Nürnberger Global Art Festival

GNM-Direktor: "Ich mag die Lippen der schönen Damen"

DATUM: 24.05.2017..RESSORT: Feuilleton Online ..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Diskussionsabend der Kulturredaktion im Josephs..mit Gästen - Mitarbeiterportrait; Portrait NN-Red. Birgit Ruf
Birgit Ruf

Kultur / Leben

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3.1.2022, 09:36 Uhr
Installation von Henrike Naumann im GNM mit dem Motiv

Installation von Henrike Naumann im GNM mit dem Motiv "Betende Hände" nach Albrecht Dürer. © Daniel Karmann/GNM

Herr Hess, wie viel Überzeugungsarbeit mussten Sie im eigenen Haus für das Global Art Festival leisten?

Grundsätzlich fand das Projekt große Zustimmung. Kolleginnen und Kollegen begrüßten die Öffnung unserer Sammlung für künstlerische Interventionen. In der Umsetzung stießen alle Beteiligten unweigerlich mal an Grenzen, die wir aber gemeinsam überwinden konnten.

Das Global Art Festival fand ja bereits in Nürnberg statt, aber nicht im GNM. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Da kamen zwei Aspekte zusammen: Einerseits erfuhr die freie Kunstszene im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung durch die Stadt Nürnberg eine zusätzliche Belebung und finanzielle Unterstützung. Für das Global Art Festival konnte ein externes Kuratorenteam engagiert werden, das die Möglichkeit hatte, neben regionalen auch internationale Kunstschaffende einzuladen. Dafür wurden Räumlichkeiten gesucht. Zum anderen hatte ich mir vorgenommen, das Germanische Nationalmuseum weiter zu öffnen und noch stärker als bisher zu einem Ort des lebendigen und kreativen Austauschs zu machen. Die Anfrage kam also genau zur richtigen Zeit.

Im ganzen Haus verteilt gibt es nun über 50 neue Arbeiten, die sich auf Stücke Ihrer Sammlung oder die Geschichte Nürnbergs beziehen. Was ist Ihr Lieblingswerk?

Das ist schwierig, denn alle Installationen haben ihren besonderen Reiz. Fasziniert haben mich u.a. sechs vergoldete Löffel, die der Lippenabdruck von Frauen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ziert. „Die Lippen der schönen Damen“ heißt die Arbeit. In der osmanischen Tradition wurden Süßspeisen gerne mit Namen weiblicher Körperteile versehen. Heute stößt eine solche poetische Sinnlichkeit in streng konservativen Kreisen auf Ablehnung. Mit ihrer Arbeit hinterfragt die Künstlerin Mehtab Baydu das Rollenverständnis in unserer multikulturellen Gesellschaft.

Wie kommt die Aktion bei den Besuchern an, auch wenn das durch die Corona-Bestimmungen deutlich weniger sind als normal?

Alle waren begeistert und beeindruckt von den Dialogen und Irritationen, die zwischen den Global-Art-Objekten, den Räumen und unseren Exponaten entstanden sind. Vermeintlich Bekanntes und Gewohntes erscheint in neuem Licht; die Interventionen und künstlerischen Aktionen entfalten im historischen Kontext einen ganz eigenen Zauber.

Können Sie sich eine Wiederholung des Projekts vorstellen?

Das Format soll spannend bleiben und darf sich nicht abnutzen. Deshalb müssen Ideen regelmäßig angepasst werden. Aber das Konzept, zeitgenössische Künstler einzuladen, die mit ihren Arbeiten auf die Sammlung des Germanischen Nationalmuseum reagieren, wollen wir definitiv fortführen.

Info:

GNM, Kartäusergasse, Nürnberg, bis 30. Januar. www.globalartfestival.de