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Wie reisen wir nach Corona? Wie früher, nur etwas anders

Auf der Tourismusmesse ITB setzt die Branche auf unseren Urlaubshunger - 09.03.2021 12:30 Uhr

Statt mit Mittelmeer planen auch in diesem Jahr viele Deutsche mit Urlaub daheim - hier Sommerferien im Schwarzwald bei Waldkirch.

11.02.2021 © Matthias Niese, NN


Denn Umfragen zeigen, dass die meisten von uns das so wollen. Der radikale Wandel ist also nicht zu erwarten, auch wenn sich ein paar Änderungen schon jetzt abzeichnen.

Die Deutschen sind urlaubsreif - das stimmte die Reiseexperten bei der virtuellen Eröffnung der weltweit wichtigsten Reisemesse ITB dann doch noch froh nach all dem Lamentieren über das Katastrophenjahr 2020. Das hat dem Tourismus einen Einbruch von 80 Prozent etwa bei Pauschalreisen beschert - in manchen Destinationen ließen sich überhaupt keine Urlauber blicken.


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"Wenn wir in diesem Jahr wieder 50 Prozent der Zahlen von 2019 erreichen, würde ich das schon als Erfolg bezeichnen", sagte etwa Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands DRV. Und Caroline Bremner vom Marktforscher Euromonitor International sagte voraus, dass wir erst in drei bis fünf Jahren wieder die Umsätze im Tourismus haben, die vor der Pandemie gemacht wurden.

Individualität, Sicherheit, Flexibilität sind gefragt

Der Reisebranche spielt nun in die Karten, dass sie sich wohl erstmal mit Bewährtem wie Pauschalreisen ans Mittelmeer oder Wanderurlaub in den Bergen erholen kann und nicht auch noch auf radikal andere Kundenwünsche reagieren muss. Die wollen vorerst lediglich mehr Individualität, Sicherheit und Flexibilität unter anderem beim Buchen, erst dann folgen etwa Nachhaltigkeit und faires Reisen.

Einen Tag vor Beginn der Messe, die in dieser Woche statt in den Berliner Messehallen online und auf Englisch stattfindet, prophezeite der TUI-Deutschlandchef Marek Andryszak neben der Aussicht, evtl. noch zu Ostern wieder Mallorca-Flieger besteigen zu dürfen: "Fast alle möchten wieder Urlaub wie vor Corona machen, die Kunden erwarten da von uns keine Revolution, sondern Beständigkeit. Sie wollen das, was sie kennen, wieder vorfinden." Sein Fazit: Was bis 2019 die Kunden glücklich gemacht habe, mache sie 2021 und erst recht 2022 auch wieder glücklich.

Er beobachtet lediglich leichte Verschiebungen, zum Beispiel etwas weg von der Fernreise und hin zur Autoreise und Deutschlandurlaub - gut 10 Millionen Deutsche können sich vorstellen, heuer (wieder) Urlaub daheim zu machen. "Doch Deutschland hat gar nicht die Kapazitäten, alle im Sommer aufzunehmen", sagt er. Für mehr als 20 Prozent der Deutschen gäbe es gar nicht genug Platz in Hotels, auf Campingplätzen, in den Bergen und an Stränden. Andere Ziele sind daher nötig, um den Druck auf Urlaubsiele zu verteilen.

Claudia Cramer von vom Dienstleister statista sieht auf der ITB drei große Schlüsselbotschaften, die das Reisen derzeit ausmachen:
1. Wir wollen (fast) alle wieder fliegen und reisen (über 70 Prozent)
2. Wir wollen vermehrt mit Familie und Freunden reisen
3. Sicherheit ist wichtig - die finden viele vor allem in der Heimat und in der Natur

Frühlingssonne auf Mallorca. Hier eine Strandbar an der Playa de Palma im Pandemie-März 2021, wo alle sehnlichst auf die ersten Flieger aus Deutschland hoffen.

