Zwei-Seen-Land am Alpenrand

Zwischen Kochel- und Walchensee machte der "Kini" am liebsten Urlaub

10.7.2021, 07:29 Uhr
Einzigartiger Blick vom Gipfel des Herzogstands: Links liegt der Kochel, rechts der Walchensee. Von hier kann man auch bis München und gen Süden bis in die Südtiroler Dolomiten blicken.

Einzigartiger Blick vom Gipfel des Herzogstands: Links liegt der Kochel, rechts der Walchensee. Von hier kann man auch bis München und gen Süden bis in die Südtiroler Dolomiten blicken. © Matthias Niese

Der Herzogstand:
Hinter einer ausladenden Latschenkiefer steht er plötzlich vor uns in vollem Ornat, im Bronzeglanz und stolz in die Ferne blickend. Der "Kini"! Nicht leibhaftig, aber zumindest als Denkmal und Legende ist Ludwig II. sehr präsent zwischen Fahrenberg, Martinskopf und Herzogstand. Die drei bis zu 1730 Meter hohen und nah beieinander liegenden Gipfel thronen majestätisch wie die Königsbüste zwischen Kochel- und Walchensee und sind einer der Lieblingsorte für Oberbayern-Touristen.

Die golden schimmernde Büste König Ludwigs II. am Herzogstand.

Die golden schimmernde Büste König Ludwigs II. am Herzogstand. © Matthias Niese

Die wandern oder fahren in nur vier Minuten mit der Herzogstandbahn vom Walchensee herauf und begehen einen der vielen Wanderwege. Einer davon führt über einen steilen Grat zur Heimgartenhütte und weiter bis zum knapp 1800 Meter hohen Heimgarten-Gipfel - links die hohen Berge, rechts steil unten das leicht hügelige Voralpenland.

Das Massiv war der Lieblingsberg König Ludwigs II. von Bayern. Hier ließ er sich einen Reitweg anlegen, hier logierte er im Herzogstandhaus, wo sie heute den Urlaubern auf der Sonnenterrasse Käsenockerln oder Hirschgulasch servieren. Ein Stück darüber, vom Gipfelkreuz des Herzogstands oder dem noch etwas höher gelegenen Pavillon aus, genoss nicht nur der Wittelsbacher einen außergewöhnlichen Blick: Im Norden über Murnau und den Starnberger See bis München, im Süden über den Walchensee und Mittenwald bis zu den Südtiroler Dolomiten. Rechts davon: Die Zugspitze. Wenige Orte lassen so weit blicken.

Das Freilichtmuseum Glentleiten:
Fast jede Region hat ihr Freilicht- oder Freilandmuseum, ob im fränkischen Bad Windsheim, im Schwarzwald oder eben in Oberbayern. Überm Dörfchen Glentleiten bei Schlehdorf am Kochelsee schmiegt es sich hinter einem topmodernen Empfangsgebäude auf 40 Hektar an den Hang, bebaut mit über 60 historischen Gebäuden, Bauernhöfen und Almhütten. Eine volkskundliche Sammlung präsentiert über 80.000 historische Objekte von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, darunter Möbel, Stoffe, Arbeitsgeräte oder Haushaltswaren.

Schafsweide im Freilichtmuseum Glentleiten nahe Kochel am See. Hier stehen unzählige versetzte oberbayerische Bauernhöfe und Almen.

Schafsweide im Freilichtmuseum Glentleiten nahe Kochel am See. Hier stehen unzählige versetzte oberbayerische Bauernhöfe und Almen. © Matthias Niese

Aus dem Häuschen sind die Kinder von den süßen Lämmchen, die - gerade zwei Tage alt und entsprechend wacklig - zu ihrer Mutter staksen, um Milch zu trinken. Die Kleinen hängen am Bretterzaun und strecken ihre Hände aus, die ihnen die etwas älteren Lämmchen abschlecken. Auch das ist Teil des Konzepts: Anschaulich auch in Wäldern, Bauerngärten und auf Weiden mit alten Tierrassen zeigen, wie hart und einfach die Menschen früher lebten. Spielerisch austoben können sich die Kinder anschließend an der Holzkugelbahn, die neben dem kleinen Mühlental im Laubwald steht.

