Corona-Regeln

Wintersport: Schweiz lässt alle Ski fahren, Österreich hofft, Deutschland schränkt ein

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

Magazin am Wochenende / gute reise

E-Mail zur Autorenseite

30.11.2021, 13:09 Uhr
Skifahrer in Österreich - hier in Hopfgarten in Tirol - haben die Pisten derzeit für sich alleine.

Skifahrer in Österreich - hier in Hopfgarten in Tirol - haben die Pisten derzeit für sich alleine. © imago images / imagebroker, NNZ

Deutschland: Diese Regeln gelten für das Skifahren

In Deutschland gilt während der kommenden Skisaison grundsätzlich die 3G-Regel. Die Bundesländer entscheiden hierzulande aber selbst, welche Regeln bei ihnen angewendet werden - und da gibt es Unterschiede! Massentauglich Ski gefahren wird in Bayern (hier gilt 2G+), Baden-Württemberg (auf dem Feldberg gilt etwa 2G+), Thüringen und Sachsen. Derzeit kann man nur auf die Zugspitze mit dem Lift, angesichts des Schneefalls dieser Tage sperren vielleicht andernorts noch Lifte auf.

Auf dem Ochsenkopf im Fichtelgebirge etwa sollen sie sich ab 17.12. drehen, Mitte Dezember gilt als Datum, ab dem es sich in den meisten deutschen Mittelgebirgs-Skigebieten erst lohnt, den Skibetrieb anlaufen zu lassen. Auch am Großen Arber im Bayerischen Wald geht der Skibetrieb erst am 18.12. los - aber nur, wenn der Landkreis Regen-Arberland bis dahin dank sinkender Inzidenzwerte seinen Status als Corona-Hotspot-Region verliert.

Der Schwarzwälder Feldberg ist hoch genug, um früher anzufangen: Hier starten sie am 3. Dezember nach der 2G+-Regel für Erwachsene, Kinder brauchen nur den Schülerausweis vorzeigen - sie gelten dann als regelmäßig getestet. Schon am 10. Dezember geht es im hochalpinen Oberstdorf los - mit der neuen Nebelhornbahn. Allerdings kratzt der Landkreis Oberallgäu an der 1000er-Inzidenz-Marke. Wird die - wie auch andernorts - überschritten, machen Hotels und Skigebiete dicht.

Scharfe Kritik an 2G+ in Bayern

Deutsche Gondelbahnen sind zu 80 Prozent voll, in Bayern gilt 2G+, also geimpft oder genesen und zusätzlich getestet - man muss sich vor Ort um einen aktuellen Schnelltest kümmern, was nicht immer einfach sein dürfte - außer, die Liftbetreiber bauen noch an der Bahn Schnellteststationen auf. Überall gilt FFP2-Maskenpflicht, auch in Sesselliften.

Die Seilbahn-Branche übte scharfe Kritik an den v.a. in Bayern geltenden 2G+-Coronaregeln. Sie seien "personell und logistisch nicht zu stemmen", sagte der Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen, Matthias Stauch und verlangte für die Seilbahnen eine Rückkehr zur 2G-Regel. Andernfalls sei unklar, ob es in Bayern eine Skisaison geben könne, denn viele würden dann ins nahe Österreich ausweichen.

Österreich: Skigebiete trotz Lockdown offen, Hoffen auf weiter sinkende Inzidenzen

Die Österreicher waren so optimistisch und sandten unentwegt PR-Meldungen über die bald öffnenden Skigebiete unter 3G aus. Noch im Spätherbst schien Skiurlaub möglich, wir buchten fleißig. Wegen erschreckend hoher Inzidenzwerte (zum 1.12. bei 835, am 25.11. noch beim Spitzenwert 1094) gilt nun bis 13. Dezember für alle ein Lockdown, Gastronomie und Beherbergungsbetriebe sind dicht.

Die Lifte dürfen zwar unter 2G laufen, sind aber wohl nur für Einheimische, nah wohnende, deutsche Tagesausflügler oder theoretisch Wohnmobilbesitzer (die geduldet etwa an Liften oder auf Wanderparkplätzen übernachten) erreichbar - Einreisen bleiben weiterhin erlaubt. Für viele lohnt sich der Betrieb unter diesen Umständen aber derzeit nicht, die Pisten bleiben zu. Ischgl will unter diesen Umständen dennoch am 3. Dezember für Tagesgäste, Einheimische und Mitarbeiter öffnen, Kitzbühel am 4. und St. Anton am Arlberg am 13. Dezember. Bislang gilt, dass die Bergbahnen voll ausgelastet werden dürfen, auch die Hütten haben zum Teil offen. Man kann sich dort aber nicht aufwärmen, sondern nur etwas zum Mitnehmen bestellen. Schon vor Ende des Lockdowns wird bewertet, wie es weitergehen soll.

