Sexualität bei Senioren: Die Lust lässt auch im Alter nicht nach

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Lena Wölki

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30.3.2021, 16:19 Uhr
Ein Thema, über das viele nicht gerne reden – Junge wie Alte. Dass die Libido nicht unbedingt von den Lebensjahren abhängt, ist erwiesen.

© christophe papke / photocase.de Ein Thema, über das viele nicht gerne reden – Junge wie Alte. Dass die Libido nicht unbedingt von den Lebensjahren abhängt, ist erwiesen.

Wie wichtig ist das eine für das andere? "Das hängt ganz von der Biografie und den Erwartungen der Menschen ab", sagt Lang. Wem Körperlichkeit auch schon in jungen Jahren wichtig war, der wird sie auch später priorisieren. Laut Lang sind Unterschiede zwischen Männern und Frauen ein Ergebnis gesellschaftlicher Einflüsse, wonach Männer sich selbst oft über ihre sexuelle Potenz definieren.


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Professor Frieder Lang, Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität

Professor Frieder Lang, Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität © PR/Karin Köhler

"Es hat sich herausgestellt, dass Sexualität bei Männern und Frauen häufig ganz unterschiedlich verknüpft wird", so Lang. Demnach würde das weibliche Geschlecht Sex häufig mit Intimität und der Innigkeit mit dem Gegenüber verbinden. Männer dagegen eher mit dem Prinzip "intercourse or nothing" – Penetration oder gar nichts. Stirbt ein Partner, dann ändert sich für die Menschen oft die Bedeutung von Sexualität.

Nach dem Verlust

Da Männer in der Regel das Körperliche eher von der Beziehung trennen, fällt es ihnen leichter, ihr Sexleben in einer gewissen Weise aufrecht zu halten. Für Frauen werden nach dem Verlust des Partners dann andere Aspekte des Lebens wichtiger. Beispielsweise indem das Bedürfnis nach Verbundenheit zu einer anderen Person in eine Freundschaft verlagert wird.

Dass Lust oder das Verlangen nach Partnerschaft und Austausch ab einem gewissen Alter aufhören, ist aber ein Trugschluss. Deshalb sind Berührungen und Intimität zu anderen Menschen, unabhängig von Erotik, ein wichtiger Teil und beeinflussen auch die "normale Gesundheit". Problematisch wird es, wenn es keine Bezugsperson mehr gibt. "Natürlich reicht es nicht, wenn der Pfleger beim morgendlichen Gardinen-Öffnen kurz über den Kopf tätschelt", sagt Frieder Lang. Wichtig seien aufrichtige Berührungen und Blicke, die vom Gegenüber erwidert werden.


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Auch wenn es noch wenige Zahlen darüber gibt, geht man davon aus, dass die sexuelle Aktivität bei vielen Menschen ab dem 70. Lebensjahr abnimmt. Wie Lang erklärt, erschwert die Tabuisierung des Themas auch dessen wissenschaftliche Untersuchung: "Es wird nicht so gerne darüber gesprochen, deswegen gleicht die Forschung manchmal dem Zusammensetzen eines Mosaiks – Teilchen für Teilchen erfährt man mehr."

Warum Sex im Alter gerade für junge Menschen ein Tabuthema ist, liegt laut Frieder Lang zu großen Teilen an einem allgemein schlechten Bild vom Alter. "Manche Menschen haben den Eindruck, alles Schöne im Leben passiert in jungen Jahren. Das ist ein Trugschluss. Altern ist nichts per se Schlimmes. Ganz im Gegenteil."

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