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Wien geht fremd

Kunst, Städtebau und ein ganz eigener Lifestyle in kreativen Bezirken erleben - 20.04.2019 07:47 Uhr

Stimmungsvoll am Abend: Der Donaukanal ist voller Restaurants, Cafés und Ausflugsboote. © Jo Seuß


Das Vello ist handlich, flott und schick. Ein Gefährt, das man gar nicht mehr hergeben will. Ohne Extras wiegt es kaum neun Kilo, in der E-Version laden sich die Batterien beim Bremsen. Und: Es ist ein Wiener Produkt, entwickelt von Produktdesigner Valentin Vodev.

Der 40-Jährige ist ein typischer Wiener Kreativer. Im bulgarischen Sofia geboren hat er wie fast jede(r) Zweite hier einen Migrationshintergrund. Mit 20 kam er zum Studieren nach Wien, war kurz in London und baut nun praktische und schöne Dinge auf Rädern wie Tretroller, Kinderwagen oder eben das Vello, dessen Funktion er der Touristengruppe mit Wiener Schmäh erklärt.

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Wien frischt sein Blut auf

Wien ist ein Touristenmagnet, setzt aber immer mehr auf Touren abseits der bekannten Pfade. Ob Kunst oder Manufakturen, ob besondere Plätze oder ungewöhnliche Läden, ob heimelige Märkte oder zukunftsweisende Neubauviertel - überall gibt es viele kleine und große Bühnen - und immer beliebter wird das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Besonders das Vello - natürlich made in Vienna.


Die 1,9-Millionen-Metropole will Weltfahrradhauptstadt werde. Die Vello-Touren sollen Besucher zu Kunst und Alltag der Einheimischen führen. Ob in der Restaurant-Bar "Skopik & Lohn" in der Leopoldsgasse oder im Retroladen "Supersense" in der Praterstraße: Überall trifft man dabei Stil und echte Wiener. Die Tour ist natürlich auch ein Modell gegen die Gefahr des "Overtourismus", bei dem zu viele Menschen die immer gleichen Sehenswürdigkeiten zur selben Zeit sehen wollen.

Im Odeon-Theater werden vier einheimische Größen als zeitgenössische Galionsfiguren präsentiert: Lilli Hollein vertritt als Direktorin der Vienna Design Week im Herbst den guten Geschmack für Architektur, Möbel und Mode. Der griechische Sterne-Koch Konstantin Filippou, der seit sechs Jahren in Wien lebt und zwei Gasthäuser führt, hebt die "Balance von Alt und Neu" hervor und empfiehlt den Besuch des Karmelitermarktes als Alternative zum Naschmarkt.

Absoluter Tipp: der siebte Bezirk

Als Kosmopolit hält der Brite Jasper Sharp, der seit 2011 das Kunsthistorische Museum leitet, seine Wahlheimat für "langsam, aber schön" und für einen "guten Ort, um zu bleiben". Schon wegen der vielen Museen – sein Tipp ist das Globenmuseum in der Herrengasse.

Wien ist eine Schau: Erst recht bei einer Gruppen-Tour mit dem in Wien entwickelten und gebauten Vello-Faltrad auf den Straßen am Rand des Praters. © Jo Seuß


Und natürlich Conchita Wurst, die Dragqueen. Der 30-jährige Tom Neuwirth, Grand-Prix-Eurovision-Sieger von 2014, konzertiert mit den Wiener Symphonikern und liebäugelt mit Techno und surrealer Kunst. Sein Favorit ist der siebte Bezirk, "weil dort Designer und junge Leute leben". Dort befindet sich am Brillantengrund ein Hotel mit schönen Balkonen an einem lauschigen Innenhof, wo gebrauchtes 1950er-Jahre-Mobiliar steht. Dahinter verkauft ein Laden Biker-Mode, auf den Tisch im Restaurant des Hotels kommt philippinische Küche.

Im Viertel gibt es auch viele Manufakturen. Entdeckenswert ist die Silberschmiede von Jarosinski & Vauguoin in der Zieglerstraße, aber auch die Kandelaber-Werkstatt von Bakalowits in der Gumpendorferstraße. Sie sind Beweise dafür, dass "k.u.k.-Hoflieferanten" noch gefragt sind — und das auf der ganzen Welt. Derweil führt Thomas Petz in der Nobilegasse die Handwerkskunst seiner Großeltern weiter: Aus Hörnern von afrikanischen Rindern fertigt er Schmuckstücke und Kämme.

Auf der Bühne des Odeon Theaters in Wien (von links): Drag-Queen Conchita, Museumsleiter Jasper Sharp, Design-Week-Chefin Lilli Hollein und Sterne-Koch Konstantin Filippou mit der Moderatorin der Gesprächsrunde im Rahmen des "Vienny Story Stage" mit 60 Journalist(inn)en aus der ganzen Welt, die neue Ideen des Wiener Tourismusbüros erfuhren. © Jo Seuß


Die Kunstpfade führen natürlich in die Albertina, wo zwischen Dürer, Monet, Picasso und Richter unzählige Meisterwerke hängen. Einen Tag kann man locker auch im Museumsquartier verbringen, wo das Leopold-Museum den einst verpönten Egon Schiele hochleben lässt. Zu sehen gibt es aber auch Karikaturen, Tänze und viel Architektur. Ein paar Vello-Minuten weiter steht das Belvedere mit weit mehr als Gustav Klimts legendärem "Kuss".

Wer noch etwas Visionäres sehen will, fährt 20 Minuten mit der U2 zur Seestadt, einem neuen Quartier für 15 000 Bewohner. Um einen künstlichen See verläuft eine Laufstrecke an der Janis-Joplin-Allee, während mit dem "HoHo" ein 84 Meter hohes Holzhochhaus entsteht — ein weiteres Wahrzeichen für die Wiener Skyline. Wie das gläserne Hotel So/Vienna an der Praterstraße, das mit Bezug zum Stephansdomdach entworfen wurde. Video-Installationen strahlen irre Landschaften an die Decken von Foyer sowie von 5. und 18. Stockwerk. Gekonnt lenken sie vom grandiosen Blick auf Wien ab.

|Mehr Informationen:
Wien Tourismus
www.wien.info
Anreise:
Von Nürnberg mit dem Auto 500 Kilometer, die Bahnfahrt dauert gut 4:15 Stunden. Flixbus ist günstig, die Fahrt dauert gut sieben Stunden.
Günstig wohnen:
Hotel am Brillantengrund
http://brillantengrund.com
Luxuriös wohnen:
SO/Vienna
www.so-vienna.com
Beste Reisezeit:
Ganzjährig.

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