Eltern aufgepasst: Schulpflicht-Verletzung nach Rückkehr aus Hochrisikogebiet

Südtirol - hier der Rosengarten - könnte für Familien mit ungeimpften Kindern eine Alternative sein - sie müssen nach derzeitigem Stand nach Rückkehr nicht in Quarantäne.

Südtirol - hier der Rosengarten - könnte für Familien mit ungeimpften Kindern eine Alternative sein - sie müssen nach derzeitigem Stand nach Rückkehr nicht in Quarantäne. © Matthias Niese bzw. TVB Eggental

Sollte Österreich insgesamt Corona-Hochrisikogebiet bleiben - also auch noch während der Weihnachtsferien - dann laufen auch geimpfte oder genesene Eltern mit schulpflichtigen, ungeimpften Kindern unter 12 Jahren Gefahr, bei Rückkehr am Ende der Ferien die Schulpflicht zu verletzen. Denn dann müssen die Kinder erst einmal in Quarantäne. Man sollte sich also überlegen, sehenden Auges mit ungeimpften Kindern in ein Hochrisikogebiet zu fahren. Wer am Anfang der Ferien fährt, hat die Sorge nicht, wenn am Ende noch fünf Tage Ferien inkl. Wochenende übrigbleiben. Dann kommen sie mit einem negativen Test aus der Quarantäne heraus. Ist der Test positiv, haben sie so oder so ein Problem.

Südtirol: Pünktlicher Start in die Wintersaison erwartet

Darum setzen viele Familien, die noch flexibel sind, auf die Alternative ein Stückchen südlich des Brenners. In Italien haben sie dank schlimmer Erfahrungen am Anfang der Pandemie vieles beim Impfen richtig gemacht, die Impfgegner-Szene ist überschaubar. Zwar steigen auch dort mancherorts die Inzidenzen, doch von einem ganz anderen Niveau – zum 1.12. lag sie bei 143, in Südtirol allerdings bei 550.

Unter 3G geht man derzeit davon aus, dass die meisten Skigebiete pünktlich präpariert sind. Wichtig ist, dass Sie Ihr digitales EU-Covid-Zertifikat dabeihaben und Impfung, Genesung oder Testung nachweisen können. Nur damit dürfen Sie in verschließbare Gondeln und Sessel mit max. 80 Prozent Auslastung. Offene Gondeln dürfen zu 100 Prozent belegt werden. Fahrgäste müssen einen Sicherheitsabstand einhalten und ab einem Alter von sechs Jahren eine Maske tragen.

Der Tourismusverband schreibt: "In einigen Südtiroler Gemeinden (Rote Zonen wie St. Ulrich und St. Christina im Grödnertal mit Teil-Lockdown, d.Red.) gelten weitere Regeln, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Zu diesen gehören, beispielsweise, reduzierte Öffnungszeiten für Schank- und Gastronomiebetriebe bis 18 Uhr und eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit von 20 Uhr bis 05 Uhr des darauffolgenden Tages (ausgenommen ist die Durchreise durch diese Gemeinden). Ein Urlaub in den Unterkunftsbetrieben und die zahlreichen Freizeitaktivitäten sind weiterhin möglich."

Gratistests für Urlauber gibt es übrigens nicht mehr, Après-Ski ab Januar wegen italienweiter Null-Promille-Grenze an den Skipisten auch nicht mehr.

Schweiz: Nicht mal 3G, offene Pisten, offene Hotels

Unbekümmert gibt sich die Schweiz - hier Skifahrer in Gstaad.

Unbekümmert gibt sich die Schweiz - hier Skifahrer in Gstaad. © imago images/Christof Sonderegger, NNZ

Die Schweiz geht bei einer 7-Tage-Inzidenz von 602 zum 1.12. weiterhin von freien Pisten, Liften und sogar Hotels auch für Ungeimpfte aus - auch im letzten Winter liefen mancherorts die Lifte durchgängig. Derzeit hört man lediglich, dass "in allen geschlossenen Berg- und Seilbahnen, Skiliften und Sesselbahnen sowie in geschlossenen Stationsgebäuden, Wartezonen und Liftkarten-Verkaufsstellen eine Maske zu tragen ist." Eine 3G-Pflicht werde lediglich "diskutiert", nicht mal ein Test ist also nötig. Nur in Samnaun gilt wegen des Verbunds mit dem Tiroler Ischgl 2G. Und nur auf Hütten gilt in der Schweiz allgemein 3G mit maximal 48 Stunden altem Schnell- oder maximal 72 Stunden altem PCR-Test - und auch nur für über 16-Jährige.

Frankreich: Kein 3G, dafür Maskenpflicht

Hier muss man an allen Skiliften lediglich Maske tragen, egal, ob offen oder nicht. Für Restaurants und Skihütten gilt: 3G, also u.a. das digitale Impfzertifikat. Die Inzidenz liegt derzeit bei 333.

Keine Kommentare