Die Therme:
Auch wenn das Wetter mal schlecht sein sollte (gerade am Alpen-Nordrand stauen sich leider häufig regennasse Wolken), weichen viele Einheimische und Urlauber einen halben oder ganzen Tag in die Kristall Therme Trimini in Kochel aus. Das Bad wurde einst von der Gemeinde direkt ans Ufer gesetzt und wird heute von der Kristall-Thermenkette betrieben, die mit dem Palm Beach auch ein Haus in Stein bei Nürnberg hat.

Blick vom Außenbecken der Kristall Therme Trimini in Kochel am See.

Blick vom Außenbecken der Kristall Therme Trimini in Kochel am See. © Kristall Therme Trimini Kochel

Neben das klassische Hallenbad mit Außenbecken und Rutsche, wo sich die Kinder austoben können, haben sie eine topmoderne Therme mit Saunabereich gestellt, die durch ihre großen Fensterfronten einen tollen Blick über den See in die Berge zulässt. Hat man sich einen Cocktail an der Poolbar mitten im heißen Wasser geholt, kann man sich an den Beckenrand setzen und über die kaum sichtbare Wasserkante auf den Kochelsee blicken und am Strohhalm nippen.

Immer Mittwoch und Sonntag ist Textil-Tag im Trimini - dann dürfen auch die, die ihre Badekleidung nicht ablegen möchten, in diesen Bereich und in die Saunas. Sogar Kinder darf man mitnehmen. Das Experiment ist gut angekommen, einträchtig wandeln Bekleidete und Unbekleidete zwischen den Pools umher.

Das Franz-Marc-Museum
Ebenfalls direkt am Seeufer steht das Franz-Marc-Museum. Ursprünglich in einer schönen Villa eingerichtet, hat es einen kubischen Neubau bekommen, in dem sich die Ausstellung befindet. Einige der aussagekräftigsten Werke des Expressionisten werden im 2. Stock gezeigt, die anderen beiden Geschosse geben Raum für wechselnde Ausstellungen weltbekannter Künstler wie Anselm Kiefer. Eine gute Stunde sollte man für die Besichtigung einplanen.

Beim Kindermalen im Franz-Marc-Museum in Kochel. 

Beim Kindermalen im Franz-Marc-Museum in Kochel.  © Matthias Niese

Derweil kümmert sich etwa sonntags eine Kunstpädagogin um die Kleinen und malt mit ihnen Gemälde im Sinne der Künstlergruppe Blauer Reiter, wo Pferde eben auch mal blau und Katzen auch mal knallrot sein durften. Voller Stolz die Gemälde im Gepäck, lassen viele Gäste den Besuch im angeschlossenen Restaurant in der alten Villa ausklingen und wandern danach durch den Skulpturenpark hinunter ans Seeufer.

Die Wasserfälle
Wer von Kochel Richtung Walchensee fährt, stellt sein Auto am besten am Wanderparkplatz in der Nähe des Wasserkraftwerks ab. Von hier ist es nur ein Stück bis zum kleinen Ableger des Kraftwerks, wo durch ein Rohr das Wasser in ein historisches Generatorenhäuschen rauscht. Hier am Ortseingang von Altjoch beginnt der Aufstieg über die Kesselberg-Wasserfälle, die sich in mehreren Kaskaden vom Kesselberg-Joch in die Tiefe ergießen.

An den Kesselbachfällen hinter Kochel am See. 

An den Kesselbachfällen hinter Kochel am See.  © Matthias Niese

Dahinter windet sich ein Forstweg oberhalb des Sees weit hinauf und wieder hinab und stößt nach ein paar Kilometern ans Ufer des Kochelsees. Je nach Jahreszeit kann man sich nun an einem der Kies- oder Wiesenbadeplätze herrlich erfrischen, die als Ausläufer von Viehweiden ins Wasser übergehen. Wer lieber surft, fährt am besten die nahe Kesselbergstraße an den höher gelegenen Walchensee. Von dort rauscht das Wasser in mehreren dicken Röhren wieder hinunter ins Kraftwerk am Kochelsee und dahinter in reißender Strömung wieder heraus.

Mehr Informationen:
Zwei-Seen-Land, das diese Reise unterstützt hat.
www.zwei-seen-land.de
Anreise:
Mit dem Auto ab Nürnberg über die A9 und München 240 Kilometer. Mit dem Zug bequem bis München, dann weiter mit der Regionalbahn direkt bis Kochel am See ab 2:40 Stunden.
Beste Reisezeit:
April bis November, danach ist Wintersport möglich, vom Herzogstand gibt es ein paar alpine Abfahrten.

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