In der Pogromnacht brannten Frankens Synagogen

9.11.2008, 08:58 Uhr
In Franken gab es Mitte der 1930er Jahre noch 167 Synagogen und jüdische Bethäuser. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurden sie fast alle geschändet und geplündert. Die Synagoge in Fürth wurde wie 38 weitere vollkommen zerstört.
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Die Synagoge in Fürth

In Franken gab es Mitte der 1930er Jahre noch 167 Synagogen und jüdische Bethäuser. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurden sie fast alle geschändet und geplündert. Die Synagoge in Fürth wurde wie 38 weitere vollkommen zerstört. © Archiv Lothar Berthold

 In Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, waren die Nazis der Zeit voraus: Mit dem Abriss der Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz wurde bereits am 10. August 1938, also genau drei Monate vor der Pogromnacht, begonnen. Bis zum Beginn des Parteitages am 5. September sollte, so die Vorgabe des Judenhassers und NSDAP-Gauleiters Julius Streicher, kein Stein des Gotteshauses mehr zu sehen sein. Den Auftakt der Abbrucharbeiten verfolgten mehrere Tausend Nazi-Anhänger.
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Die Synagoge am Hans-Sachs-Platz

In Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, waren die Nazis der Zeit voraus: Mit dem Abriss der Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz wurde bereits am 10. August 1938, also genau drei Monate vor der Pogromnacht, begonnen. Bis zum Beginn des Parteitages am 5. September sollte, so die Vorgabe des Judenhassers und NSDAP-Gauleiters Julius Streicher, kein Stein des Gotteshauses mehr zu sehen sein. Den Auftakt der Abbrucharbeiten verfolgten mehrere Tausend Nazi-Anhänger. © Stadtarchiv Fürth

Menschen kamen bei dem Abbruch zumindest nicht zu Schaden.
Das sollte sich bei dem von den Nazis im Nachhinein verharmlosend als „Reichskristallnacht“ bezeichneten Pogrom ändern: Allein in Nürnberg fielen über 20 Juden dem blutigen Terror der SA-Horden zum Opfer, mindestens zehn davon nahmen sich aus Verzweiflung selbst das Leben.
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Die Synagoge am Hans-Sachs-Platz

Menschen kamen bei dem Abbruch zumindest nicht zu Schaden. Das sollte sich bei dem von den Nazis im Nachhinein verharmlosend als „Reichskristallnacht“ bezeichneten Pogrom ändern: Allein in Nürnberg fielen über 20 Juden dem blutigen Terror der SA-Horden zum Opfer, mindestens zehn davon nahmen sich aus Verzweiflung selbst das Leben. © Stadtarchiv

Die  Synagoge der orthodoxen Juden Nürnbergs befand sich in der Essenweinstraße in Nürnberg. In der
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Die Synagoge an der Nürnberger Essenweinstraße

Die Synagoge der orthodoxen Juden Nürnbergs befand sich in der Essenweinstraße in Nürnberg. In der "Reichskristallnacht" am 9. November 1938 gab SA-Obergruppenführer Obernitz seinen Männern den Befehl, einen Haufen aus zerbrochenem Gestühl und rituellem Gerät in der Mitte des Gebäudes zu errichten und zu entzünden. Danach ging die Synagoge in hellen Flammen auf. Die Feuerwehr schützte nur die Nachbarhäuser. © Stadtarchiv Nürnberg

Einige Tage nach der Reichspogromnacht enststand dieses Foto. In der Fassade der ausgebrannten Synagoge an der Nürnberger Essenweinstraße gähnen schwarze Fensterhöhlen.
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Die Synagoge an der Nürnberger Essenweinstraße

Einige Tage nach der Reichspogromnacht enststand dieses Foto. In der Fassade der ausgebrannten Synagoge an der Nürnberger Essenweinstraße gähnen schwarze Fensterhöhlen. © Stadtarchiv

Auch in den kleinen Städten und den Dörfern wüteten die Nazi-Schergen: Etwa in Baiersdorf. Die dortige Synagoge war 1711 eingeweiht worden. In der Pogromnacht erlitt sie so schwere Schäden, dass das Gebäude wenig später abgerissen wurde. Heute steht an dieser Stelle die Sparkasse.
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Die Synagoge in Baiersdorf