06.03.2021 © Clara Margais, dpa


Auch der ADAC veröffentlichte kurz vor der ITB in Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Meinungsforscher GfK eine Umfrage unter Deutschen über 18 Jahren zu ihren mittelfristigen Urlaubsplänen. Kernergebnis: Individueller Urlaub, bei dem man Abstand halten kann - etwa im Ferienhaus oder beim Campen - legen zu, außerdem möchten sich viele nicht mehr langfristig festlegen und flexibler buchen können. Auch im laufenden Jahr planen die Deutschen noch zurückhaltend, fast die Hälfte will sich erst kurz vor Reiseantritt oder gar nicht vorab auf ein Ziel festlegen.

Deutschland bleibt als Destination gefragt

Die Bundesrepublik profitiert auch 2021 von den beschränkten Reisemöglichkeiten ins Ausland. Gut zwei Drittel der Befragten wollen wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich hierzulande reisen, 47 Prozent möchten zumindest ins europäische Ausland, während nur 16 Prozent eine Fernreise außerhalb Europas erwägen, darunter vor allem jüngere Menschen.

55 Prozent der Deutschen wollen nach Corona wieder so reisen wie vorher - also längere Reisen zu ihren gewohnten Zielen machen. Badeurlaub steht im Sommer weiterhin vorne, Kreuzfahrer wollen wieder auf die Schiffe und Hotels bleiben die bevorzugte Unterkunftsart - noch vor Ferienhäusern und Camping.

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Letztere Reiseart ist in sich sehr divers: Wohnmobile sind gefragt wie nie, doch die Miete plus Nebenkosten- darunter in diesem Jahr sehr gut gebuchte, volle Campingplätze - können locker den Preis einer All-in-Pauschalreise für die ganze Familie überschreiten.


Den ersten Urlaub mit dem Wohnmobil planen: Das sollten Einsteiger vorab wissen


Wohnmobilurlaub rechnet sich übrigens nur, wenn man damit ein Land oder eine Region auf einer Tour erkundet. Wer vorhat, fest auf einem Campingplatz zu bleiben, sollte sich einen fest installierten Wohnwagen oder einen Bungalow mieten. Viele packen auch das Zelt in den PKW, weil sie sich angesichts geschmolzenen Familienbudgets in diesem Jahr schlicht keinen Hotelurlaub leisten können.

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Die Studie zeigt auch, dass die Reisenden immer anspruchsvoller werden: "Flexibilität bei Buchungen hat künftig hohe Bedeutung, gleiches gilt für die Ansprüche an Stornobedingungen, Hygienestandards und eine gute Qualität der medizinischen Versorgung", fasst ADAC-Touristikchef Carsten Cossmann zusammen.

WHO-Experte: Anfang 2022 ist die Pandemie vorbei

Um überhaupt innerhalb Europas reisen zu können, wurde bereits ein EU-Impfpass beschlossen, in dem sich fälschungssicher nachweisen lassen soll, ob man die Corona-Schutzimpfung bereits erhalten oder eine Erkrankung überstanden hat, außerdem werden Testergebnisse eingetragen.

Wohnmobilurlaub kann richtig teuer werden, vor allem wenn man ein Luxusfahrzeug mietet. Hier im Elsass.

18.02.2021 © Matthias Niese, NN


Doch ausgerechnet die Weltgesundheitsorganisation WHO lehnt ihn in dieser Form ab. Ihr Regionaldirektor Europa, der Belgische Mediziner Hans Kluge, sagte in einem Zeitungsinterview: "Wir verstehen, dass Regierungen mit der politischen Realität konfrontiert sind. Die für den Sommer angekündigte Einführung sei "wohl unvermeidlich. Aber es ist keine Empfehlung der WHO", so Kluge. Grund: Niemand wisse, wie lange die Impfung immun mache.


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WHO-Experte Kluge glaubt, dass die Corona-Pandemie in gut zehn Monaten bewältigt sein werde. Er gehe davon aus, dass 2021 ein weiteres COVID-19-Jahr werde, 2020 sei gar "Terra Incognita" gewesen. Ein Jahr später wisse man viel mehr. "Deshalb gehe ich davon aus, dass die Pandemie Anfang 2022 vorbei ist. Das bedeute zwar nicht, dass das Virus weg sei, doch es bedürfe dann wohl „keiner der disruptiven Interventionen mehr“.

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