Wohnungskauf per Vorkasse

Immobilienangebot im Netz: Warnung vor dreister Abzocke

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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20.10.2021, 06:00 Uhr
Den Schlüssel zur Besichtigung nur gegen 2,2 Prozent der Kaufsumme, einzuzahlen auf einen Garantiefonds? Bei solchen Angeboten müssen bei sämtlichen potenziellen Immobilienkäufern die Alarmglocken schrillen.

Den Schlüssel zur Besichtigung nur gegen 2,2 Prozent der Kaufsumme, einzuzahlen auf einen Garantiefonds? Bei solchen Angeboten müssen bei sämtlichen potenziellen Immobilienkäufern die Alarmglocken schrillen. © Christin Klose, NN

Das Angebot, die geräumige Drei-Zimmer-Wohnung in der Banater Straße, in unmittelbarer Nähe zur S-Bahn-Station Limbach, fand sich kürzlich auf der Homepage des Nürnberger Immobilienportals Immowelt.

Der Schwabacher Jürgen Schnabel (Name von der Redaktion geändert), der sich grundsätzlich für den Immobilienmarkt interessiert und die Augen nach einem für ihn passenden Objekt offenhält, wurde hellhörig. "Bei dem Preis haben zwar alle Alarmglocken geklingelt", sagt er. Aber das Interesse war doch geweckt.

Dubios

Als Verkäuferin wurde eine Giovanna Coletto genannt. Als Maklerin gab sich eine gewisse Natalia Kelly von der "TRY Real Estate Agentur" zu erkennen. Auf Google ist die Agentur zwar nicht (mehr) zu finden. Aber in einer der Mails aus dem Schriftverkehr, die Jürgen Schnabel aufgehoben hat, gibt es einen Link, der noch funktioniert. "Der Auftritt ist nicht schlecht gemacht", findet er.

Aber die Geschichte erschien ihm trotzdem dubios. Warum sollte sich eine in London sitzende Firma, die nach eigenen Angaben Büros in Madrid, Amsterdam und Mailand unterhält, mit einer Drei-Zimmer-Wohnung in einem Schwabacher Stadtteil abgeben?

Brief aus der Übersetzungsmaschine?

Noch dazu war die Kommunikation mit der "TRY Real Estate Agentur", die der potenzielle Wohnungskäufer interessehalber initiierte, mühsam und schwierig. Das Schriftdeutsch von "Natalia Kelly", das in den Mails noch nachzulesen ist, klingt so, als habe jemand ein paar Standard-Satzbausteine in seiner Muttersprache aufgesetzt und das ganze dann durch eine billige Online-Übersetzungsmaschine gejagt.

Der größte Haken, und spätestens da war es Jürgen Schnabel klar, dass es sich um einen dreisten Abzockversuch handelte, war aber die Geschichte mit einem so genannten Garantiedepot: Erst wenn der Kaufinteressent 2,2 Prozent der Kaufsumme, in diesem Fall also 5060 Euro, auf dieses Depot einzahlt, könne man sich die Wohnung ansehen.

Garantiedepot? Von wegen!

Alles ganz easy, versprach Natalia Kelly. Wenn einem dann die Wohnung nicht zusage, bekomme man das Geld aus dem Garantiefonds noch am gleichen Tag wieder zurück überwiesen. Wenn man sich für den Kauf der Wohnung entscheide, dann werde das Geld gewissermaßen als Anzahlung genommen.

Wer darauf hereinfällt, der wird allerdings von seinen gut 5000 Euro Anzahlung nie mehr einen Cent sehen. Und die Wohnung, das hat Jürgen Schnabel inzwischen bei einem persönlichen Besuch in der Banater Straße herausgefunden, würde er auch nicht erwerben können, weil sie gar nicht zum Verkauf steht.

Immowelt warnt selbst

Ergo: Ein klarer Fall einer Betrugsmasche, vor der nicht nur die Verbraucherzentralen warnen. Auch die "Immowelt GmbH" macht in ihren Sicherheitshinweisen selbst darauf aufmerksam. Der so genannte Vorkassebetrug bei einer angeblich zum Verkauf stehenden Immobilie sei leider weit verbreitet.

Mehr als ein Dutzend weitere unterschiedliche Maschen von (Trick-)Betrügern listet Immowelt auf: vom Kautionsbetrug mit Fake-Firmen über kostenpflichtige Listen, so genannten "Rip-Deals" bis hin zur "Irak/Nigeria-Connection".

Letztere erinnert an die bis vor einigen Jahren weit verbreiteten Massen-Spams, laut denen ein dubioser reicher afrikanischer Prinz sein Millionenvermögen an den Angeschriebenen vererben möchte. Man müsse nur eine Gebühr überweisen, um die Transaktion starten zu können.

Wer fällt darauf herein?

Die Frage ist: Fallen Leute wirklich auf solche ja sehr offensichtlichen Betrugsversuche herein? Jürgen Schnabel ist sich sicher: Die meisten würden den Trick schnell und leicht durchschauen. "Aber wenn von 1000 Leuten, die das Angebot lesen, nur zwei oder drei darauf anspringen, dann haben die Betrüger schon gewonnen."

Von Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Betrüger in aller Regel nichts zu befürchten. Wahrscheinlich sitzen sie irgendwo im Ausland und tüfteln mit dem von ihrem letzten Beutezug eingenommenen Geld an ihrem nächsten Coup.

"Ich habe die Schnauze voll"

Jürgen Schnabel hat auf jeden Fall die Konsequenzen gezogen. Er hat sich ans Tagblatt gewendet, um zu warnen. Und er hat sich von den entsprechenden Immobilien-Portalen, die ihm automatisch Meldungen schicken, wenn ein möglicherweise für ihn passendes Objekt zum Verkauf steht, abgemeldet: "Ich habe die Schnauze voll."

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