Jojo-Effekt bei Hersbrucks Schuldenstand

13.2.2014, 20:22 Uhr
In einer Marathonsitzung haben die Stadträte des Hersbrucker Hauptverwaltungsausschusses den 2014er-Etat durchdiskutiert.

In einer Marathonsitzung haben die Stadträte des Hersbrucker Hauptverwaltungsausschusses den 2014er-Etat durchdiskutiert. © J. Ruppert

Als ersten Schritt zur Verabschiedung des 2014er Etats besprachen die Mitglieder des für die Finanzen zuständigen Ausschusses im Stadtrat den Entwurf des Kämmerers. Bürgermeister Robert Ilg und die Fraktionsspitzen hatten in einer Klausurtagung am Michelsberg schon wichtige Eckpunkte abgeklärt.

Die Einnahmen und Ausgaben belaufen sich heuer auf fast 30 Millionen Euro, rund zwei Millionen mehr als der letztjährige Ansatz.

Die von Hubert Seidler als „alternativlos“ bezeichneten Investitionen umfassen vor allem die Umgestaltung des alten Sportzentrums in ein Kinderkompetenzzentrum und den Bau des Kindergartens Raiffeisenstraße, dazu noch den Abschluss der Eisenhüttlein-Sanierung, Hochwasserrückhaltung im Essiggraben, Maßnahmen an der Fassade der Scheune im Hirtenmuseum und endgültiges Teeren der Straßen im Krötenseegebiet.

Eine Art Jojo-Effekt ergibt sich bei den Schulden. Diese sanken 2013 deutlich auf etwas über 18,3 Millionen Euro. Grund zum Jubeln besteht aber nicht, weil durch den späten Baubeginn des Kinderkompetenzzentrums die 2013er-Kredite dafür erst heuer zum Tragen kommen. Hubert Seidler muss darüber hinaus 2,38 Millionen Euro an neuen Darlehen aufnehmen.

Abzüglich der Tilgung für alte Kredite in Höhe von 1,4 Millionen Euro steht Hersbruck Ende des Jahres wohl mit 21,3 Millionen Euro in der Kreide. Ohne Umschweife warnte der Kämmerer vor neuen Projekten wie einer Trinkhalle an der Therme, der Unterführung „An der Haid“ oder die Errichtung einer Kletterhalle: „Ohne weitere Kredite sind diese nicht zu stemmen.“

Bei den Einzelpunkten hakte zum Beispiel FRB-Sprecher Jürgen Amann nach, warum sich die Ausgaben für die Weihnachtsbeleuchtung verändert haben. Dritter Bürgermeister Peter Matzner erkundigte sich nach den Kosten für die Folgeanpflanzungen auf dem Altensittenbacher Kreisel. Adolf Loos wollte mehr über die Förderbescheide für die neuen Bauten wissen. Dr. Ulrike Eyrich und Angelika Pflaum interessierten sich für die Gelder der Innenstadtsanierung.

CSU-Fraktionsvorsitzender Peter Uschalt beantragte, die Kosten eines öffentlichen Beachvolleyballfelds (15.000 Euro) neben dem Plärrer in den Etatentwurf aufzunehmen. Die Idee stammt vom Stadtjugendrat. „Wenn wir das Gremium schon ins Leben rufen, sollten wir das Projekt auch unterstützen“, sagte Peter Uschalt. Alle waren dafür.

Wenig Beifall für die Grünen

Weniger Beifall fand ein Vorstoß der Grünen, eine Rampe für Behinderte vom Hof des Hirtenmuseums in den Garten zu bauen. Bei 60 Zentimeter Höhendifferenz müsste das Bauwerk gemäß den Vorschriften an die 13 Meter lang sein, sagte Stadtbaumeister Lothar Grimm. Über eine Anforderung des Kindergartens Altensittenbach musste nicht entschieden werden: Stadtrat Götz Reichel von Chairgo stiftet die zwei Erzieherstühle.

Lothar Grimm setzte sich erneut für eine Klimaanlage für das dritte Obergeschoss des Rathauses ein. An heißen Sommertagen verwandeln sich die dortigen Räume der Bauverwaltung in einen Backofen. Noch vor einem Jahr waren 33.000 Euro dafür abgelehnt worden, „zu viel Geld“, hatte zum Beispiel Angelika Pflaum damals gesagt. Die jetzigen 38.000 Euro wurden dagegen von allen bewilligt.

Robert Ilg und Adolf Loos zogen ein Gesamtfazit zum Stand der Dinge. Beide beurteilten die Hersbrucker Finanzen sehr unterschiedlich. „Wir sind bei der Konsolidierung des Haushalts noch nicht über den Berg, aber die Lage stabilisierte sich“, zeigte sich der Rathauschef vorsichtig optimistisch. „Überaus kritisch und mit heißer Nadel gestrickt, zum Jahresende wird die Problematik durch den erneuten Schuldenanstieg noch verschärft“, lautete hingegen die Einschätzung des SPD-Stadtrates zum aktuellen Etat.

Am Ende stimmten dann aber doch alle zehn Mitglieder des Hauptverwaltungsausschusses einhellig für den in der Sitzung minimal veränderten Entwurf des Kämmerers. Das entscheidende Wort hat der Gesamtstadtrat, der Ende Februar wieder zusammentritt. Dann werden auch die Fraktionsvorsitzenden ihre Bewertungen abgeben.

Mehr zu den Zahlen des Haushalts gibt es in der Printausgabe der Hersbrucker Zeitung.

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