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"Geisi" und seine basketball-verrückte Familie

Die Geschwister Simon, Laura und Luisa Geiselsöder spielen hochklassig, die Jüngste bald in der NBA - 21.06.2020 16:21 Uhr

Eine echte Basketball-Familie, die aus Burgoberbach stammt: VfL-Korbjäger Simon Geiselsöder (vorne kniend) mit seinem Vater Harald, seiner Schwester Laura, seiner Freundin Yasemin, seiner Mutter Elke und der jüngsten Schwester Luisa (von links). © Foto: Uwe Mühling


Seit über 15 Jahren geht das nun so. Die Geiselsöders aus der 3400-Einwohner-Gemeinde Burgoberbach bei Ansbach sind eine erfolgreiche Basketball-Familie, wie man sie deutschlandweit wohl kaum ein zweites Mal findet: Simon (29), Spitzname "Geisi", spielt seit 2013 beim VfL Treuchtlingen in der 1. Regionalliga Südost und zählt zu den absoluten Leistungsträgern des Teams. Seine Schwestern Laura (25) und Luisa (20) gehör(t)en in der Frauen-Bundesliga zum Team des Tabellendritten XCYDE Angels Nördlingen. Beide waren beziehungsweise sind obendrein Nationalspielerinnen.

Schlagzeilen durch die Jüngste

Zuletzt hat vor allem die Jüngste für Schlagzeilen gesorgt – inklusive Fernsehauftritt in der Sendung Blickpunkt Sport. Zunächst wurde Luisa Geiselsöder nach der abgebrochenen Saison 2019/2020 zur besten Centerspielerin der Damen-Bundesliga gewählt (18,6 Punkte pro Spiel), dann wurde sie als Neuzugang beim französischen Erstligisten Landerneau Bretagne vorgestellt. Und schließlich schnappten sich die Dallas Wings bei der Talente-Auswahl der US-Amerikanischen WNBA (Women‘s National Basketball Association) das Toptalent aus Mittelfranken. Somit bekommt die 20-Jährige die große Chance, ab Sommer 2021 in der besten Liga der Welt zu spielen. Vorher muss sie sich allerdings noch in einem Trainingscamp beweisen und durchsetzen.

Für Luisa – und auch für die ganze Familie – könnte damit ein Traum in Erfüllung gehen. Allerdings räumt Luisa ein, "dass ich zu meinem Glück gezwungen werden musste". Die älteren Geschwister Simon und Laura spielten Basketball beim TSV Ansbach, Luisa aber wollte zum Volleyball. Die Eltern machten ihr daraufhin sanft, aber bestimmt klar, dass eine weitere Sportart nicht machbar ist. Der Aufwand mit vielen Fahrten zum Training und zu den Spielen war ohnehin schon groß genug.

Luisa Geiselsöder, die beste Centerspielerin der Bundesliga, stand zuletzt durch ihren Wechsel von Nördlingen nach Dallas besonders im Blickpunkt. © Foto: Uwe Mühling


 Notgedrungen musste Luisa bei den Jungs in Ansbach mit Basketball anfangen. Allerdings wurde sie kaum angespielt. "Ich konnte auch nicht wirklich etwas mit dem Ball anfangen", erzählt die heutige Frauen-Nationalspielerin und U18-Europameisterin mit einem Schmunzeln. Sie entschloss sich zu pausieren, versuchte es aber erneut, rückte auch dank ihrer Größe ins Zentrum und führte die Jungs zu etlichen Siegen. Mit zehn Jahren maß sie schon 1,70 Meter. Inzwischen ist sie mit 1,92 Metern die Höchstgewachsene im familiären Trio; Simon folgt mit 1,90, Laura mit 1,82.

Regionalliga, Bundesliga, Nationalteam – woher kommt dieses Talent? Die Eltern zucken ein wenig mit den Schultern. Vater Harald war Fußballer, Mutter Elke Handballerin und Kunstradfahrerin. Beide also Sportler, doch Basketball hatten sie nicht auf dem Zettel. Sie förderten aber genau in dieser Randsportart ihre drei Kinder. "Es liegt viel an den Eltern und ob sie ihre Kinder unterstützen", sagt Harald Geiselsöder. Seine Frau Elke pflichtet ihm bei und erinnert sich an Phasen, in denen die drei Kinder/Jugendlichen zu drei verschiedenen Trainingszeiten einen Chauffeur brauchten.

Irgendwann, so stellt Elke Geiselsöder rückblickend fest, kam auch eine andere Erkenntnis: "Wenn wir unsere Kinder noch sehen wollen, dann müssen wir Basketball zu unserem Hobby machen." Und genau das ist passiert. "Wir haben unsere Kinder permanent begleitet", sagt Harald Geiselsöder. Er und seine Frau sind inzwischen zwar nicht mehr als Fahrdienst für die erwachsenen Korbjäger/-innen gefordert, dennoch sind sie so oft wie möglich zum Zuschauen und Unterstützen dabei.

Und das gilt für die ganze Familie, zu der auch Simons Freundin Yasemin Timocin zählt. Sie hat früher ebenfalls Basketball gespielt in Nürnberg und Herzogenaurach und betreut inzwischen ehrenamtlich die Social-Media-Aktivitäten der VfL-Baskets. "Der VfL ist wie eine große Familie, da ist jeder mit Herzblut dabei", findet "Yase". Im Normalfall läuft es an den Wochenenden so, dass die ganze Familie samstags bei den Treuchtlinger Regionalliga-Spielen mit Simon zuschaut und sonntags dann bei den Nördlinger Bundesliga-Partien mit Laura und Luisa. "Bei uns geht es sonntags nicht zum Mittagessen, sondern zum Basketball", fasst Simon Geiselsöder zusammen.

