setzt man auf regionale Produkte. Die Vilser Brauerei etwa lässt einen oberfränkischen Braumeister hier das „Lechweg-Bier“ brauen, die Edelbrennerei „Haussegen“, die in Elbigenalp lädt zur Verkostung. Wem dann immer noch die nötige Bettschwere fehlt, der ist im Gasthaus „Zur Geierwally“ an der richtigen Stelle, wo Guido Degasperi nicht nur über die Küche regiert, sondern mit reichlich Anekdoten rund um die weitläufig mit ihm verwandte Anna Stainer-Knittel (auf die der Geierwally-Mythos zurückgeht) aufwarten kann.

Die Weitwander-Empfehlungen für den Lechweg lauten von sieben Tagen (klassisch) über acht Tage (gemütlich) bis hin zu zehn Tagen für „Entschleunigte“. Vielerorts laden Wanderwege in die Seitentäler zu zusätzlichen Abstechern ein. Wer seine Tour bei einem darauf spezialisierten Reiseveranstalter bucht, stellt noch dazu den Gepäcktransport sicher, was ein komfortables Wandern erlaubt.

Der 125 Kilometer lange Lechweg bietet auf unterschiedlich langen Etappen reizvolle Ein- und Aussichten in das Lechtal und die angrenzenden Gebirgslandschaft.

© Waltraud Rohr


Bleibt noch, das Ziel (oder den Ausgangspunkt) des Lechwegs mal von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen: Füssen ist nämlich mehr als Hohenschwangau und Neuschwanstein. Wer zum Beispiel bequem mit der Bahn in den Ort angereist ist, sollte sich zunächst ein erstes Durchschnaufen in der pittoresken Altstadt gönnen, ehe es am nächsten Tag über den Kalvarienberg und den bereits jetzt wieder sehr gut besuchten Alpsee-Rundweg in die deutlich ruhigeren Wälder in Richtung Tirol geht.

Wer vom Ursprung des Lech kommt, ist dann am Ende etwas erschrocken über die – trotz Corona - Massen an Touristen in und um Füssen, auch wenn es jetzt, im Herbst, wieder ruhiger wird. Wer in Füssen startet, der kann sich auf immer abgelegenere Wege freuen. Immer am Ufer eines der letzten Wildflüsse Europas, mit einem Farbenspiel sondersgleichen und Panoramen, die lang im Gedächtnis bleiben. Jetzt im Herbst kommen noch die Farben der Bäume dazu, noch bis in den Oktober hinein ist der Weg begehbar.

„Sie erleben den Lech in seiner wilden Jugend, ehe wir ihm in Füssen die Krawatte anlegen und den Anzug anziehen, um ihn in das Erwachsenenalter zu entlassen.“ So prosaisch umschreibt Stefan Fredlmaier das Lechweg-Weitwandern

Mehr Informationen:
Verein Lechweg, Tel.: 0043 / 56 34 / 53 15, www.lechweg.com
Anreise: Von Nürnberg fährt mehrmals am Tag ein Regionalexpress nach Augsburg mit einer Anbindung der Bayerischen Regiobahn nach Füssen. Fahrtzeit rund drei Stunden. Mit dem Pkw über die A7 oder B17 und die A96/B16 nach Füssen. Weiter in Richtung Lech geht es über die A7 zum Grenztunnel und dann die B179 nach Reutte. Von dort führt die L198 nach Lech.
Beste Reisezeit: Der Lechweg ist normalerweise erst ab Mitte Juni und nur bis Oktober durchgängig begehbar. Einzelne Abschnitte werden jedoch - je nach Witterung - schon früher für das Weitwandern freigegeben. Außerhalb der Kernzeiten in jedem Fall vorab beim Verein Lechweg Erkundigungen einholen.
Wichtig: Für das Weitwandern sollte man eine gewisse Fitness und die richtige Ausrüstung mitbringen. Festes Schuhwerk (Wanderschuhe), Wanderstöcke, wetterfeste und warme Kleidung, Trinkflasche, Kopfbedeckung, Sonnencreme, Tagesrucksack und ein Mund-Nasenschutz sind dringend angeraten.

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