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Gunzenhausen: Gärtnerei Kuck geht mit viel Optimismus durch die Krise

Das Team der Gärtnerei Kuck hat ein bewegtes Jahr hinter sich - 23.01.2021 16:07 Uhr

Die Gewächshäuser der Gärtnerei Kuck sind voll, die Ladentüren müssen geschlossen bleiben. Bis mindestens 14. Februar setzen Tobias Kuck und sein Team weiterhin auf Liefer- und Abholservice.

22.01.2021 © Foto: Tina Ellinger


"Der erste Lockdown im März war ein Schock für uns alle", erinnert sich Tobias Kuck, der eigentlich weiß, wie der Hase in seinem Geschäft läuft, arbeitet er doch schon über zehn Jahre im elterlichen Betrieb mit. "Das Frühjahr läuft sonst anders ab", kann er daher aus Erfahrung berichten. Nach der ersten Schockstarre war Handeln angesagt, und schnell wurde ein Lieferservice auf die Beine gestellt.


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"Das wurde sehr gut angenommen", freut sich der junge Unternehmer, verkennt aber nicht den enorm hohen Aufwand, den allein die Beratung am Telefon mit sich gebracht hat: "Die Kunden sehen ja die Blumen nicht." Zudem könne er gar nicht so viele Leute beliefern wie normalerweise in den Laden kommen würden. Auch sämtliche Zusatzkäufe wie ein Sack Dünger, ein neuer Blumentopf oder einen zusätzlichen Strauch, den man im Vorbeigehen entdeckt hat, fehlten.

Monatelanger Vorlauf

Nach der Wiederöffnung verlief der Sommer relativ normal. Eine zeitlang hatte ein Sicherheitsdienst ein Auge darauf, dass das Hygienekonzept eingehalten wurde. "Mit den Vorgaben wie Abstandhalten und Einbahnregelung sind wir sehr gut zurecht gekommen", erklärt Tobias Kuck, und auch für die Kunden sei das kein Problem gewesen. "Sie waren alle sehr rücksichtsvoll", ergänzt seine Mutter Margit Kuck mit einem wehmütigen Blick durch den leeren, undekorierten Laden: "Das Leben hier drin, der Kontakt zu den Leuten, das fehlt mir sehr. Normalerweise wären wir jetzt voll im Frühjahrsprogramm, und hier würden überall Osterhasen stehen."

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Die stehen jetzt im Lager und harren der Dinge, sind sie doch schon längst bestellt worden. Mit monatelangem Vorlauf passiert vieles in der Gärtnerei, auch die Pflanzen werden weit im Voraus bestellt: Schon im September kamen etwa die kleinen Primel-Setzlinge auf das Gelände in Unterwurmbach, die dort dann fachmännisch zur vollen Pracht gehegt und gepflegt werden.

Doch nicht nur die Primeln, auch Veilchen und andere Frühjahrsblüher wie die Lenzrosen aus eigener Produktion stehen in den Startlöchern: Die Treibhäuser sind – wie immer – prall gefüllt.

Ein hoher Wertbestand, der unter normalen Umständen gut an den Blumenliebhaber oder auch den Großhändler gebracht werden könnte. Doch auch beim Zwischenhandel herrscht derzeit Zurückhaltung. Die Pflanzen aber sind nicht nur vorfinanziert – alles, was bestellt wurde, muss abgenommen werden – auch die Gewächshäuser müssen weiterhin beheizt, die Verbindlichkeiten bedient werden. "Die Ausgaben bleiben die gleichen, nur die Einnahmen sind sehr viel geringer", gibt Tobias Kuck zu bedenken und hofft, kein Platzproblem zu bekommen: "In zwei Wochen kommen schon die ersten Geranien-Pflänzchen".

Abholung wieder möglich

Denn nach Normalität schaut es momentan nicht wirklich aus: Mit der kalten Jahreszeit kehrten die Einschränkungen bis hin zum aktuell auf den 14. Februar verlängerten zweiten Lockdown zurück. Nichts war es also mit der Adventsausstellung Ende November, die traditionell vielen Kunden als Einstimmung auf die Vorweihnachtszeit dient – und umsatzstarke Wochen einläutet.


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Vor allem an den vier Tagen vor Weihnachten klingelt die Kasse in der Regel besonders oft. Im letzten Jahr jedoch mussten die Ladentüren zu diesem Zeitpunkt geschlossen bleiben. "Das hat uns schon sehr gefehlt, auch wenn wir wieder einen Lieferservice eingerichtet haben", erzählt Tobias Kuck, der seine Ware auch jetzt wieder, im erneuten Lockdown, direkt zu den Kunden bringt.

Oder aber sie nutzen die seit Kurzem erlaubte Möglichkeit, vorab telefonisch bestellte Sträuße und Pflanzen innerhalb eines vereinbarten Zeitfensters abzuholen. "Wir hoffen, dass dieser Abholbetrieb weiterlaufen kann", meint der Gärtner, nicht zuletzt mit Blick auf den nahenden Valentinstag. "Das ist schon ein dominantes Datum für uns", unterstreicht Margit Kuck die Bedeutung dieses Tages für den Blumenhandel.

Einen Online-Shop aufzubauen ist für Tobias Kuck keine Option: "Wir sind Gärtner, wir wollen mit der Hand arbeiten und unsere Kunden vor Ort bedienen und glücklich machen. Mehr wollen wir nicht." Dabei setzt er ausschließlich auf Fachkräfte in seinem 25-köpfigen Team. Und die will er auch behalten. "Bisher haben wir niemanden in Kurzarbeit geschickt. Die Leute sind auf ihren Lohn angewiesen", betont der zweifache Vater und hat durchaus die Konkurrenz vonseiten der Industrie im Kopf.

Laden wird renoviert

Niemand soll wegen des Geldes abwandern. "Wir sind ein Familienbetrieb und halten zusammen", das ist ihm wichtig. Zu tun gibt es auf dem weitläufigen Gelände mit Gewächshäusern und Baumschule immer etwas: "Die Pflanzen kann man nicht sich selbst überlassen." Zudem baut das Team Überstunden ab und hilft bei den Renovierungsarbeiten mit. "Wir nutzen die Zeit für ein paar Verschönerungen."

Davon können sich die Kunden hoffentlich bald selbst wieder überzeugen, blickt Tobias Kuck trotz allem optimistisch in die Zukunft und auf ein Ende des Lockdowns. "Meine Eltern, ich und das Team haben es bisher zusammen bestmöglich gemeistert. Wir bleiben zuversichtlich." Schließlich, das hat er im vergangenen Jahr, seinem ersten als Chef, gespürt: "Man wächst an seinen Herausforderungen."

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