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In Sachen Erfahrung unschlagbar

Die Universa Versicherung ist die älteste private Krankenversicherung Deutschlands - 23.03.2018 19:44 Uhr

Die Zentrale der Universa Versicherung im Jahr 1955. Das 1952 errichtete Gebäude an der Sulzbacher Straße ist noch heute Sitz des Unternehmens. © F.: Universa


Ohne es zu ahnen, gaben Heine und seine Mitstreiter damit den Startschuss für einen bedeutenden Zweig der sozialen Sicherung in Deutschland – die private Krankenversicherung. Für einen geringen Beitrag konnten sich Mitglieder in Heines Krankenunterstützungsverein versichern.

Im Krankheitsfall sprang der Verein ein und zahlte dem erkrankten Arbeiter weiter einen Teil seines Lohnes. "Vorher sind die Arbeiter einfach verarmt, wenn sie länger krank wurden. Wer nicht arbeitete, bekam kein Geld", erklärt Michael Baulig. Er ist Vorstandsvorsitzender der Universa Versicherung, die im Laufe der Geschichte aus der Selbsthilfeinitiative der Tabakfabrikarbeiter hervorging. Ganze 175 Jahre ist deren Gründung her. Damit ist die Universa die älteste private Krankenversicherung in Deutschland. Bemerkenswert ist nicht nur, dass der kleine Verein der Tabakmitarbeiter die Umbrüche und Wirren zweier Weltkriege überlebt hat und zu einem stattlichen Unternehmen herangewachsen ist. Erstaunlich ist auch die Professionalität und Weitsichtigkeit, mit dem die Arbeiter ihre kleine Versicherung führten.

So gab es – je nach Geldbeutel – drei verschiedene "Klassen", die an das heute übliche Tarifsystem erinnern und zu unterschiedlich hohen Leistungsansprüchen führten. Versicherte der Klasse eins mussten sich im Krankheitsfall mit einem Gulden pro Woche begnügen, während Versicherte der Klasse drei bis zu vier Gulden pro Woche ausgezahlt bekamen.

Darüber hinaus existierten bereits klare Aufnahmekriterien. Arbeiter, die über 50 Jahre alt waren, hatten keine Chance mehr auf eine Mitgliedschaft. Ausgeschlossen waren außerdem "Personen, die ein chronisches oder anderes Übel an sich haben" und "Personen, die dem Trunke, der Rauferei oder Ausschweifungen ergeben sind". "Im Grunde gilt das, was die Aufnahmebedingungen anbelangt, heute noch", erkennt Baulig die Pionierleistung an. Manches hat sich aber dann doch geändert.

Georg Heine und sein Vorstandskollegen ließen es sich nicht nehmen, jeden Arbeiter zu Hause zu besuchen, um sich persönlich von dessen Arbeitsunfähigkeit zu überzeugen. Angesichts der heute knapp 500 000 Versicherten der Universa-Gruppe dürfte Baulig froh sein, dass sich diese Tradition nicht bis ins 21. Jahrhundert fortgesetzt hat. Auch bietet das Unternehmen längst praktisch alle gängigen Versicherungen an. Fast 700 Mio. Euro an Beiträgen nimmt die Universa Versicherung heute jährlich ein. Ein Volumen, das den Gründungsvätern sicher unvorstellbar erschienen wäre – obwohl das Nürnberger Unternehmern mit seinen rund 850 Mitarbeitern nach heutigen Maßstäben eher zu den Kleinen der Branche gehört.

Eine Branche, die sich im Umbruch befindet. Die Digitalisierung macht auch vor den Versicherern nicht Halt. Baulig ist es aber wichtig "alle Kunden mitzunehmen, nicht nur die Generation Y". Kundennähe liegt Baulig am Herzen. "Bei uns gibt es keine Warteschleife an deren Ende die Versicherten von irgendwelchen Leuten mit Halbwissen abgespeist werden."

Womöglich ist das einer der Gründe dafür, dass sich die Universa bis heute ihre Eigenständigkeit bewahrt hat. "Auch unsere Rechtsform kommt uns da natürlich entgegen", spricht der Unternehmenschef einen weiteren Faktor an. Im Gegensatz zu vielen anderen Versicherern ist die Universa keine Aktiengesellschaft, sondern ein sogenannter Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Das bedeutet: Versicherte sind nicht nur Kunden, sondern auch Mitglieder des Unternehmens und können über dessen Politik mitbestimmen.

Wohl nicht ganz ohne Erfolg – Kunden der Universa dürften mit ihrer Krankenversicherung weitgehend zufrieden sein. Das jedenfalls legt eine Analyse der unabhängigen Ratingagentur Morgen und Morgen nahe. Die Tarife der Universa Krankenversicherung verortet die Untersuchung im soliden Mittelfeld. "Wäre die Eigenkapitalquote stärker berücksichtigt worden, wäre unser Ergebnis noch deutlich besser", ist der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Noch besser werden: Das ist sicher auch ein Ziel für die nächsten 175 Jahre.

DOMINIK MAYER

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