Sonntag, 15.12.2019

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"Glücklich sein muss man üben"

Roland Betz ist Glücksbotschafter. Der ehemalige Unternehmer berät nun in puncto Hapiness. - 02.10.2019 20:04 Uhr

Man muss sich Roland Betz als glücklichen Menschen vorstellen. Als Unternehmer hatte er nach eigenen Angaben viel Erfolg. Dann verkaufte er die meisten Firmen und versucht seither, seine Mitmenschen auf den Glückspfad zu bringen. © Foto: Chiara Riedel


Betz ist selbst ernannter "Botschafter für Lebensglück". Menschen glücklicher und zufriedener zu machen, das sei sein Anliegen. Unter anderem hält er Vorträge zum Thema Glück, Freude, Wohlbefinden für Unternehmen und Organisationen. Auf seiner Website heißt es: "Meine ausführliche Biografie sagt Ihnen vermutlich mehr als jede Werbebroschüre."

Betz schenkt Kaffee ein. Er setzt sich an einen Holztisch, seinen Blick richtet er über Forchheim, seine Gedanken schweifen in die Vergangenheit. Er lächelt. Falten bilden sich um seine Augen. Sein Alter sieht man ihm kaum an. Bis auf die weißen Haare wirkt der 72-jährige jugendlich.

Im Urlaub war er nie

Begonnen hat sein Leben in Willersdorf, aufgewachsen ist Betz auf einem kleinen Bauernhof. Er stammt aus einer Handwerkerfamilie. Die Verhältnisse damals: bescheiden. Im Urlaub war er nie, denn er wurde als Arbeitskraft gebraucht auf dem Hof und in der Schneiderwerkstatt. Als sein Vater zum Bürgermeister gewählt wird, ist Betz gerade 15 Jahre alt.

Um ihn zu unterstützen, übernimmt der Sohn einen wichtigen Posten: Er wird jüngster Gemeindeschreiber Deutschlands und "Mädchen für alles". Rentenanträge ausfüllen, Unfallberichte schreiben und seinem Vater den Rücken frei halten. Stets übernimmt er Verantwortung, sein Selbstbewusstsein wächst.

In der Schule sprach ihn dann ein Lehrer an. Er könne doch gut schreiben, ob er das nicht für die Zeitung tun wolle. Also wird Betz mit 16 Jahren Reporter für die Nordbayerischen Nachrichten. Bei Wind und Wetter sei er mit dem Fahrrad nach Forchheim gefahren. Mit 18 erfüllte er sich mit seinem eigenen Geld einen Traum, sein erstes Auto — ein VW Käfer.

Rückblickend ist er besonders stolz auf die Orts-Chroniken fast aller Gemeinden im Landkreis, die er damals verfasste. Das Schreiben ist geblieben. Seit einigen Jahren verfasst er wieder Glossen.

Dieses Jahr ist sein erstes Buch erschienen: "Glücks Brevier: Entdecke Deine persönlichen GlücksKraftQuellen in der Natur", heißt das E-Book. Eine "Begleitung zum Glück" nennt es der Glücksbotschafter. Allerdings könne man niemandem vorschreiben, was sein persönliches Glück sei, das könne nur jeder für sich selbst bestimmen. Er will dabei unterstützen.

Roland Betz zieht bei der Frage die Augenbrauen nach oben und grinst und schiebt vorneweg: "Nicht so einfach, Ihre Frage", bevor er erklärt: "Lebensglück und Lebensfreude entstehen nicht nur durch große, positive Ereignisse, sondern viel öfter durch kleine Glücksmomente. Es sind Mosaiksteinchen, die zusammengesetzt ein schönes und klares Bild der Freude und Zufriedenheit ergeben. Ein Tag ist nie völlig grau in grau. Immer gibt es kleine, winzige Freuden. Sei es das Gänseblümchen am Wegesrand, ein Essen bei Kerzenschein, ein Sonnenuntergang. Auch das Lächeln eines Kindes oder ein liebes Wort zur rechten Zeit tragen zu positiven Gedanken bei und fördern die Ausschüttung von Glückshormonen."

Er hat sich viel mit dem Thema befasst. Im Eigenstudium fernöstlicher Philosophien und Weisheiten. Außerdem hat er sich mit der Positiven Psychologie und der wissenschaftlichen Glücksforschung beschäftigt. "Glücklich sein ist wie das Geigespielen. Man muss es immer wieder üben."

