Freitag, 03.04.2020

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Intelligente Autos fahren um den Sieg

Weltweiter Wettbewerb erstmals in Erlangen - 29.04.2014 21:32 Uhr

Ein Elektroflitzer beim Freescale Cup in Erlangen. © NZ


Uschi wird unterschätzt - und das ist ihr Vorteil. Sie ist kleiner als alle anderen, hat weder blinkende Lichter, einen Kranarm noch Fähnchen am Heck. Doch sie ist schnell, schneller als alle anderen.

„Beim Vorentscheid hat uns keiner ernst genommen, niemand hat sich unser Auto genauer angesehen, bis es zum ersten Mal auf der Strecke stand“, sagt Markus Zoppelt. Der 21-Jährige ist einer von vier Informatik-Studenten der TH Nürnberg, die ihr Auto nach nächtelangem Basteln Uschi getauft haben. Die unterschätzte Uschi brauchte nur 15,7 Sekunden für eine Runde im Parcours und ließ damit die Konkurrenz hinter sich. Sie qualifizierte sich Mitte März in München für das europäisch-afrikanische Freescale Finale heute in Erlangen.

Prag, Paris und Tennenlohe

"Freescale Semiconductor“ ist ein Halbleiter-Hersteller aus dem amerikanischen Texas mit Sitz in München. Seit elf Jahren lädt das Unternehmen Studenten aus der ganzen Welt zu einem Autorennen ein. Es verschickt identische Baukästen an alle Mannschaften, mit einem Fahrgestell, Kamera, zwei Motoren und einem Steuerungsgerät. Die Teams haben dann ein halbes Jahr Zeit, daraus ein Elektroauto zu bauen und zu programmieren. Insgesamt 32 000 Teilnehmer gingen dieses Jahr an den Start, darunter 23 Teams aus Deutschland. Drei von ihnen sind noch übrig geblieben: Sie kommen aus Nürnberg, Landshut und Deggendorf. Erst seit drei Jahren gibt es ein gemeinsames Rennen für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Zuerst fand es in Prag statt, dann in Paris und nun in Erlangen-Tennenlohe. 25 Mannschaften aus elf Ländern haben sich dafür qualifiziert. Wer heute hier gewinnt, darf im August zum weltweiten Finale nach Seoul in Südkorea reisen.

Die Informatik-Studenten Stefan Müller, Carsten Ebert, Markus Zoppelt und Marc Rudolf (v.l.) haben Uschi gebaut. © NZ


Bei der gestrigen Generalprobe zickt Uschi ein bisschen. Sie erkennt die Steigung der Strecke nicht, bremst nicht und fliegt in der nächsten Kurve aus der Bahn. „Durch den Hügel schaut die Kamera kurz in die Luft und das Auto fährt geradeaus“, erklärt Carsten Ebert. Die Studenten können in diesem Moment nichts tun, denn eine Fernsteuerung gibt es nicht. Das Auto muss seinen Weg selbst finden, indem es die schwarze Linie auf der weißen Strecke erkennt. Die Kamera misst dafür 28 Lichtpunkte nebeneinander, das Steuerboard wertet sie aus und lenkt die Reifen in die entsprechende Richtung.

Immer wieder schließen die Informatiker Uschi an den Laptop an und verändern das Programm. Die Bauteile, aus denen die Strecke zusammengesetzt ist, kannten sie vorher. Aber sowohl beim Training als auch beim Finale setzt die Rennleitung sie neu zusammen. Der Parcours wird heute durchs ganze Foyer des Fraunhofer Instituts führen. Viele Mitarbeiter bleiben schon beim Training stehen und sehen zu. Das Rennen wird außerdem live ins Internet übertragen.

Als Uschi ein paar Mal von der Strecke rauscht und gegen die Bande kracht, wackelt das Gestänge der Kamera. Ein Notfall. Doch zum Glück kann die Fraunhofer-Werkstatt mit Klebstoff helfen. „In den meisten Teams sind vor allem Elektrotechniker“, sagt Zoppelt. „Die kennen sich mit der Hardware besser aus als wir.“ Die Informatiker hatten die Stange nur mit Papier in ihrer Halterung befestigt. Dafür haben sie einen Vorteil beim Programmieren. Der Freescale Cup beschäftigt die Studenten das ganze sechste Semester lang. Professor Ramin Tavakoli Kolagari leitet das Projekt, das am Ende auch in die Note einfließt – egal wer gewinnt. Wenn Uschi heute von der Strecke abkommt, wird sie disqualifiziert. Jedes Team hat drei Versuche.

Ob es Uschi gelingt, den Freescale Cup zu gewinnen, lesen Sie heute im NZ-Campus-Blog.

Christina Merkel

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