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Montag, 25.05.2020

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Gesundes Frühstück für Kinder in der Nordstadt

Der von Schauspielerin Uschi Glas mitgegründete Verein „brotZeit“ organisiert spezielle Angebote — Besuch in der Hegel-Schule - 10.02.2017 19:56 Uhr

Zweit- und Viertklässler der Friedrich-Hegel-Schule beim gemeinsamen Frühstück: Am Büfett gibt es Brot, Marmelade, Wurst und Käse, Joghurt und Müsli. Anmelden müssen sich die Schüler nicht. Wer zu Hause kein Frühstück hatte oder Lust auf eine zweite Portion hat, kann kommen. © Foto: Giulia Iannicelli


Morgens eine Schüssel Haferflocken mit Joghurt, ein Marmeladen-brot oder eines mit Wurst — viele Kinder kennen das gar nicht. Auch für die Pause haben nicht alle etwas zum Essen dabei. „Es gibt definitiv Schüler, die ohne Brotzeit kommen“, bedauert Christian Schirdewahn. Er ist Förderlehrer an der Friedrich-Hegel-Schule. Vor ihm sitzen seine Viertklässler gerade beim gemeinsamen Frühstück.

Seit Juni 2016 bietet die Inklusionsschule in Maxfeld täglich ein kostenloses Frühstück an. Offen für alle Schüler, ohne Anmeldung. Die Lebensmittel werden von „brotZeit“ organisiert. Der von der Schauspielerin Uschi Glas mitgegründete Verein versorgt deutschlandweit mehr als 7000 Kinder in derzeit 173 Schulen. Und es werden ständig mehr.

Essen statt wegwerfen

In Mittelfranken sind es ab kommender Woche 25 Schulen, zwei in Ansbach kommen zu denen in Nürnberg (16), Schwabach (4) und Fürth (3) hinzu, erklärt Regionalkoordinatorin Manuela Ehrenfort. Die Spedition Oehrle liefert den Schulen alle zwei Wochen die vom Discounter Lidl gespendeten Lebensmittel. 375 Tonnen pro Jahr kommen so im ganzen Land auf den Teller von Schulkindern statt in den Müll, freut sich „brotZeit“-Geschäftsführer Hans-Jürgen Engler.

Finanziell unterstützt wird der Verein unter anderem vom Freistaat Bayern, der Stiftung von Ex-Fußballprofi Christoph Metzelder oder der Nürnberger Universa-Versicherung. Um noch mehr Schulen zu versorgen, bräuchte er aber mehr und vor allem verlässliche Geldquellen.

Einige Kinder haben unterdessen ihr Frühstück verdrückt. Ihr Geschirr bringen sie zur Theke der Schulküche. Ein Mädchen hat die Rinde vom Brot abgeschnitten und auf ihrem Teller gestapelt. „Hast du keine Zähne?“, fragt Rektorin Gabriele Kukla. „Das möchte ich nicht mehr sehen!“ Die Schulleiterin will den Kindern vermitteln, dass gesunde Lebensmittel wertvoll sind. Rund 20 ihrer Schüler kommen pro Tag zum Frühstück. Manchmal wird auch gekocht, mit Gemüse aus dem Schulgarten und von einem schuleigenen Bio-Acker im Knoblauchsland, erklärt Kukla.

Über das EU-Schulobstprogramm bezieht die Hegel-Schule zudem jede Woche eine Kiste frisches Obst und Gemüse. Lehrerin Christine Korn packt die Vitaminspende zusammen mit ihren Schülern aus. „Wir versuchen, das vorzuleben“, erklärt sie. Nicht alle Familien hätten jedoch genug Geld für eine ausgewogene Ernährung.

Ohne ehrenamtliche Helfer wäre das kostenlose Frühstück nicht zu stemmen. In der Hegel-Schule kümmern sich fünf Damen um das Anrichten, Servieren und den Abwasch. Gabi Reineke ist zwei Tage die Woche von 7 bis 9 Uhr im Einsatz. Ihre beiden Enkel sind auch da. Das Frühstück für alle findet sie toll. Früher gab es das nicht, so Reineke, bevor sie sich wieder dem Geschirr widmet.

DANIEL HERTWIG

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