Mittwoch, 29.01.2020

|

zum Thema

Wintersport: Skating in Balderschwang

Ein Balanceakt mit der ehemaligen deutschen Skilangläuferin Evi Sachenbacher-Stehle im Allgäu - 07.12.2019 08:00 Uhr

Sieht lustig aus, macht auch viel Spaß – und beschert doch irren Muskelkater: Skating-Training für Einsteiger mit Evi Sachenbacher-Stehle (rechts). © Clara Grau


Mit strahlendem Lächeln und scheinbar völlig unangestrengt dreht Evi Sachenbacher-Stehle eine Proberunde auf der Loipe in Balderschwang im Allgäu. "Langlaufen kann man in jedem Alter betreiben, es trainiert das Herz-Kreislaufsystem, die Muskulatur am ganzen Körper und koordinative Fähigkeiten werden gestärkt", schwärmt unsere Skilehrerin von ihrem Sport. Weil man gleitend unterwegs ist, gäbe es kaum Stöße, die die Gelenke schädigen, fügt sie hinzu.

Die 38-Jährige war über viele Jahre eine der besten deutschen Langläuferinnen und Biathletinnen. Sie holte fünf olympische Medaillen, sechs WM-Medaillen und zehn Weltcupsiege. Vor fünf Jahren beendete die zierliche Spitzensportlerin aus Reit im Winkl im Landkreis Traunstein nach Doping-Vorwürfen ihre Karriere. Bei ihr wurde 2014 in Sotschi Methylhexanamin im Urin gefunden. Bis heute beteuert sie, dass sie die verbotene Substanz unbewusst über einen Tee zu sich genommen hat, den sie von ihrem Ernährungsberater erhalten hatte.

Sie liebt es, Mama zu sein

Heute lebt Evi Sachenbacher-Stehle in Fischen im Allgäu und ist mit ihren beiden Töchtern Mina (3) und Greta (1) ziemlich ausgelastet. "Ich liebe es, Mama zu sein. Es war schon immer ein Traum von mir, eine Familie zu haben, viel daheim zu sein und nicht dauernd aus dem Koffer zu leben", verrät sie. Ab und an gönnt sie sich den Spaß, im Fernsehen aufzutreten, etwa in der Unterhaltungssendung "Das große Promibacken". Und nebenbei hilft sie ihrem Ehemann Johannes Stehle, einem ehemaligen Skirennläufer, in seiner Skischule.

Bevor die Teilnehmer des Skating-Schnupperkurses in die Loipe dürfen, steht Aufwärmgymnastik auf dem Programm: Hüpfen im Schnee, Beckenkreisen, Standwaage, einen Ball fangen auf einem Bein – das schafft jeder ganz locker. Nach und nach entledigen sich fast alle ihrer Winterjacken und Mützen. "Zum Skating sollte man sich wie zum Joggen anziehen", empfiehlt unsere Skilehrerin.

Verschiedene Modelle ausprobieren

In der Regel würden sich Anfänger zu warm kleiden. Sie selbst trägt an dem sonnigen Wintertag Thermoleggins, eine Fleecejacke über einem Funktionsunterhemd, ein Stirnband und dünne Handschuhe. Unsere Skating-Ausrüstung bekommen wir vom Skiverleih. Das sei praktisch, so könne man anfangs verschiedene Modelle ausprobieren und schauen, welcher Ski und welcher Schuh einem zusagt, findet die Expertin.

Bilderstrecke zum Thema

Ski- und Schneeschuhtouren im Allgäu

Auch abseits der Pisten hat man im winterlichen Allgäu viel Spaß. Vor allem, wenn man als passionierte Wanderin und Kletterin einmal die Wanderschuhe gegen Tourenskier tauscht.


Die meisten Teilnehmer haben schon Erfahrungen auf Alpin-Skiern gesammelt. Die schmalen Langlauf-Skating-Skier sind aber nicht ganz so einfach anzulegen, wie gutmütige Pisten-Carver. Beim Versuch, den zweiten Schuh in die filigrane Bindung zu bekommen, verlieren mehrere Langlaufneulinge fast das Gleichgewicht und rudern wild mit den Armen, um nicht im Schnee zu landen. Die ersten Gehversuche mit den ungewohnt langen Latten unter den Füßen wirken nicht besonders elegant.

Bremsen ist nicht einfach

Evi Sachenbacher-Stehle zeigt, wie man mit den aalglatten Brettern vom Fleck kommt: Während sich beim klassischen Langlaufstil Arme und Beine diagonal wie beim Laufen bewegen, muss der Skater ähnlich wie beim Schlittschuhfahren die Beine auswärts und vorwärts arbeiten und so für Vortrieb sorgen. "Nase, Knie und Fußspitze sollten in der Gleitphase in einer Achse blieben", mahnt uns die Expertin.

Leichter gesagt als getan: den richtigen Moment für den Abdruck zu finden und dann auf einem dünnen Ski dahinzugleiten, verlangt ein wirklich gutes Gleichgewichtsgefühl. Richtig kniffelig wird es, als die Skischüler den Schwung noch mit forschem Stockeinsatz verstärken sollen: Ski und Stöcke kommen sich anfangs gefährlich in die Quere. Zum Glück ist die Übungsloipe relativ eben. Denn auch bremsen ist mit den langen, wackeligen Brettern nicht einfach.

Flott über den gewalzten Schnee

Mit etwas Übung funktioniert die Koordination von Ski- und Stockeinsatz immer besser. Auf einmal geht es dynamischer und flotter über den gewalzten Schnee. Mit steigendem Tempo fällt auch das Gleiten leichter. Die rhythmische Bewegung zwischen den verschneiten Bergen macht nicht nur Spaß, sie hat auch fast etwas Meditatives. Sie ist allerdings auch ziemlich anstrengend. Nach gut eineinhalb Stunden sind die Klamotten komplett durchgeschwitzt, der Kopf ist rot und die Muskeln brennen. Zeit für eine Pause. Am nächsten Tag zeigt sich, dass Skating tatsächlich ein Ganzkörpertraining ist: Der Muskelkater schnurrt nicht nur in Waden und Oberschenkeln, sondern auch in den Armen und dem gesamten Rumpf.

Mehr Informationen:
Allgäu GmbH,
www.allgaeu.de
die die Reise unterstützte.
Anreise:
Mit dem Zug: Allgäu-Franken-Express mehrmals täglich ohne Umsteigen in dreieinhalb Stunden von Nürnberg nach Fischen oder Oberstdorf. Dann per Bus in die Skigebiete. Mit dem Auto: ab Nürnberg über A 6 und A 7, rund 300 Kilometer, knapp vier Stunden.
Günstig wohnen:
Berggasthaus Rohrmoos
www.rohrmoos.de
Luxuriös wohnen:
Hotel Tanneck
www.hotel-tanneck.de
Beste Reisezeit:
Hoch gelegene Loipen im Allgäu, etwa in Balderschwang, gelten als schneesicher und sind in der Regel bis mindestens Ostern geöffnet.

 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise