16°

Freitag, 14.05.2021

|

zum Thema

Zum 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp baden wir bei Schwaben

Die Schwäbische Bäderstraße feiert das Jubiläum, wir sind für Sie ins kalte Wasser gestiegen - 17.04.2021 07:31 Uhr

Sebastian Kneipp blickt von seinem Sockel auf ein Becken in Bad Wörishofen herab.

12.04.2021 © imago stock&people


Als todkranker Student hatte Kneipp die heilende Kraft des Wassers für sich entdeckt und ein Erfolgskonzept formuliert: Unten ohne im Storchenschritt durch kniehohes kaltes Wasser schreiten und gelegentlich durchs Moor stapfen.

Entwickelt hat der Wasserdoktor seine weltweit praktizierte Heilmethode Mitte des 19. Jahrhunderts im Bauernnest Wörishofen. Weil die Frauen bei der Therapie ihre Röcke heben mussten, galt die Gemeinde im Allgäuer Schwabenländle sogar als "sündiges Dorf". Heute darf sich das elegante Bad Pionierstadt der Naturheilkunde nennen. Wörishofen ist eines von neun Mitgliedern der Schwäbischen Bäderstraße.

Bilderstrecke zum Thema

Zehn Ausdrücke, um mit Schwaben zu schwätzen

Wolfgang Thierse schimpft über Schwaben-Einwanderer und wir kontern: Damit Sie sich ungezwungen mit Ihren Mit-Schwaben unterhalten können, haben unsere Redaktions-Schwaben zehn wesentliche Ausdrücke für Sie zusammengestellt.


Fesch schaut er aus: Barfuß, in Lederhose und mit zum Zopf gebundenen Rastahaaren könnte Toni Fenkl die optisch coolere Variante Kneipps sein. Auf Barfußpfaden führt er seine Gäste in einen Aromagarten im nahen Kurpark. Wie die Duft- und Heilkräuter wirke auch Wasser als natürlicher Reiz und fördere lindernde Reaktionen des Körpers, erklärt Toni und taucht seine Arme langsam in ein Betonbassin mit kaltem Wasser. Dieser Kneippsche Espresso rege an, aber nicht auf.

Abbrechen, wenn's eisig wird

Das kalte Armbad ist ein natürlicher Wachmacher und regt den Stoffwechsel an.

12.04.2021 © imago stock&people, NNZ


Nach 30 Sekunden beendet Toni das Armbad. Ein- bis zweimal am Tag könne jeder daheim seine Arme in eine zehn bis 14 Grad kalte Wasserschüssel tauchen, um richtig wach zu werden, den Herzmuskel zu durchbluten und Stoffwechsel anzuregen. Wenn das Kältegefühl spürbar wird: abbrechen. Mehr als 40 Sekunden halte es ohnehin niemand in der Eisschale aus.

Unterwegs zu einem Schlammloch erzählt der Barfußführer von Kneipps Jugendjahren: Im Sommer ohne Schuhe über Felder und Wiesen laufen war für ihn das Natürlichste auf der Welt. Nur die Winter setzten dem Jungen zu. Jahrelanges Weben im feuchten Keller des Elternhauses forderte seinen Tribut. Von Tuberkulose geschwächt, schreibt er sich an der Universität München für Theologie und Philosophie ein, besucht kaum eine Vorlesung.

Das Eiswasser macht Kneipp angeblich gesund

Am Ende seiner Kraft entdeckt der Student ein Buch, das Lungenkranken empfiehlt, morgens und abends in einem kalten Quell oder Fluss zu baden. An einem Novembertag steigt Sebastian zum ersten Mal in die eiskalte Donau. "Kaltes Wasser bringt Kraft und Frische in meinen Körper zurück", notiert er. Kneipp wird gesund und besteht sein Examen. Während Ärzte ihn des Hokuspokus bezichtigen, ist der Theologe von der Heilkraft des Wassers überzeugt und entwickelt alternative Heilmethoden.

Im Stadtgebiet von Bad Wörishofen stehen insgesamt 24 Kneippanlagen zur Verfügung.

12.04.2021 © imago stock&people


Als die ersten Schwarzfußindianer wieder aus der Moorgrube steigen und sich mit nackten Füßen über einen Steinparcours plagen, gibt Toni ganz im Sinne von Kneipp zu bedenken: "Quäle deinen Körper, sonst quält er dich." Zu viel Gesundheit sei aber ungesund. Der kalte Halsguss in einem Biergarten sei ganz sicher auch im Sinne des Pfarrers und Lehrers Kneipp.

Auf der 180 Kilometer langen Wellness-Straße zwischen Bad Wörishofen und Überlingen servieren in Bad Waldsee flinke Hände schwäbische Spezialitäten wie Schupfnudeln oder Flädlesuppe. Zwar predigte auch Kneipp gesunde Ernährung, scherte sich aber einen Teufel um Diäten und Askese. "Oifach babbsadd" zu werden war aber auch nicht sein Ding: "Wenn du merkst, du hast gegessen, dann hast du schon zu viel gegessen."

Essen wie die Ritter

Mit E-Bikes fahren wir ins zwölf Kilometer entfernte Aulendorf. Ein Seitensprung auf leisen Reifen hat hier durchaus seinen Reiz. Jenseits des Bäderradwegs öffnen sich Täler, über denen der Sommer wie Perlen im Licht flimmert. Ins Schwäbische Oberland nach Aulendorf kommen Ausflügler, um zu baden, aber auch, um zu essen und zu trinken wie die Ritter.

Im Schloss führt ein klobiges Kellergewölbe Gesundheitsbewusste auf schmackhafte, kalorienreiche Abwege. An einer Rittertafel beschwört ein Mundschenk "Trunk und Gaumenfreuden" und verspricht, dass der Küchenmeister sich nicht allein auf Landknechtsbraten und "Herrgottsbscheißerle" (Maultaschen zur Fastenzeit, in denen die Fleischeinlagen vor dem strengen Blick des Herrgotts in Teig versteckt werden), sondern auch auf althergebrachte Kräuter- und Gemüserezepte versteht.

Unerwünschten messbaren körperlichen Folgen einer deftigen, mittelalterlichen Tafelrunde entkommt am ehesten, wer sich am nächsten Morgen auf seinen Drahtesel schwingt und weiterradelt.

Bilderstrecke zum Thema

Das Fahrrad aufpimpen: Acht Tipps vom Experten

Der Frühling naht - und das heißt auch: Rauf aufs Rad! Doch die meisten Drahtesel befinden sich nach der Winterpause in keinem allzu guten Zustand. Wie man sein Rad fit macht, erklärt Johannes Panse vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Nürnberg.


Mehr Informationen:
www.schwaebische-baederstrasse.de, Tel. 0 83 34 / 6 05 31
Ob, wann und welche Veranstaltungen wie Gesundheitskurse, Rad-/Wandertouren, Konzerte oder Vorträge im Jubiläumsjahr 2021 stattfinden, wird dort und unter www.Bad-Woerishofen.de rechtzeitig angekündigt.

Anreise:
Ab Nürnberg über Augsburg nach Bad Wörishofen rund 210 Kilometer mit dem Auto, mit dem Zug ebenfalls über Augsburg etwas über drei Stunden.

Manfred Lädtke

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise