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Haushohe Hürden

Projektentwickler loten Zukunft des Volksbads aus - 13.07.2011 11:00 Uhr

Wunderschön und ganz schön teuer: Die Sanierung des Volksbads wird auf 30 Millionen Euro geschätzt. © Distler


Im städtischen Liegenschaftsamt gibt es noch einige Prospekte mit dem Titel „Jugendstil-Perle sucht neue Fassung“. 1993 hatte man die Werbung drucken lassen, um Investoren zum Kauf des Volksbads anzulocken. Viele Vorschläge zur Umgestaltung gingen ein: ein deutsch-türkisches Bad, eine Reha-Klinik, ein Gastro-, Theater-, Shopping- oder Discotempel, eine Anlage für betreutes Wohnen, ein Spaßbad oder ein Fitness- und Wellness-Center — und immer wieder einmal kam auch eine Sanierung des Schwimmbads ins Gespräch.

Gescheiterte Gedankenspiele

Zuletzt scheiterten vor drei Jahren die anfangs vielversprechenden Verhandlungen mit dem Schweizer Badbetreiber Kannewischer — ebenso wie alle anderen Gedankenspiele. Hauptgrund war und ist das fehlende Geld: Aus einem Sanierungsbedarf von 30 Millionen Mark im Jahr 1982 sind laut Liegenschaftsamt mittlerweile 30 Millionen Euro plus X geworden.

Trotzdem: „Es gibt zwar leichtere Immobilien, aber ich glaube nicht, dass das Volksbad verloren ist“, meint Michael Peter, Eigentümer des Fürther Projektentwicklers P&P, „der Unikats-Charakter ist sehr reizvoll.“ Auflagen des Denkmalschutzes sieht er dabei nicht als hemmend: Steuerliche Sonderabschreibungen böten sogar einen gewissen Spielraum.

Bei der Sanierung der denkmalgeschützten Postgebäude an der Allersberger Straße konnte seine Firma mit den Behörden gute Lösungen erarbeiten. Das Volksbad als Spezial-Gastronomie hält Peter immer noch für eine erfolgversprechende Option, denn „kultige Orte“ würden ständig gesucht: So haben sich einstige Kirchen in Kneipen verwandelt.

Falls aber beim Volksbad hohe Rendite absolute Voraussetzung ist, sieht er kaum Chancen. Ohne Idealismus und Liebhaberei zu dieser Architektur geht seiner Einschätzung nach nichts. „Kulturelle Nutzung ist ein Draufzahlgeschäft“, sagt der 41-Jährige. Als Schwimmhalle hat das Volksbad obendrein in den vergangenen Jahren viel Konkurrenz im Großraum bekommen. Insofern sei es heute deutlich schwieriger als zum Zeitpunkt der Schließung vor 16 Jahren.

Trotzdem strebt Oberbürgermeister Ulrich Maly eine Nassnutzung energisch an. Das Volksbad wurde zur Chefsache erklärt. Bislang jedoch ohne Erfolg (siehe Kasten unten). „Es ist völlig weltfremd und abseitig zu glauben, man könne die Schwimmhallen wieder eröffnen“, meint dagegen ein Experte aus der Verwaltung. Heizung, Lüftung, Wasseraufbereitung und die restliche Technik müssten äußerst kostspielig erneuert werden.

Projektentwickler Volker Koch, Chef der Firma Kochinvest, vergleicht das prächtige Bad mit einem „Schwan im Hühnerhof“. Das Volksbad stehe am falschen Platz, eine sehr hochwertige Nutzung als Luxus-Badetempel hält der 66-Jährige für ausgeschlossen. „Was in Paris möglich ist, geht in Nürnberg nicht“, merkt der Geschäftsführer mit Blick auf die Kaufkraft an.

Büros und Gewerbe könne man in den Hallen ebenfalls nicht sinnvoll unterbringen. Mit Kinos sei die Stadt sehr gut versorgt, und Ballsäle oder Versammlungsräume würden ein großes unternehmerisches Risiko bergen, merkt Koch an. „Ein Seniorenheim scheidet wegen der großen fensterlosen Dunkelbereiche aus“, meint der Projektentwickler, „wer lebt schon gern in einer Dunkelkammer?“

Als großes Minus wertet er die fehlenden Parkplätze. Pläne für ein Parkhaus auf dem Nachbargrundstück der Städtischen Werke wurden nie verwirklicht. Im Grunde, so merkt ein anderer guter Kenner der Nürnberger Immobilienszene an, sei das Volksbad ein Fall für die Städtischen Werke. Ähnlich wie die Nürnberger Versicherungsgruppe das uralte Gebäude der Landesgewerbeanstalt beim Cinecittà übernommen, saniert und zu einer Fortbildungs-Akademie ausgebaut hatte, so müssten dies auch die Städtischen Werke mit dem Volksbad als direktem Nachbarn tun.

Die Städtischen Werke würden ihre Grundstücke am Plärrer arrondieren. Und sie hätten ein äußerst repräsentatives Empfangs-, Schulungs- und Repräsentationsgebäude. Der Vorteil: Der Verfall der Bausubstanz wäre gestoppt. Der Nachteil: Ein öffentliches Bad gäbe es dann nicht mehr.

Und was meint Gerd Schmelzer, der mit seiner Alpha-Gruppe für schwierige Großgrundstücke wie Triumph-Adler, die ehemalige Tilly-Kaserne oder aktuell die Grundig-Türme jeweils eine Zukunft entwickelt hat? „Das Volksbad darf nicht abgerissen und durch einen gesichtslosen Zweckbau ersetzt werden. Es muss ein Retter kommen, aber ich bin es sicher nicht. Ich habe zu viel zu tun.“

 

Hartmut Voigt

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