-4°

Donnerstag, 02.04.2020

|

zum Thema

Winterurlaub mal anders: Über Zagrebs Pisten flitzen

Zwei in einem: Die kroatische Hauptstadt ist auch eine (kleine) Skisport-Destination - 22.02.2020 08:00 Uhr

Die Wettkämpfe um die sogenannte Snow Queen Trophy, 2005 erstmals nur in einer Frauen-Konkurrenz zu Ehren der kroatischen Ikone Janica Kostelic ausgetragen, zählen längst zu den beliebtesten Höhepunkten im Weltcup-Kalender. Zwei Jahre nach dem Rücktritt des noch erfolgreicheren Bruders Ivica Kostelic erreichte die Veranstaltung 2019 sogar den Spitzenwert unter den internationalen TV-Quoten. © Kevin Gudd


Als wir die 30-minütige Anfahrt mit dem Bus über zig Serpentinen hinter uns gebracht haben, fehlt in der frühlingshaften Atmosphäre auf knapp über 1000 Metern von Schnee zunächst jede Spur. Es dauert noch etwas, bis die neue Gondelbahn vom Zentrum Zagrebs auf den Gipfel des Sljeme fährt.

Solange geht es vom Parkplatz des Hotelrestaurants Tomislavov Dom zu Fuß die restlichen Meter bis zum Fernsehturm hinauf. Auf der von der Stadt abgewandten Nord-Seite liegen die selbst im Winter meist grün-braunen Hänge eines sonderbaren Skigebiets.

Drei Lifte, fünf Routen

Lediglich 300 Meter Höhenunterschied bewältigen am Sljeme drei kleine Lifte und fünf Routen, die mit einer Gesamtlänge von vier Kilometern sogar das zweitgrößte Skigebiet des Landes bilden. Dazu darf auf einer ausgewiesenen Fläche gerodelt werden. Wenn denn die Witterung mitspielt. "Heuer ist es brutal", sagt Betriebsleiter Igor Ziljak, der die spärlichen Niederschläge des bisherigen Winters schnell wieder schmelzen sah und auch 2018/19 nicht mehr als zehn Zentimeter verbuchte.

Also hilft er mit künstlicher Beschneiung nach. Je nach Temperaturen reicht es trotzdem für durchschnittlich 90 bis 100 Ski-Tage in einer mitunter bis Ostern verlängerten Saison. Dreimal in Folge konnte in den Vorjahren nach einem kalten November bereits vor Weihnachten die Saison beginnen.

Bilderstrecke zum Thema

Skiurlaub mal anders: Zagreb als Wintersportort

Kroatien steht für Sonne und Meer, doch gerade im Winter putzt sich die Hauptstadt besonders heraus. Neben den alpinen Slalom-Wettbewerben auf dem nahen Hausberg Sljeme erwartet Besucher verlängerte Weihnachtsstimmung auf einem preisgekrönten Adventsmarkt. Liebhaber von mediterraner Atmospähre im Straßen-Café kommen trotzdem nicht zu kurz.


Die Stadt als Auftraggeber lässt sich das speziell an ihre Bürger gerichtete Angebot eine hohe sechsstellige Summe pro Jahr kosten, nur ein Bruchteil fließt über den Verkauf der gut 40 000 Tickets wieder zurück – bei einem Schnäppchen-Preis von zehn Euro pro Tageskarte.

Auftrieb erhielt das Geschäft überhaupt erst durch die Popularität der Geschwister Kostelic, die einst am Hausberg vom Vater trainiert wurden und die Fußballnation auch für den Skisport interessierten.

Inzwischen hat sich der nördliche Balkanstaat sogar auf der Weltcup-Landkarte etabliert. Die Slalom-Rennen um die Snow Queen Trophy entwickelten sich zu einem prestigeträchtigen Höhepunkt am Jahresanfang. Ein paar Tage nach der Veranstaltung, die nur zweimal witterungsbedingt abgesagt werden musste und die gesamte Infrastruktur am Sljeme für sich in Beschlag nimmt, steht die 1000 Meter lange Hauptpiste Crveni Spust auch wieder allen Skifahrern zur Verfügung.