Auch in den kleinen Städten und den Dörfern wüteten die Nazi-Schergen: Etwa in Baiersdorf. Die dortige Synagoge war 1711 eingeweiht worden. In der Pogromnacht erlitt sie so schwere Schäden, dass das Gebäude wenig später abgerissen wurde. Heute steht an dieser Stelle die Sparkasse. © Archiv

Gunzenhausen wurde von den Nationalsozialisten als eine Hochburg des Antisemitismus gefeiert. Bereits in den 1920er Jahren warfen Judenhasser immer wieder die Fensterscheiden des Gotteshauses ein. Der 25. März 1934 ging  als „Blutpalmsonntag“ in die Ortsgeschichte ein: SA-Leute trieben die jüdischen Bürger unter Schlägen und Tritten zusammen, zwei Männer kamen unter ungeklärten Umständen ums Leben. In der Pogromnacht 1938 vollendeten sie ihr schändliches Werk.
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Die Synagoge in Gunzenhausen

© Privat

Die einstige Treuchtlinger Synagoge samt jüdischer Schule in der Uhlengasse vor ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten in der Pogromnacht vom 9. November 1938. Heute befinden sich dort ein Wohnhaus und ein Garten. Die Treuchtlinger Bürger beteiligten sich äußerst aktiv an den Plünderungen und Gewalttaten der Nazis. Jüdische Mitbürger wurden gedemütigt, misshandelt und beraubt, mindestens einer in den Selbstmord getrieben. Bald darauf meldete sich die Stadt als eine der ersten in der Region
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© TK-Archiv

Die Synagoge in Pappenheim wurde bereits seit Beginn der 1930er Jahre nicht mehr genutzt. Seit 1937 befand sich das Gebäude im Besitz der Gemeinde. Trotzdem räumte eine Gruppe Jugendlicher das Inventar aus und zündete es auf der Straße an. 1954 wurde das Gebäude zur Feuerwache umgebaut.
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Die Synagoge in Pappenheim

© Michael Matejka

In Adelsdorf  wütete ein SA-Trupp aus Forchheim, er verbrannte Torarollen und das gesamte Inventar der Synagoge auf dem Markplatz. Auch dieses  Gebäude wurde zur Feuerwache umfunktioniert.
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Die Synagoge in Adelsdorf

© Repro Spörlein

Mitten in Aufseß befand sich die Synagoge, auf die der Pfeil in dieser historischen Ansicht hinweist. 1938 hatte die jüdische Gemeinde noch fünf Mitglieder. Deshalb verkaufte sie es im September an die Gemeinde, die es weiterveräußerte. Nach der Pogromnacht forderte der neue Besitzer den Kaufpreis zurück  - und erhielt das Geld.  Die Synagoge wurde 1939 abgebrochen.
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Die Synagoge in Aufseß

© Gemeinde

In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 schreckten die Hüttenbacher aus dem Schlaf. Eine Gruppe auswärtiger SA-Männer unter Führung des NSDAP-Kreisleiters hatte die Synagoge angezündet. Einige Zeit später wurde die Ruine abgerissen. An dem Nachfolgegebäude  befindet sich seit 1995 eine Gedenktafel.
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Die Synagoge in Hüttenbach

© Jüdisches Museum Franken

Das Innere der Hofer Synagogen wurde geplündert, das Mobiliar zu Haufen zusammengetragen und vor aller Augen auf einem Sportplatz verbrannt.
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Die Synagoge in Hof

© Stadtarchiv Hof

In Neumarkt befand sich die Synagoge seit 1864  in der Hallertorstraße. 1928 wurde das Gebäude umfassend saniert. In der Pogromnacht 1938 drangen SA-Männer in das Gebäude ein, zerschlugen die Fenster  und zerstörten gemeinsam mit zahlreichen Stadtbewohnern das Inventar sowie die Ritualien. Die Stadt beschlagnahmte das Gebäude.
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Die Synagoge in Neumarkt

In Neumarkt befand sich die Synagoge seit 1864 in der Hallertorstraße. 1928 wurde das Gebäude umfassend saniert. In der Pogromnacht 1938 drangen SA-Männer in das Gebäude ein, zerschlugen die Fenster und zerstörten gemeinsam mit zahlreichen Stadtbewohnern das Inventar sowie die Ritualien. Die Stadt beschlagnahmte das Gebäude. © Privat

