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Zehn Tipps für Flüge mit besserem Gewissen

Wenn Sie diese Ratschläge beherzigen, ist schon einies fürs Klima erreicht - 31.08.2019 08:00 Uhr

Viele überlegen sich heute genau, ob sie noch in einen Flieger einsteigen. © sinan/photocase.de


1: Das Thema ernst nehmen

Er ist verständlich, der Verteidigungsreflex der Reisebranche. Ihre Lobbyisten reden das Thema klein: Die Luftfahrt ist doch nur an zwei Prozent des CO2-Ausstoßes schuld. Stimmt, aber die sind nun mal in einem besonders kritischen Bereich – in der Atmosphäre nahe der löchrigen Ozonschicht. Auch wer nicht bereit ist, wie Greta Thunberg mit der Bahn von Schweden nach Davos zu reisen, tut gut daran, sich dem Problem zu stellen und Fakten zu kennen. Dann weiß man auch, wo man ansetzen kann.

2: Selten fliegen, länger bleiben

Nicht das Fernweh ist das Übel, sondern die Art, wie wir es befriedigen: Wochenendtrips per Billigflieger nach Lissabon oder Edinburgh – muss das sein? Und wenn das Traumziel USA oder Thailand heißt: Wenn das Flugzeug zur Anreise gewählt wird, dann bitte nur für längere Aufenthalte. Das nächste Mal entdeckt man halt ein Ziel in der Nähe.

3: Nicht gleich in die Luft gehen

Der Umstieg auf CO2-verträglichere Verkehrsmittel bringt den größten Klimavorteil. Immerhin werden laut Europäischer Umweltagentur vom Flugzeug pro Passagier und Kilometer 285 Gramm CO2 freigesetzt, beim Autofahren sind es 158 Gramm, im Fernbus 32 und beim Zugfahren 14 Gramm. Die nächste Reise nach Paris oder Rom per Zug statt Flugzeug verursacht also nur ein Zwanzigstel des CO2-Ausstoßes. Und am Ende war sie genauso schön.

4: CO2 ausgleichen

Muss man beim Fliegen ein schlechtes Gewissen haben? Nein, sagt Dietrich Brockhagen, Gründer der Firma Atmosfair. Für ihn ist es "eine Frage der Fairness, die Schäden auszugleichen, die man verursacht". So lässt sich über die Internetseiten von Atmosfair und anderen Anbietern wie Naturefund oder Myclimate der bei Flügen verursachte CO2-Ausstoß berechnen. Der wird durch die Förderung von Aufforstung oder erneuerbaren Energien ausgeglichen. Wer beispielsweise von Berlin nach New York fliegt, erzeugt laut Atmosfair 3,2 Tonnen CO2. Eine Spende von 73 Euro kompensiert die Emission.

5: Sparsame Anbieter wählen

Beim Autokauf achtet man doch auch auf Treibstoffsorte und Verbrauch. Warum nicht beim Flugticketkauf? Der "Atmosfair Airline Index" (AAI) vergleicht 190 Fluggesellschaften in Sachen CO2-Effizienz. Die besten Noten erreichen Fluggesellschaften mit aerodynamischen Maschinen, sparsamen Triebwerken und optimierter Logistik. Ganz oben rangieren aktuell auf Langstrecken die Fluggesellschaften der Tui-Gruppe, Air Canada und KLM. Die komplette Liste finden Sie hier:
www.atmosfair.de/wp-content/uploads/aai2018-
deutschsw.pdf

6: In volle Flieger steigen

Nachhaltiger ist es, einen Flieger mit möglichst vielen Passagieren zu füllen, auch wenn man sich über jeden Zentimeter Beinfreiheit freut. Insofern sollte man sich die teure Business-Class sparen und in der eng bestuhlten Economy-Klasse Platz nehmen.

7: Fliegen als Luxus akzeptieren

Wenn bereits ganze Länder im Meer versinken, ist es wohl nicht zu viel verlangt, dass die Ursachen dafür – etwa das Fliegen – teurer werden. Dazu wird demnächst wohl auch eine CO2-Steuer beitragen. Warum ausgerechnet Flugbenzin steuerbefreit ist, kann selbst ein noch so flugbegeisterter Reisender nicht begründen. Dazu profitiert die Luftfahrt auch noch von der Befreiung von der Mehrwertsteuer. Es wirft schon ein schräges Licht auf Politiker, wenn sie ihre Wähler für so kurzsichtig halten, dass sie abwählen würden, wer die Hand an derlei Subventionen legt.

8: Vor Ort nachhaltig reisen

Reisen bestehen ja nicht nur aus dem Flug. Seinen ökologischen Fußabtritt verbessert auch, wer mit der U-Bahn statt mit dem Taxi vom Flughafen in die Stadt fährt, im Hotel nicht als Erstes die Klimaanlage auf Maximum schaltet und vor Ort die Region emissionsfrei per Rad oder zu Fuß erkundet.

9: Leicht fliegen

Jedes Kilo kostet Treibstoff. Aber mit leichtem Gepäck fliegt sich’s oft auch nicht schlechter. Das heißt konkret: leichte Koffer und multifunktionale Kleidung in wenigen Grundfarben verwenden, gemeinsam mit einer Zahnpasta auskommen und noch mal überlegen, ob schweres Gepäck wie Jeans oder Stiefel wirklich nötig sind. Ein Extratipp ist die 80:20-Regel: Man legt alles, was man mitnehmen will, vor sich auf den Boden und anschließend davon 20 Prozent wieder zurück in den Schrank.

10: Mit Freude verreisen

Wer sich mit dem Thema auseinandergesetzt und vielleicht auch den einen oder anderen der vorhergehenden neun Tipps beachtet hat, der muss sich auf dem Weg zum Flughafen nicht verstecken. Denn Reisen bleibt eine der schönsten Sachen der Welt und wird – in Maßen ausgeübt – auch in Zukunft selbst mit den strengsten Klimaregeln vereinbar bleiben. 

Hans-Werner Rodrian

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