Die Stadt erhofft sich einen Imagegewinn

Die Entourage von 150 Spitzenathleten, 400 Betreuern und 500 Journalisten aus über 20 Ländern sorgen bei der größten Einzelsport-Veranstaltung des Landes für internationale Aufmerksamkeit, die natürlich einen positiven Werbeeffekt für den städtischen Tourismus erzielen soll.

In der 800 000-Einwohner-Metropole schlägt das kulturelle und wirtschaftliche Herz des Landes, doch die Attraktivität als Reiseziel wird wegen des eigentlich überholten Images einer Stadt voller grauer Beton-Bauten aus der kommunistischen Tito-Ära manchmal noch unterschätzt. Touristen aus ganz Europa fahren einfach lieber an die nur zwei Autostunden entfernte Küste.

Zagreb im Winter. © Tourismusverband Zagreb/J. Duval


Die Stadt unterstützt deshalb das Wintersport-Schaulaufen mit allerhand Werbemaßnahmen. Der Stadtkern verwandelt sich Ende des Jahres in einen überdimensionalen Weihnachtsmarkt mit Eislaufbahn in Sichtweite des Bahnhofs, Freiluft-Konzerten, Händler-Buden und aufwändiger Beleuchtung und Dekoration.

Erst nach dem 6. Januar, dem Ende der kroatischen Schulferien und des orthodoxen Weihnachtsfestes, wird abgebaut. Die über mehrere Plätze verteilte Kulisse wirkt im Vergleich zum mittelalterlichen Ambiente der Altstadt und der starken architektonischen Prägung durch die Donaumonarchie nicht vollständig authentisch, was auswärtige wie einheimische Besucher aber eher spannend finden.

Zum nachmittäglicher Glühwein im Straßencafé weht jedenfalls sogar ein Hauch mediterranen Lebensgefühls.

Mehr Informationen:
TVB Zagreb
www.infozagreb.hr
Anreise:
Schnell: Flug ab München oder Frankfurt. Günstig: Fernbus in zwölf Stunden. Bequem: Nachtzug ab München. Privat: Auto, circa 700 Kilometer.
Günstig wohnen:
Hotel Jägerhorn
www.hotel-jagerhorn.hr
Luxuriös wohnen:
Esplanade Zagreb Hotel
www.esplanade.hr
Beste Reisezeit:
Städtereise Frühjahr bis Herbst, Wintersport Dezember bis Februar.

Redaktioneller Hinweis:
Die Recherche für manche Artikel auf diesen Seiten wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt. ​Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren:
www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation

Bilderstrecke zum Thema

Unbekanntes Slawonien: Kroatiens östlichster Zipfel ist in jeder Hinsicht üppig

Slawonien ist noch ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Am Bekanntheitsgrad der Region zwischen Ungarn im Norden, Serbien im Westen und Bosnien-Herzegowina im Süden arbeitet die kroatische Tourismuszentrale - und mit ihr die Slawonier.


Bilderstrecke zum Thema

Ein Weg durch die Jahrhunderte - die Opatija Riviera

Zwölf Kilometer zieht sich der Kaiser-Franz-Josef-Weg am Adria-Ufer bei Opatija entlang. Zwölf Kilometer nur für Fußgänger. Wer dort spazieren geht, erlebt ein Treffen der Baustile aus drei Jahrhunderten.


Bilderstrecke zum Thema

Unaussprechlich unwiderstehlich: Ein Sommer auf Krk

Ob als Camper oder im Hotel: Die größte der Inseln in der Kvarner Bucht ist der ideale Stützpunkt für eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch diesen schönen kroatischen Archipel.


Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise