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Wenn Dublin zu Dr. Pepper wird

Es gibt verschiedenste Gründe, warum Berge oder Orte ihren Namen wechseln - 18.01.2020 08:00 Uhr

Vorsicht, steigen Sie nicht in den falschen Flieger – vor allem in Indien haben sich viele Ortsnamen geändert. © Deshakalyan Chowdhury/afp


Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, heißt es. Diese Erkenntnis trifft auch auf Landkarten zu: Staaten verschwinden oder entstehen neu, geografische Bezeichnungen ändern sich.

So führt Australiens berühmtester Berg seit 2002 aus Respekt vor dem örtlichen Aborigines-Stamm offiziell den Namen Uluru / Ayers Rock. Und der höchste Berg Nordamerikas wird seit 2015 offiziell nicht mehr Mount McKinley, sondern Denali genannt.

Die Anerkennung geschichtlicher Ortsnamen fand insbesondere im ehemaligen Britischen Empire statt. So wurde in Indien aus Madras Chennai, aus Kalkutta Kolkata und aus Bombay Mumbai. Aus Ceylon wurde Sri Lanka, British Honduras nannte sich in Belize um und Rhodesien heißt seit 1980 Zimbabwe.

Umbenennungen gehören weltweit zur Geschichte, auch in den Vereinigten Staaten. San Francisco hieß ursprünglich Yerba Buena und Los Angeles war El Pueblo de Nuestra Señora la Reina de los Ángeles de la Porciúncula. Atlanta/Georgia wurde als Terminus gegründet, Chicago/Illinois als Fort Dearborn. Boston in Massachusetts hörte einst auf den schönen Namen Shawmut, und St. Paul in Minnesota auf Pig’s Eye. New York City war als New Amsterdam bekannt und Austin/Texas als Waterloo.

Die Kleinstadt Hot Springs in New Mexico nannte sich 1950 in Truth or Consequences um. Der Anlass dazu war eine populäre Ratesendung gleichen Namens: Aus der Stadt, die den Namen der Quizshow annahm, sollte das Programm ausgestrahlt werden.

Wenn schon eine mutige Umbenennung, dann lieber nur auf Zeit. So dachten die Verantwortlichen im Örtchen Halfway/Oregon, die sich nach einer Zahlung in die Stadtkasse für ein Jahr Half.com nannten. Das gleichnamige Internetunternehmen gehört zu eBay. Für zehn Jahre profitierten die Einwohner von Clark/Texas davon, den Ort 2005 in DISH umzubenennen. Für diesen Zeitraum lieferte ihnen das Dish Network kostenlos Satellitenfernsehen. Für ein paar Tage im Jahr wird Dublin/Texas zu Dr. Pepper. Dass die Straßenschilder vorübergehend ausgetauscht werden, soll an die erste Abfüllanlage dieser Brause erinnern.

Bleibt abzuwarten, welche Umbenennungen in Amerika demnächst anstehen. Da wäre zum Beispiel ein Städtchen in Pennsylvania namens Intercourse. Die Bezeichnung wurzelt in der Tatsache, dass sich dort einst wichtige Wege kreuzten. Intercourse heißt aber auch Geschlechtsverkehr. Klar, dass das Ortsschild eine begehrte Trophäe für Diebe ist. Oder die Grand Tetons in Wyoming. Diese Berge erhielten ihren Namen vor langer Zeit von französischsprachigen Pelzhändlern, deren Fantasie aus den Felsen les trois tétons machte – die drei "Titten".

Umbenennungen machen selbst vor dem Weltall nicht Halt. Kürzlich wurde bekannt, dass die Nasa einem Himmelskörper, der bisher als Ultima Thule bekannt war, in Arrokoth umbenannte. Das Wort stammt aus der Sprache der Powhatan- und Algonquian-Indianer.

Gerd Otto-Rieke

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