Freitag, 29.05.2020

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"Haus international": Kochbuch ist in Planung

Webinare statt Treffen vor Ort - 11.05.2020 12:03 Uhr

Normalerweise ist im Rother „Haus International“ an vielen Tagen ordentlich was los. Nicht aber in Zeiten von Corona. Die Organisatorinnen der Landkreis-Kontaktstelle „Für einander“ nutzen die Zeit, um notwendige Sanierungen zu begleiten. Wie hier Dorothea Pille, die für die künftige Bühne probehalber die von einer Kleinkunstbühne günstig ergatterten Stühle aufstellt. © Foto: Claudia Weinig


Kennenlernen, sich begegnen, neue Kontakte, neue Sitten und Bräuche kennenlernen. Über alle Sprach-, Glaubens- und Kulturgrenzen hinweg. Durch gemeinsame Aktionen, beim Miteinander-Arbeiten, Werkeln, Lernen und Kochen. Mit dieser Idee hat das "Haus International" vor gut einem dreiviertel Jahr seine Türen inmitten der Stadt Roth in der ehemaligen Kneipe "Outback" in der Städtlerstraße geöffnet.

Und jetzt, in kontaktarmen Corona-Zeiten "wollen wir keinesfalls die vielen guten Kontakte, die wir schon haben, verlieren", betont Aline Liebenberg, Integrationslotsin bei "Für einander", der Landkreis-Kontaktstelle für bürgerschaftliches Engagement und Programm-Macherin des "Haus International".


Im "Haus International" in Roth: Dem Fremden ein Gesicht geben


Rund 100 Menschen, vom Kind bis zum Jung-Senior, vorwiegend aus dem Arabisch sprechenden Raum, finden mittlerweile regelmäßig den Weg ins Haus. Zusammen mit einer ganzen Reihe von Gästen aus dem Landkreis, die sich hier entweder ehrenamtlich engagieren; zum Beispiel bei der Hausaufgabenbetreuung für Schulkinder; oder bei Näh- und Deutsch-Konversationskursen. Oder die Fans der Reihe "Weltreise ins Wohnzimmer" geworden sind.

Fatema Kassab hat bereits bei der Veranstaltungsreihe „Weltreise ins Wohnzimmer“ den Gästen im „Haus International“ typische Gerichte aus ihrer Heimat Irak aufgetischt. Gern gibt sie ihre Rezepte auch im geplanten Kochbuch weiter. © Foto: Haus International


Etwa einmal im Monat wurde seit der Eröffnung des Hauses unter Anleitung einer (Hobby-)Köchin miteinander gekocht. Und dann miteinander in größerer Runde gegessen.

Erzählungen aus erster Hand

Das Besondere: Die Köchin stammt immer aus einem Land jenseits von Deutschland; ob Litauen oder Syrien, ob Frankreich oder Irak. Immer bekam die bunt gemischte Tafelrunde etwas Typisches aus diesen Ländern kredenzt; zusammen mit Erzählungen aus dem Alltag dort. Live und aus erster Hand.

Die Binsenweisheit, dass gemeinsam essen verbindet, bewahrheitete sich hier in der Vergangenheit auf gesellige, unkomplizierte und für alle immer wieder herzliche Weise. Gemeinsam kochen, am Ende die Köpfe über den Töpfen und Tellern zusammenstecken — in Corona-Zeiten ein absolutes No-go.

Parallel dazu die Überlegung von Für einander-Chefin Anne Thümmler und ihrem Team, dass der jährliche "Dankeschön!-Abend für die vielen Ehrenamtlichen, die noch immer in den Asylbewerberkreisen im gesamten Landkreis aktiv sind, so nicht stattfinden kann.

Begeisterte Zusagen 

Was tun? Aus dieser an sich frustrierenden Vorstellung entstand eine Idee, die immer mehr Formen annimmt: "Wenn wir schon nicht live kochen können, dann machen wir eben ein eigenes Kochbuch. Mit landestypischen Geschichten unserer Köchinnen, begleitet von Geschichten zu den jeweiligen Rezepten." So umreißt Aline Liebenberg das Konzept. Und am Ende soll das Buch — geplante Herausgabe im Oktober — dann den ehrenamtlichen Helfern als bis dato einmaliges "Dankeschön" geschenkt werden. "Vielleicht finden sich darüber hinaus ja noch Interessenten," hofft Liebenberg auf weitere Fans dieses multi-kulti Koch- und-Geschichten-Buchs.

Die möglichen Autorinnen werden in diesen Tagen angesprochen — mit durchwegs begeisterten Zusagen; die Rother Grafikerin Angela Giese will ehrenamtlich die Gestaltung übernehmen, und die Initiatorinnen hoffen, noch Fördergelder für die Druckkosten des Buches locker machen zu können. Kurz: "Die Sache läuft wirklich gut an", erklärt die Integrationslotsin, die in ihrem Team jetzt "einfach anders" arbeiten will und muss als bisher.

Denn "nichts tun und damit vielleicht all das Positive aufgeben, was wir bisher geschafft haben, wollen wir keinesfalls".

Betreuung via Skype

Also wird das veranstaltungsfreie Haus derzeit weiter auf Vordermann gebracht. Von einer Kleinkunstbühne konnte Liebenberg günstig Stühle für die geplante Schülerbühne des "Haus International" erstehen. Handwerker — immer einzeln — sanieren weiter in der bisher nur teilweise renovierten Ex-Kneipe. Parallel dazu arbeiten Thümmler und Liebenberg mit ihrem Team daran, deutlich mehr als bisher "online" arbeiten zu können.

Zwei Laptops wurden angeschafft, über die künftig Webinare laufen können; beispielsweise für den Nähunterricht. Oder auch die gerade von Kindern so geschätzte und nötige Hausaufgabenbetreuung.

Einziger Wermutstropfen: "Wir bräuchten gerade für die Hausaufgabenbetreuung noch Menschen, die sich via Skype etwa einmal die Woche ins Haus zuschalten können", hofft Liebenberg auf neue Freiwillige. "Viele unserer Ehrenamtlichen sind schon älteren Semesters und wollen nicht mehr unbedingt auf die neue Technik umschalten; oder haben zu Hause erst gar nicht die Ausstattung."

Ob Kochbuch statt Kochkurs oder Webinar statt Nachhilfestunde — "wie so viele andere wollen wir die Corona-Zeit nicht einfach aussitzen, sondern versuchen, damit kreativ umzugehen. Denn dann können wir die Idee, dass sich im ,Haus International‘ verschiedene Kulturen auf unkomplizierte Weise begegnen können, auch in dieser kontaktarmen Zeit weiter verfolgen."

Info und Kontakt: Aline Liebenberg, Integrationslotsin "für einander", Telefon (0 91 71) 81 13 60; aline.liebenberg@landratsamt-roth.de

CLAUDIA WEINIG

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