Der Unternehmer

Bevor er für sich den Beruf des Glücksbotschafter schuf, war der 72-Jährige vor allem Unternehmer. Er machte eine Lehre bei Siemens und arbeitete als Projekt- und Vertriebsingenieur. "Eine tolle Zeit war das. Immer ging es aufwärts." Doch nach fünf Jahren im Unternehmen wollte er mehr. Höher hinaus. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen, machte sich selbstständig und gründete mehrere Firmen. Von 1982 bis 1995 wuchsen seine Unternehmungen: ein Handelshaus für Kunststoff-Standardteile, eine Ingenieur-/Industrievertretung, ein Versand- und Systemhaus mit Internetshop und die "Roland Betz Akademie".

Im Schlosspark zu Dennenlohe in Mittelfranken hat Roland Betz einen Glückslehrpfad angelegt, in dem sich auch diese idyllische Szene findet. © Foto: Chiara Riedel


Die Betz-Unternehmensgruppe gehörte zu den Top 100 Bayerns, sagt er selbst. Seinen Erfolg verdanke er, neben dem Glück, seiner Risikobereitschaft und Ausdauer. Eine Rolle spielte auch sein glückliches Händchen mit Mitarbeitern — ohne sie wäre er jetzt nicht hier, verrät er.

Mit Ende 40 stellte sich heraus, dass seine Kinder einen anderen Weg gehen wollen: "Das will ich auch – etwas anderes machen", dachte sich Betz. Mit 51 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, wie er sagt, verkauft er alle seine Firmen, bis auf die Unternehmensberatung. "Rückblick auf Geschaffenes – das ist für mich eine große Freude", sagt der Unternehmer, als müsse er sich rechtfertigen.

Vorausblick auf Neues gehöre zu seiner Sehnsuchts-Philosophie. Er beginnt, sich seine Träume zu erfüllen. Eine seiner neuen Berufungen: Kreativgärtner. Sein großes Ziel ist es, die Lebensqualität in Deutschland zu steigern. Runtergebrochen ins Kleine entstand so der erste "Glückslehrpfad" Europas. Hunderte Lehrpfade gebe es in Deutschland, von Wein- bis zum Kräuterpfad — aber keinen für Glück.

Wo es doch die größte und einzige Aufgabe sei, das Leben glücklich zu gestalten, sagt Betz. Während der Besucher eines Kräuterlehrpfads in die Gerüche und Welt der Kräuter eintaucht, lernt er bei einem Spaziergang im Landschafts- und Schlosspark Dennenlohe in Mittelfranken dem inneren Glück zu begegnen. An jeder Station ist ein Begriff verortet. Ein Heft mit rund 70 Seiten (Preis fünf Euro) soll die Besucher beim Entdecken der elf "Glückskraftquellen" begleiten. In der Natur habe man den besten Zugang zum Glück.

Sein Garten in Forchheim ist eine kleinere Version des Lehrpfads mit Glückskraftquellen wie Freundschaft, Liebe, Dankbarkeit, Ankommen und "herzlich Lachen". Auf Holzbretter ist mit roter Farbe der jeweilige Begriff gepinselt.

Im Gartenhaus hängt zum Beispiel ein Spiegel vor dem gelacht werden kann. "Das Lächeln, das du morgens aussendest, kommt abends zu dir zurück", meint Betz. Die Dankbarkeitsstation besteht aus einem Stuhl mitten im Garten. In einem Blumentopf liegen herzförmige Steine. "Mit Stein in der Hand darüber nachdenken, wofür man dankbar ist und dann den Stein in der Hosentasche oder Handtasche bei sich tragen", rät Betz. Im Alltag komme beim Berühren des Steins so wieder der positive Gedanke. Es gehe darum sich Zeit zunehmen und nachzudenken. Und eins steht fest: "Man muss auch was tun für sein Glück und üben."

Seine Arbeit als Glücksbotschafter wird er in den nächsten Jahren weiterführen, angetrieben von dem Motto: Glückliche Menschen sind in der Lage, andere glücklich zu machen. Roland Betz will weitere Glückslehrpfade eröffnen.

Veranstaltungen des Glücksbotschafters werden unter www.humanhappiness.de bekannt gegeben.

Von Chiara Riedel

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