11°

Freitag, 05.06.2020

|

Wie verändert Corona die Wettervorhersage?

Die Corona-Pandemie sorgt für fehlende Wetterdaten aus der Luft - 03.04.2020 15:53 Uhr

Während der Corona-Krise gibt es einen eingeschränkten Flugverkehr, der auch Folgen für die Wettervorhersage in Europa hat. © dpa/Frank Rumpenhorst


Nicht nur das öffentliche Leben ist aufgrund der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen, auch der Flugverkehr wurde massiv eingegrenzt. Gingen Anfang März noch 39 Flüge vom Nürnberger Flughafen in die Lüfte, waren es am 1. April nur noch drei, am Flughafen London Heathrow nur 83 anstatt 623. Mehrere Fluggesellschaften strichen ihre Verbindungen ab Nürnberg bis Anfang Mai komplett.

Nicht nur für die Airlines und Flughäfen ist das ein Problem - auch für Meteorologen. Denn weniger Flieger am Himmel bedeuten ungenauere Prognosen für die Wettervorhersage.

Flugzeuge dienen als Datensammler, die Temperaturen, Windgeschwindigkeiten- und richtungen sowie Angaben über die Luftfeuchtigkeit aus dem Ist-Zustand der Atmosphäre an die Bodenstationen funken. Wetterdienste greifen für ihre Prognosen auf diese Daten zurück. Bleiben die Flugzeuge am Boden, fehlt es den Meteorologen an eben diesen Informationen.

Das Diagramm zeigt die Anzahl der Flugzeugberichte über Europa, die beim ECMWF pro Tag eingehen und genutzt werden. © Screenshot ECMWF


Durchschnittlich 700.000 Datensätze pro Tag

Neben den speziell ausgerüsteten Verkehrsflugzeugen sind auch Forschungssatelliten im All, Schiffe auf den Meeren, Heißluftballons oder Wetterstationen am Boden wichtige Informationsquellen, die teilweise im Sekundentakt Informationen senden. Diese sollen den Rückgang der flugzeuggestützten Daten in nächster Zeit abmildern. "Man erkennt, dass die Genauigkeit der Prognosen nachgelassen hat, da nicht alle Daten komplett zur Verfügung stehen", sagt der Meteorologe Björn Goldhausen von WetterOnline.

Anfang März wurden weltweit noch durchschnittlich 700.000 Datensätze pro Tag gesammelt, diese sanken mittlerweile auf wenige Tausend. "Das ist ein dramatischer Einbruch. Für uns Meteorologen sind diese Daten wichtig, weil Flugzeuge Luftschichten durchqueren, die ein Satellit nicht erfassen kann", so Goldhausen. Auch das europäische Zentrum für mittelfristige Vorhersagen (ECMWF) verzeichnete vergangenen Monat einen Einbruch von 42 Prozent.

Das europäische Flugmessystem AMDAR zeigt den Unterschied der Datenübermittlung über Europa am 2. März (oben) und 23. März (unten). © Screenshot ECMWF


Der Dachverband von 31 europäischen Wetterwarndiensten, EUMETNET, geht davon aus, dass die im April von den Fluggesellschaften gesammelten Informationen um bis zu 65 Prozent zurückgehen werden. Diese Entwicklung dürfte sich laut eigenen Aussagen bis in den Sommer fortsetzen.

Wie schwerwiegend das Ausbleiben der Datensätze aus Flugzeugen auf Dauer ist, kann derzeit noch nicht gesagt werden. "Momentan können wir noch nicht sagen, wie stark die Prognosegüte nachgelassen hat. Erst in 10-14 Tagen sehen wir, wie stark der Einfluss tatsächlich ist", sagt Goldhausen.

"Verlässliche Prognosen für die ersten ein bis drei Tage"

In Ländern mit einer Westküste, wie beispielsweise Portugal oder Großbritannien, sei laut Goldhausen eine Wetterprognose weitaus schwieriger. "Da in diesen Ländern das Wetter vom Westen über das Meer kommt und gerade dort die Daten fehlen, sind die Fragezeichen größer", erklärt er.

Bilderstrecke zum Thema

So wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Umwelt aus

Das Coronavirus hält seit Wochen die Welt in Atem. Viele Menschen bleiben aufgrund der aktuellen Lage momentan freiwillig oder verordnet zu Hause, es fliegen weniger Flugzeuge - all das hat auch Folgen für die Umwelt.


Anders sei das in Deutschland. Hier könne man sich anderer Quellen, wie den Heißluftballons, bedienen, um an Daten aus der Luft zu kommen. "Wir werden auch in Zukunft verlässliche Prognosen für die ersten ein bis drei Tage liefern können", versichert Goldhausen. Längerfristige Prognosen seien so oder so unsicher: "Kein Meteorologe der Welt kann sagen, wie der Sommer wird, dabei bleibt es auch jetzt", sagt er. "Natürlich liegen wir Wetterfrösche auch einmal daneben aber auf unsere Wettervorhersage wird die aktuelle Entwicklung keinen gravierenden Einfluss haben".

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Wetter