Trend im Tölzer Land

Zum Yoga mit Wellengang

23.6.2021, 10:25 Uhr
Dieser Sport ist ja an sich schon anstrengend, hier muss man auch noch die Balance auf schwimmenden Brettern halten.
 

Dieser Sport ist ja an sich schon anstrengend, hier muss man auch noch die Balance auf schwimmenden Brettern halten.   © Carsten Heinke

Hände und Füße stehen fest auf dem Boden, das Steißbein reckt sich weit in den Himmel. Die Yogahaltung "Der herabschauende Hund" ist an Land eine Position zum Durchatmen. Auf einer Art Surfbrett, das im Fachjargon "Stand up Paddle" (SuP) genannt wird, entwickelt sich der "Hund" aber zu einer echten Herausforderung: Leichte Wellen und Wind bewegen das Sportgerät auf dem Silvensteinsee im Tölzer Land. Es kippelt und wackelt, die gesamte Stützmuskulatur arbeitet auf Hochtouren, um die Wasserbewegungen auszugleichen.

SuP-Yoga ist seit einigen Jahren schwer angesagt. Auf dem türkisgrünen Speichersee, der wie ein Fjord zwischen Voralpen und Karwendel liegt, ist das Abenteuer noch eine Spur größer. Für den Einsteigerkurs SuP-Yoga verzichten wir auf schwierige Positionen und Bewegungsabfolgen. Die Berghaltung, der Hund und die Kobra sind alles Übungen, die ich fast täglich übe. Auf dem Surfbrett kosten sie deutlich mehr Konzentration und Kraft.

Viel Zeit zum Erholen bleibt nicht. Aus dem Wasser geht es direkt in die Luft: Wenige Kilometer weiter, in Lenggries, lasse ich mich im Hochseilgarten an der Talstation der Brauneck-Bahn in die Geheimnisse von Luftakrobatik und Aerial-Yoga einführen.

Kursleiterin Simone Heitinga, eine ehemalige Cirque du Soleil-Artistin, zeigt, wie man mit wenigen Bewegungen die Welt Kopf stehen lassen kann. Was auf den ersten Blick spektakulär aussieht, wirkt sehr angenehm auf Körper und Geist: Das Tuch trägt das Körpergewicht, die Rückenmuskulatur entspannt immer mehr, und Blockaden lösen sich. Und nicht zuletzt macht der spielerische Umgang mit der Schwerkraft einfach großen Spaß.

Die Schwerkraft überwinde ich auch am nächsten Morgen – allerdings mit der Herzogstand-Seilbahn. Um kurz nach 7 Uhr, zwei Stunden bevor der reguläre Betrieb startet, treffe ich Yogalehrerin Christina Ilchmann (30) in der Gondel. Sie bietet eine Sonnengruß-Stunde auf dem Gipfel an.

Der Berg, wunderschön zwischen Kochel- und Walchensee gelegen, gelte als Kraftort, erzählt die Münchnerin. Kein Wunder, dass Bayern-König Ludwig II. sich hier gerne von einer Kutsche hochfahren ließ und die Aussicht genoss. Wir nutzen den Aufstieg von der Seilbahn-Bergstation zum Gipfel für eine stille Bewegungs-Meditation. So früh am Morgen geht das wunderbar. Auf dem sonst so frequentierten Weg ist noch nichts los. Wir konzentrieren uns auf unsere Atmung und das Summen der Insekten.


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Auf dem Gipfelplateu, auf dem die Yogis normalerweise ihre Matten ausrollen, empfängt uns Regen. Im nahen Aussichtspavillon stehen wir im Trockenen und üben ein paar Atem- und Körperübungen. Statt einer anschließenden Wanderung entscheide ich mich wegen des Wetters für die Bergbahn und ein Alternativprogramm: Ruhe und Abgeschiedenheit hinter Klostermauern.

Simone Heitinga bietet im Klettergarten in Lenggries Aerial-Yoga-Kurse an.

Simone Heitinga bietet im Klettergarten in Lenggries Aerial-Yoga-Kurse an. © Clara Grau

In Schlehdorf am Kochelsee haben die immer weniger und älter werdenden Missions-Dominikanerinnen ihr Klostergebäude an eine Münchner Wohnungsbau-Genossenschaft abgegeben und sind in ein kleineres Haus gezogen. Ein Teil ihrer Zellen wurde zu einfachen Gästezimmern, die Wohn- und Arbeitszimmer zu Seminarräumen umgestaltet. Die bildende Künstlerin Anna Schölß (37) lässt ihre Schüler im Kloster mit einer ganz klassischen, fließenden Yoga-Stunde den Kopf frei bekommen.

Das Franz-Marc-Museum befindet sich im benachbarten Kochel. Dort bereitet Physiotherapeutin Elisabeth Dean Interessierte mit einer Relaxing-Yogastunde auf den Kunstgenuss vor. Weil das Wetter schön ist, schnappen wir uns Klapphocker und lassen uns im idyllischen Skulpturengarten des Museums nieder. Dean leitet mit ruhiger Stimme an. Auch Menschen, die körperlich nicht so fit sind, können mitmachen. Nach einer guten Stunde sind die Lungen mit frischer Bergluft gefüllt und der Kopf frei für den Kunstgenuss.

Mehr Informationen:
Tölzer Land Tourismus, www.toelzer-land.de, Telefon: 08041 / 50 52 06. Yoga-Angebote sind hier buchbar.
Anreise:
Ab Nürnberg mit dem Auto in knapp drei Stunden über die A9/A95. Günstig fährt man mit dem Bayernticket der Bahn in gut drei Stunden. Mit den örtlichen Gästekarten sind lokale Verkehrsmittel kostenlos.
Unterkunft:
Günstig wohnt man in allen Orten des Tölzer Landes bei Privatvermietern, auf Bauernhöfen in Jugendherbergen, Hostels und in Ferienwohnungen. Im Kloster Schlehdorf nächtigt man für 45 Euro pro Nacht . In den größeren Orten gibt es Gasthöfe und Hotels mit drei und vier Sterne-Standard. Viel Komfort und Platz bieten die neuen Alm-Chalets auf dem Lenggrieser Bergcamping-Gelände an.
Reisezeit:
Ganzjährig, Wassersport Mai bis September

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