"Schneller nach Antalya als nach Fürth"

Herzogenauracher kritisieren Nachtflüge ab Nürnberg

Matthias Kronau
Matthias Kronau

Redaktion Herzogenaurach

E-Mail

10.11.2021, 18:15 Uhr
Eine Nachtflugkurve, ausgehend vom Flughafen Nürnberg. Die Maschine nach Antalya befindet sich bei Herzogenaurach im Steigflug. "Um 2.55 Uhr aufgewacht durch Überflug bei mir", schreibt Herbert Hoffmann dazu.

© Screenshot www.flightradar24.com Eine Nachtflugkurve, ausgehend vom Flughafen Nürnberg. Die Maschine nach Antalya befindet sich bei Herzogenaurach im Steigflug. "Um 2.55 Uhr aufgewacht durch Überflug bei mir", schreibt Herbert Hoffmann dazu.

In einer Oktobernacht war seine Geduld endgültig am Ende. "Ich wurde um 2.55 Uhr von einer der startenden Maschinen geweckt", schreibt er tags drauf an den Fluglärmschutzbeauftragten im Luftamt Nürnberg bei der Regierung von Mittelfranken. Es folgten vom Flughafen Nürnberg weitere Starts um 3 Uhr und um 3.30 Uhr. "Danach konnte ich bestückt mit Ohrstöpsel wieder einschlafen."

"Es ist unglaublich"

In jener Nacht, so hat der 65-jährige nachrecherchiert, seien zwischen 1 Uhr nachts und 6 Uhr morgens zehn Maschinen gestartet, und er schreibt: "Es ist unglaublich, was uns hier zur Schlafenszeit zugemutet wird." Zum Glück, fügt er hinzu, "hatte ich anscheinend einige weitere verschlafen".

Die Niederndorfer Herbert Hoffmann (l.) und Martin Jaeger beobachten die nächtlichen Flugbewegungen genau. Und hören sie - zwangsläufig.

Die Niederndorfer Herbert Hoffmann (l.) und Martin Jaeger beobachten die nächtlichen Flugbewegungen genau. Und hören sie - zwangsläufig. © Matthias Kronau, NN

Auch der Niederndorfer Martin Jaeger kennt das Problem aus leidiger Erfahrung. "Ich bin schon so oft um 2.30 Uhr oder 3 Uhr aufgewacht", erzählt der 71-Jährige. Gerade im Sommer, wenn man gerne bei offenem Fenster schlafe. Gemeinsam mit seinem Bekannten Herbert Hoffmann hat er sich schon oft über das Thema ausgetauscht. Was beiden beim Studieren des Flugplans aufgefallen ist: "In manchen Nächten starten Flugzeuge regelmäßiger und öfters von Nürnberg nach Antalya als die U-Bahn nach Fürth." Ein Scherz mit säuerlichem Beigeschmack.

Der nächtliche Flugplan ab Nürnberg vom 16. Oktober.

Der nächtliche Flugplan ab Nürnberg vom 16. Oktober. © Screenshot, NN

Kein Fluggegner

Herbert Hoffmann ist nicht etwa ein Gegner des Fliegens, im Gegenteil. "Ich fliege sehr gerne in den Urlaub, war schon in vielen Ländern der Welt." Allerdings vermeide er nächtliche Starts. "Ich kann es nicht verstehen, dass der Flughafen Nürnberg das mitmacht." Hoffmann und auch Martin Jaeger wissen sehr wohl, dass es den näher am Flughafen wohnenden Bürgern noch schlechter geht mit dem Fluglärm. Auch wollen sie keine Verschiebung von Korridoren, die andere Menschen dann mehr schädigt. Es geht einzig und allein um die Frage: Muss man ausgerechnet nachts von Nürnberg aus in den Urlaub fliegen, oder, wie viele türkische Mitbürger, zu einem Abstecher in die Heimat starten?

Zu viele Ausnahmen

Eine Frage der Reisekosten dürfte das eigentlich nicht sein, meint ein weiterer Herzogenauracher. "Früher war das Fliegen sehr viel teurer." Er nennt das Verhalten des Flughafens mit Blick auf die Anwohner "menschenverachtend". Das bestehende Nachtflugverbot erlaube viel zu viele Ausnahmen für sogenannte lärmarme Flugzeuge. Andere Flughäfen wie München oder Frankfurt seien da wesentlich weiter.

Der Fluglärmbeauftragte im Luftamt Nordbayern, Reiner Lux, hat den Empfang der Beschwerdemail aus Herzogenaurach inzwischen bestätigt. Ob er den Fluglärmkritikern letztlich eine befriedigende Antwort geben kann, bleibt abzuwarten.