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Hier fühlen sich Betroffene verstanden

Für Gruppen ist der Selbsthilfetag eine wichtige Plattform, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen - 30.09.2018 18:44 Uhr

Auch die Rheumaliga nutzte die Möglichkeit, sich am Samstag auf dem Paradeplatz zu präsentieren. © Foto: Alexander Hitschfel


"Wir stottern gemeinsam und zwanglos". Das ist das Motto der Selbsthilfegruppe "Stottern Bamberg/Forchheim", die genau wie die anderen Gruppen ihre Arbeit vorstellten. Udo Wicklein, Ansprechpartner der Gruppe, weiß nur zu gut, mit welchen Problemen Stotterer im Alltagsleben zu kämpfen haben. "Stottern ist für viele eine enorme psychische Belastung", erzählt er. Wicklein hat selbst erfahren, was passiert, wenn das oftmals im frühen Kindesalter vorhandene Stottern nicht verschwindet, sondern den Betroffenen ein Leben lang bleibt: "Schamgefühl und die Angst zu sprechen." Man ziehe sich zurück. Einige müssen auch erleben, dass sie aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden.

Auch Udo Wicklein musste dies durchmachen: "Ich habe eine Umschulungsmaßnahme zum Versicherungskaufmann durchführen wollen, doch das Jobcenter hat die Bezahlung der Maßnahme anfänglich abgelehnt", erzählt er. "Stellen Sie sich vor, wenn sie Kunden beraten müssen und stottern, das kann nicht funktionieren", hatte die damalige Sachbearbeiterin zu ihm gesagt. In der Zwischenzeit hat Wicklein den Mut gefasst, auch anderen Stotterern zu helfen und leitet die Selbsthilfegruppe. Das Awo-Organisationsteam mit Susanne John, Alexander Schlote und Gudrun Herderich haben mit dem Selbsthilfetag auch in diesem Jahr für die verschiedenen Gruppen eine Plattform zur Selbstdarstellung geboten.

Die nutzen auch die Guttempler. In dieser Selbsthilfegruppe treffen sich Menschen, die an den verschiedensten Suchterkrankungen leiden. Karin Gumbmann, lange Zeit wohnhaft in Baiersdorf, weiß, worüber sie spricht. Sie hatte selbst Alkoholprobleme. Die Ehe scheiterte, Freundschaften wurden zerstört, sie musste umziehen und wohnt nun in Bamberg.

Sie erzählt, wie die Selbsthilfegruppen und betroffene Menschen zusammenkommen. Sie weiß auch, dass solche Tage wie der Selbsthilfetag wichtig sind, um Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Es sei wichtig, dass das Umfeld lernt, Menschen mit Suchtproblemen zu akzeptieren und sie nicht auszugrenzen.

Die Guttempler gibt es seit 20 Jahren in Forchheim. Sie treffen sich immer donnerstags um 19 Uhr in der Awo-Geschäftsstelle in der Kasernstraße 7. "Man fühlt sich gut, wenn man seine Probleme auch mit anderen Menschen besprechen kann, die ähnliche, oder gleiche Probleme haben. Man fühlt sich einfach verstanden", sagt Gumbmann.

Süchtig nach Sport

Irene Braun hat vor zwei Jahren den Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe, Ortsgruppe Forchheim, wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Die studierte Pädagogin, die selbst als Drogenkontaktlehrerin an ihrer Schule eingesetzt worden ist, kann auf ein fundiertes Wissen zurückgreifen und will ihr Wissen einsetzen, um anderen Menschen zu helfen. Die Suchtformen, mit denen sie zu tun hat, sind vielfältig. Neben Alkohol- und Drogensucht gebe es auch außergewöhnliche Formen: "Was viele nicht wissen, es gibt beispielsweise eine Sportsucht", erzählt sie. Als sportsüchtig gelten Menschen, die immer wieder ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um extreme sportliche Herausforderungen zu bewältigen.

Eine weitere Selbsthilfegruppe richtet sich an Menschen, die durch einen Schlaganfall oder ähnliches eine Hirnschädigung erlitten haben. Darüber informierte am Samstag das Beratungszentrum Oberfranken für Menschen nach erworbener Hirnschädigung. Die Ortsgruppe Forchheim trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat in der Hornschuchvilla.

ALEXANDER HITSCHFEL

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