Donnerstag, 14.11.2019

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Kabarett in Moosbach: Wilhelm Busch auf Fränkisch

Günter Stössel gab bekannte Geschichten des Dichters in Mundart zum Besten - 30.09.2015 08:51 Uhr

Aff Fränggisch gsachd gehen die Geschichten von Wilhelm Busch noch mehr zu Herzen – „Übersetzer“ Günter Stössel las zusammen mit Sprecherin Anja Seidel in der Bürgerhalle Moosbach aus seinen beiden Büchern. © Krätzer


Dialekt und Mundart sind wieder in – im Zeitalter der „global player“ besinnt sich mancher auf die heimischen Wurzeln. Einer, der nicht erst jetzt eine Lanze für seinen geliebten fränkischen Dialekt bricht, ist der Nürnberger Liedermacher, Mundartdichter und Kabarettist Günter Stössel. In der Bürgerhalle stellte er zusammen mit Anja Seidel auf Einladung von Veranstalter KulturSPD seine fränkische Übersetzung der bekannten Geschichten des Dichters und satirischen Zeichners Wilhelm Busch vor. Es sei ein Zurück zu seinen tiefsten Wurzeln, zum „untersten Sprachsediment“, dahin, wo er herkomme, sagte Stössel zu der Gassensprache seiner Jugendjahre, mit der er aufgewachsen sei.

So gestaltet er seine Version von Buschs Werken auch nicht als eine möglichst wortwörtliche Übersetzung, sondern lässt dem bodenständigen, gelegentlich kräftig derben Fränkisch seinen eigenen Charme. Besonders deutlich wird das spürbar, wenn man, wie in Moosbach, das klassische Original und die Dialektversion parallel hört. Amüsante Plaudereien über Nürnberg, dazu einige „Liedla“ wie „Der allerschönste Dialekt“ und „Aff Nämberch nei“ rundeten diesen Geschichten-Literatur-Heimatabend ab.

Lebendige Figuren Wilhelm Buschs Umgang mit Sprache, seine Reime, Beobachtungen und Menschenbeschreibungen sind so typisch und anschaulich, gewinnen aber noch mehr durch die Art, wie sie Anja Seidel – Moderatorin, Sprecherin, Kabarettistin und Schauspielerin – liest. Bei ihr werden die Figuren lebendig, sieht man sie mit all ihren Eigenarten vor sich. Neben ihr auf der Bühne sitzend liest Stössel seine Version „aff Fränggisch“.

Auf seine erste Übersetzung „Wilhelm Busch aff Fränggisch“ mit unter anderem „Max und Moritz“, folgte inzwischen der zweite Band mit Maler Klecksel und Balduin Bählamm. Letzerer und seine Abenteuer als verhinderter Dichter standen im ersten Teil des Abends im Mittelpunkt – im Dialekt gelesen sind sie einem noch näher. Herzlicher, direkter, einfach wärmer wirken sie. Man meint, solches oder ähnliches selbst schon erlebt zu haben: die Kuh (bei Stössel der Ochs), die plötzlich den Kopf zum Fenster hereinstreckt, der Lausbub („Fregger“), der Bählamm „Schdreiche“ spielt und die Ohrfeige („Schelln“), die dieser sich bei Rieke Mistelfink einfängt.

Geschichten spielen auch in Franken

Herrlich Stössels Idee, die Handlungsorte in die Nähe zu verlegen. Aus dem Park wird bei ihm kurzerhand der (Nürnberger?) Stadtpark, der Teich zum Karpfenweiher und die Wiese, auf der sich Bählamm „bridschabraad“ ausstreckt, liegt im Pegnitztal. Schmunzelnd folgt man diesen Geschichten, amüsiert sich köstlich über die eleganten Umdeutungen Stössels, lacht über besonders frei-forsche Wendungen. Auch später über die „Schdreich“ von Max und Moritz, bei denen die beiden „fressen, saufen und di Leid verarschen“. Wie den Lehrer Lämbl (Lempel), dem sie „China-Böller-Bulver“ ins „Bfeifflä“ füllen oder den Steg beim Schneider Böck mit einer „Sollbruchschdelln“ versehen. Viel Beifall gab’s für den „Schabbernagg, der eddz vurbei is“ und für die Musik, für die lustigen und auch nachdenklichen Töne, mit denen Stössel zuletzt seines Freundes Maximilian Kerner gedachte – „Er war a Glubberer“. Dorothée Krätzer

Dorothée Krätzer

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