"Seelsorgerin" und "Motivator"

Dennoch gibt es natürlich Zeiten, an denen sich die Familie am Esstisch versammelt. Nicht immer, aber doch sehr häufig drehen sich die Gespräche dabei um Basketball. Die Spiele werden analysiert, Leistungen beurteilt, Trainer- und Schiedsrichterentscheidungen diskutiert. Das alles immer leidenschaftlich, manchmal auch hitzig. "Simon war dabei schon immer der clevere Kopf", sagt Luisa über ihren Bruder. Gerade in jungen Jahren musste Mama Elke in sportlichen Krisen nicht selten die "Seelsorgerin" sein, während Vater Harald als "Motivator" zum Weitermachen und Durchhalten animierte.

Wenn man als Gast mit am Tisch sitzt, merkt man sehr schnell, wie sehr Basketball alle sechs "Geiselsöders" verbindet. Genauer: Viele gemeinsame, teils auch recht abenteuerliche Geschichten gibt es da. Zum Beispiel vom Zweitages-Trip zum Endspiel der U16-Europameisterschaft nach Udine (inklusive nächtlicher Heimreise) oder von einer verzweifelten Hallensuche in Portugal. Auch Irland, Tschechien, Lanzarote, Thailand und viele weitere Länder standen schon auf den Reiseplänen. "Urlaub haben wir eigentlich nie richtig gemacht", erzählt Harald Geiselsöder. Vielmehr waren die Familien-Touren fast immer mit Turnieren, Spielen oder Lehrgängen der jungen Auswahlspieler/-innen des Hauses verbunden.

Während Luisa über Ansbach und Schwabach nach Nördlingen kam, ging Laura den Weg über Ansbach, Bamberg und Herzogenaurach. Vor allem Lauras Bamberger Zeit war mit viel Fahrerei verbunden. "Da haben wir in einem Jahr schon mal um die 60 000 Kilometer für Basketball zurückgelegt", haben Elke und Harald Geiselsöder ausgerechnet. Dennoch war auch das "eine schöne Zeit", wie die Eltern eigentlich zu allen Stationen der Kinder sagen.

So kennt man Simon „Geisi“ Geiselsöder (am Ball) seit sieben Jahren in Treuchtlingen: Er zeigt immer vollen Einsatz – hier im Duell gegen seinen Ex-Klub hapa Ansbach. © Foto: Uwe Mühling


  "Eigenständiger und weltoffen ohne Berührungsängste" seien Simon, Laura und Luisa durch Basketball geworden. Der Sport sei wichtig für die Entwicklung, Organisation, Disziplin und sozialen Kontakte gewesen. Luisa findet es zum Beispiel "cool, Kontakte auf der ganzen Welt zu haben". Und wie ist es mit der Schwester im gleichen Team? "Wir haben uns da immer gut verstanden – auch wegen der verschiedenen Positionen", sagen Flügelspielerin Laura und Center Luisa unisono. "Aber die kleine nervige Schwester ist sie immer noch", schickt Simon mit einem Augenzwinkern in Richtung Luisa hinterher.

Neben dem Basketball spielte immer auch die Schule bei den drei jungen Sportlern eine entscheidende Rolle. Inzwischen gilt das für Studium und Berufsausbildung. Dreier-Spezialist Simon (letzte Saison im Schnitt 15,5 Punkte), der in Treuchtlingen als waschechter Amateur spielt, ist gerade in der Endphase seines Masterstudiums im Bereich Marketing. Wenn es anschließend mit einem Job in der Region klappt, wird er voraussichtlich auch weiterhin für die VfL-Baskets spielen.

Laura studiert in Augsburg Lehramt für Mittelschule. Als Bundesliga-Spielerin hat sie nach eigenen Worten "das Glück", einen Teil des Studiums, Wohnung und Auto finanzieren zu können, muss aber dennoch den Sommer über nebenher arbeiten und Geld verdienen. Laura wird nächste Saison weiter für Nördlingen in der Bundesliga auflaufen. Als Kapitänin geht die frühere U20-Nationalspielerin bei den "Angels" voran.

Gratulation von Dirk Nowitzki

Luisa wird künftig als Profispielerin in Frankreich und in den USA deutlich mehr verdienen. "Dennoch musst du dir eine zweite Karriere aufbauen", sagt sie. Das sei im Frauen-Basketball generell wichtig. In Ansbach hat sie ein Teilzeitstudium für Spitzensportler begonnen (Internationales Management) und möchte auf dieser Schiene im Ausland weitermachen. In Dallas hofft sie zudem auf ein Treffen mit Basketball-Legende Dirk Nowitzki, der ebenfalls aus Franken stammt und ihr per Instagram zum Wechsel gratuliert hatte.

Bei allen drei ist die Frage, wann sie mit ihren Teams wieder aus der Corona-Pause starten können. Sie waren in der Zeit allerdings nicht untätig und haben zusammen trainiert. Auch Simons Freundin Yasemin war regelmäßig dabei und machte das Trio zum Quartett. Basketball, Zirkeltraining, Laufen – in der Familie war und ist das alles problemlos möglich.

Dennoch freuen sich alle, wenn es wieder richtig losgeht. Man darf gespannt sein, welche weiteren Erfolge hinzukommen – gerade bei der "Kleinsten", die mit über 100 Länderspielen (Jugend- und A-Kader) inzwischen die "Größte" ist. Ausflippen wird deshalb keiner, da ist sich auch Yasemin Timocin sicher, denn: "Alle sind total bodenständig, das zeichnet die Familie Geiselsöder aus", sagt sie. Und – das darf man getrost noch hinzufügen – alle sind im positiven Sinne basketball-verrückt.

UWE MÜHLING

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