Kulturorte in ERH

Heppstädt: Ein Realität gewordener Lebenstraum

21.10.2021, 18:05 Uhr
Am Theatereingang im Kuckucksheim grüßen Stefan Kügel und

Am Theatereingang im Kuckucksheim grüßen Stefan Kügel und "Charlie" die Gäste, die derzeit nicht kommen (dürfen). © Karl-Heinz Panzer, NN

Die einsamen Tage in Heppstädt sind bald vorbei, da ist der „Charlie“ bester Hoffnung. Die Holzskulptur mit Chaplin-Schnauzer und Melonenhut, Galionsfigur im Theater Kuckucksheim, wartet am Eingang auf die Rückkehr des Publikums. Bis dahin geben die Akteure Vorstellungen in der Höchstadter Kulturfabrik Fortuna. Alte und neuere Stücke des Familienensembles stehen auf dem Spielplan.

Glopf an die Himmelsdür

Als Nächstes kommt am Freitagabend (22. Oktober) der fränkische Western „Glopf an die Himmelsdür“ zur Aufführung, eine Woche darauf die Viecherei „We Are the Champions - Mir sinn die Größdn“. Am 30. Oktober, dem Vorabend zur Zeitumstellung, steht „Die g'schenkte Stund“ auf dem Programm. Ein schaurig-schönes Nachtstück, das Helmut Haberkamm geschrieben hat.

2007 nahm sogar der Kulturausschuss des mittelfränkischen Bezirkstags das kleine schmucke Theater als Bühne für eine Sitzung.

2007 nahm sogar der Kulturausschuss des mittelfränkischen Bezirkstags das kleine schmucke Theater als Bühne für eine Sitzung. © Matthias Kronau, NN

Wegen Corona ist der Vorhang in Heppstädt nun schon eineinhalb Jahre lang zu. Stefan Kügel, Hausherr und Gründer, will das Thema Pandemie endlich hinter sich lassen. Die Pläne für den Einbau einer Lüftungsanlage stehen. Geht alles nach seinen Vorstellungen, wird sie Anfang 2022 eingebaut. Aufführungen in der ehemaligen Scheune mit ihren knapp 100 Plätzen sind in greifbare Nähe gerückt.

Familiäres Ambiente wurde vermisst

Jetzt könnte er keine 20 Leute reinlassen. „Unter diesen Bedingungen kannst du kein Theater spielen. Das geht nicht“, sagt der Schauspieler mit Gesellenbrief im Schreinerhandwerk. Kügel und seine ins Ensemble eingestiegenen Söhne Benjamin und Nando hielten sich zwischenzeitlich mit Gastspielen im Adelsdorfer Schlossgarten und in der Kulturfabrik Fortuna in Höchstadt warm. Wobei sie das einzigartige familiäre Ambiente schon schwer vermissen.

"Was macht das mit dir?"

Mit dem Licht am Ende des Tunnels in Sicht freuen sie sich auf 18 Vorstellungen, die in diesem Jahr noch geplant sind. Es gibt nicht wenige Schauspielerkollegen, die seit April 2020 keinen Cent mehr verdient haben, weiß Kügel. Immer, wenn wieder gelockert wurde, „waren wir die Letzten, die wieder aufmachen durften“, beklagt der Theaterbetreiber und fügt hinzu: „Wenn du so lange nicht auf der Bühne stehst, fragst du dich schon, was das mit dir macht.“

„In diesem Beruf darfst du eh keine Existenzängste haben“, hält der sechsfache Vater fest. Viele Tage und Nächte lang hat er gegrübelt, bevor er 1990 das Theater Kuckucksheim zunächst als Ein-Mann- und Puppentheater ins Leben gerufen hat. Am Anfang war er auf fremden Bühnen unterwegs, auch in Schulen, denn das Kindertheater hat der Schauspieler, Sänger und Puppenspieler schon immer leidenschaftlich gern bespielt.

"Es ist super gelaufen - bis zur Pandemie"

Zur Jahrtausendwende richtete er dann die heimische Scheune in dem Adelsdorfer Ortsteil als festen Spielort ein. Eine enorme Investition, erinnert er sich, und die Banken zieren sich, für ein solches Vorhaben Kredite zu vergeben. Aber die Sache lief gut an, „peu à peu, aber beständig“ ging es nach oben. Mit den Jahren schlossen sich die zwei Söhne an. Fünf Vorstellungen im Monat gaben sie zuletzt, dazu eine weitere für Kinder. Die Stücke kamen gut an und überhaupt, „es ist super gelaufen“ - bis zur Pandemie eben.

Parkplatz soll die Lage entspannen

Das Theater selbst ist in dem Dorf mit kaum 100 Einwohnern leicht zu übersehen. Versteckt hinter dem Wohnhaus und eingewachsen mit Bäumen und Sträuchern fällt es kaum auf. Nur an den abgestellten Autos ist zu erkennen, wann gerade eine Vorstellung läuft. Das gefällt nicht allen, wofür Kügel durchaus Verständnis hat. Insofern ist er sehr glücklich darüber, dass ein größerer Parkplatz in Planung ist.

Kultur auf dem Land

Heppstädts Bekanntheitsgrad ist durch das kleine Schauspielhaus enorm gestiegen. Als Bereicherung des kulturellen Angebots trägt es zur Attraktivität der ganzen Gemeinde bei, ist der 58-Jährige überzeugt. Ermutigend findet er, dass nicht nur Erlanger, Fürther und Nürnberger, sondern eben auch Adelsdorfer, Hemhofener und Heppstädter kommen. „Auch auf dem Land muss Kultur möglich sein“, findet der Vollblut-Schauspieler. Sehr bald auch wieder im Theater Kuckucksheim. „Der Charlie“, den einst Sohn Lukas geschnitzt hat, kann es kaum erwarten.

Der Spielplan für den Rest des Jahres und mehr Infos finden sich unter https://kuckucksheim.de/spielplan/