Bildung

Gleiche Lehrergehälter: Piazolo sagt Ja - und Nein im Landtag

NN-Redakteurin Kathrin Walther
Kathrin Walther

Ressort Kinder, Familie und Bildung

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18.10.2021, 05:59 Uhr
Grund- und Mittelschullehrkräfte verdienen weniger als etwa Gymnasiallehrkräfte.

Grund- und Mittelschullehrkräfte verdienen weniger als etwa Gymnasiallehrkräfte. © Sebastian Gollnow/dpa

Als Kultusminister Michael Piazolo noch bildungspolitischer Sprecher seiner Partei war, da forderte er selbst, Grund- und Mittelschullehrer sollten in Bayern mehr verdienen. Auch auf eine Anfrage unserer Zeitung am 4. Oktober, ob es Überlegungen oder konkrete Pläne gäbe, die Gehälter anzupassen, schickte die Pressestelle des Kultusministeriums folgendes Zitat des Ministers:

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern. 

 

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern.    © SVEN HOPPE, NN

"Was die Besoldung der Grund- und Mittelschullehrkräfte betrifft, vertrete ich zusammen mit meiner Fraktion seit Jahren die Position, dass das Eingangsamt für Grund- und Mittelschullehrkräfte nach A13 angehoben werden sollte. In dieser Frage bestehen jedoch unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Koalition. Es ist mir aber gelungen, zahlreiche Stellenhebungen zu erreichen, so dass eine große Zahl an Grund- und Mittelschullehrkräften befördert werden konnte."

Lehrkräftemangel und Verwaltungswahnsinn bringt BLLV in Rage

Doch für ein klares Ja im Landtag reichte diese Überzeugung nicht. Grüne, SPD und FDP hatten in dieser Woche im Ausschuss für den öffentlichen Dienst und im Plenum Anträge eingereicht, die die Eingangsbesoldung in A 13 für Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen forderten. Die Anträge wurden mit den Stimmen von CSU und Freien Wählern abgelehnt. Wolfgang Fackler (CSU), Vorsitzender des Ausschusses für den Öffentlichen Dienst, sprach laut Süddeutscher Zeitung von 200 bis 500 Millionen Euro Mehrkosten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW) und der bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband BLLV sind enttäuscht. "Vor dem Hintergrund des eklatanten und mittlerweile vom Kultusministerium nicht mehr zu leugnenden Lehrkräftemangels an den Grund- und Mittelschulen muss auch der Freistaat diese Lehrerinnen und Lehrer endlich in A13/E13 bezahlen“, sagt die Nürnberger GEW-Landesvorsitzende Martina Borgendale.

Vorschulkinder brauchen mehr Sprachförderung

BLLV-Präsidentin Fleischmann sagt: "Wenn wir wollen, dass sich wieder mehr Studierende für die Mittel- oder Grundschule entscheiden, müssen wir die Arbeitsbedingungen dort verbessern, das Image dieser Schulen aufwerten und ja, auch die Gehälter angleichen."

Konkret werden in Bayern Grund- und Mittelschullehrkräfte in der Besoldungsgruppe 12 eingestuft, in Gruppe 13 Lehrkräfte an Gymnasium, Realschule, Förderschule sowie beruflichen Schulen. Beim Start ins Berufsleben macht das einen Unterschied von rund 600 Euro aus. Bislang werden Grundschullehrkräfte in acht Bundesländern nach A13 bezahlt. Der stellvertretende GEW-Vorsitzende Florian Kohl aus Nürnberg forderte SPD und Grüne auf, ihre Forderung auch in den Bundesländern umzusetzen, in denen sie selbst in der Regierungsverantwortung stehen. Das ist mit Baden-Württemberg, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt in fünf der acht Länder der Fall, in denen nicht nach A13 bezahlt werde, so Kohl.

Auch im Schulausschuss des Nürnberger Stadtrats am Freitag wurde der abgelehnte Antrag vor dem Hintergrund des gravierenden Lehrkräftemangels erwähnt. Denn betroffen sind vor allem Grund- und Mittelschulen. Eine höhere Besoldung könnte die Attraktivität steigern, sagte SPD-Stadträtin Anja Prölß-Kämmerer. Schulamtsleiter Thomas Reichert verwies auf die hohe Abbruchquote im Studium des Lehramts an Mittelschulen. CSU-Stadträtin Helmine Buchsbaum machte auf einen weiteren Zusammenhang zwischen Gehalt und Berufswahl aufmerksam: An Nürnbergs Grundschulen arbeiten 543 Frauen. Und 75 Männer.