1945 wurde die ehemalige Synagoge bei der Bombardierung Neumarkts zerstört. An dem Nachfolgegebäude erinnert eine Gedenktafel an das Pogrom.
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Die Synagoge in Neumarkt

© Günter Distler

Diese historische Postkarte zeigt eine Ansicht der Synagoge von Sulzbürg. In dem Ort waren seit dem Mittelalter Juden ansässig, Mitte des 19. Jahrhunderts stellten sie ein Drittel der Bevölkerung.
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Die Synagoge in Sulzbürg

Diese historische Postkarte zeigt eine Ansicht der Synagoge von Sulzbürg. In dem Ort waren seit dem Mittelalter Juden ansässig, Mitte des 19. Jahrhunderts stellten sie ein Drittel der Bevölkerung. © Repro: Fritz Etzold

Die Inneneinrichtung der Synagoge von Sulzbürg wurde 1938 vollkommmen vernichtet, die Ritualien zerstört.
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Die Synagoge in Sulzbürg

© Repro. Fritz Ettzold

Nach der Pogromnacht 1938  wurde die Synagoge in Sulzbürg zu einem  Wohnhaus umgebaut.
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Die Synagoge in Sulzbürg

© Nicolas Damm

Die Sprengung der Forchheimer Synagoge  am Nachmittag des 10. November 1938 verfolgte
eine Menge Schaulustiger.
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Die Synagoge in Forchheim

© Julias Brunner, Archiv: Franze

Vor der zerstörten Synagoge steht noch der Leiterwagen, auf den die verhafteten Juden den Schutt aufladen mussten. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz. Seit 1992 erinnert eine Gedenkstele an das Pogrom.
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Die Synagoge in Forchheim

Vor der zerstörten Synagoge steht noch der Leiterwagen, auf den die verhafteten Juden den Schutt aufladen mussten. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz. Seit 1992 erinnert eine Gedenkstele an das Pogrom. © Foto: Julias Brunner, Archiv: Franze

In Fürth lebte seit dem Mittelalter eine der größten jüdischen Gemeinden Süddeutschlands. Die Stadt war ein Zentrum des jüdisch-geistigen Lebens. Heute erinnert nur noch ein Modell im jüdischen Museum an die in der Pogromnacht zerstörte große Fürther Synagoge.
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Die Synagoge in Fürth

In Fürth lebte seit dem Mittelalter eine der größten jüdischen Gemeinden Süddeutschlands. Die Stadt war ein Zentrum des jüdisch-geistigen Lebens. Heute erinnert nur noch ein Modell im jüdischen Museum an die in der Pogromnacht zerstörte große Fürther Synagoge. © Hans-Joachim Winckler

Insgesamt gab es vier Synagogen in Fürth, die Hauptsynagoge galt als eine der wichtigen Talmudhochschulen im deutschen Raum. In der Pogromnacht brannten die Nazis sie nieder.
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Die Synagoge in Fürth

Insgesamt gab es vier Synagogen in Fürth, die Hauptsynagoge galt als eine der wichtigen Talmudhochschulen im deutschen Raum. In der Pogromnacht brannten die Nazis sie nieder. © Archiv Lothar Berthold

So sah das Innere der Synagoge in Fürth aus.
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Die Synagoge in Fürth

© Repro Thomas Scherer

Nachdem die Nazi-Trupps gewütet hatten, blieben nur noch Trümmer im Zentrum Fürths zurück.
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Die Synagoge in Fürth

Nachdem die Nazi-Trupps gewütet hatten, blieben nur noch Trümmer im Zentrum Fürths zurück. © Archiv Lothar Berthold

An anderen Orten Frankens äscherten die braunen Horden die Synagogen nur deshalb nicht ein, weil die Gefahr eines Großbrands bestand. Die dichte Wohnbebauung bewahrte so das Barockgebäude in Ansbach und das Gebetshaus in Bayreuth vor der Zerstörung.
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Die Synagoge in Fürth

An anderen Orten Frankens äscherten die braunen Horden die Synagogen nur deshalb nicht ein, weil die Gefahr eines Großbrands bestand. Die dichte Wohnbebauung bewahrte so das Barockgebäude in Ansbach und das Gebetshaus in Bayreuth vor der Zerstörung. © Archiv Lothar Berthold