Sanierung ist notwendig

Klosterkirche Münchaurach: Weil der Turm sich verdreht

Matthias Kronau
Matthias Kronau

Redaktion Herzogenaurach

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29.10.2021, 14:25 Uhr
Weithin sichtbar: Der Turm der Klosterkirche ist eingerüstet.

Weithin sichtbar: Der Turm der Klosterkirche ist eingerüstet. © Matthias Kronau, NN

Die große Innensanierung sowie die Kirchendacheindeckung liegen zwar schon über acht Jahre zurück, doch viele erinnern sich noch an die jahrelangen Bauarbeiten - innen wie außen. Jetzt ist der Kirchturm dran, besser gesagt, der oberste Teil, der Turmhelm.

Mörtel und Ziegelreste

Schon seit geraumer Zeit blickt man mit einiger Sorge nach oben. "Immer mal wieder kamen Mörtel und Ziegelreste runter", erklärt Linda Schäfer, Projektleiterin beim Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg. Keine wirklich großen Teile, doch klar war: "Da oben ist Bewegung drin." Die herabfallenden Teile stammten von den Graten, also den Kanten der Kirchturmeindeckung. Schon vor etwa fünf Jahren wurde notdürftig repariert, ohne anhaltenden Erfolg.

Den Plan des Turmhelms begutachten (v.l.) Linda Schäfer und Swantje Schröder vom Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg, Kirchenvorstand Elfriede Hager und Pfarrer Peter Söder. 

Den Plan des Turmhelms begutachten (v.l.) Linda Schäfer und Swantje Schröder vom Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg, Kirchenvorstand Elfriede Hager und Pfarrer Peter Söder.  © Matthias Kronau, NN

Ein unmittelbarer Nachbar meldete sich vor etwa zwei Jahren, erzählt Pfarrer Peter Söder. In seinen Garten seien ebenfalls Teile vom Turm gefallen. Aus Sicherheitsgründen ist die unmittelbare Umgebung des Turms abgesperrt. "Es kam nicht dauernd etwas geflogen, aber immerhin", so Pfarrer Söder.

Leicht verdreht

Der Grund für das Herabfallen ist bekannt. "Wir haben seit langem beobachtet, dass sich der Turmhelm im oberen Teil leicht verdreht." Erkennbar war das sogar von unten, allerdings nur für Experten wie Linda Schäfer: Bei dem insgesamt 55 Meter hohen Turm geht es da nur um einige Zentimeter, aber die können reichen, dass Verzapfungen zwischen den Dachhölzern auseinandergezogen werden.

"Wann müssen wir eingreifen?"

Die Holzsubstanz in dem engen Turm wurde von innen überprüft. "Die Frage war, wann wir eingreifen müssen. Wo ist der Punkt, wo es noch geht, und wann riskiert man Schäden, deren Behebung dann noch teurer wird?", erklärt Bauingenieurin Linda Schäfer. Im Grunde sei es ganz normal, dass ein alter Turm wie der der Klosterkirche einmal repariert werden müsse. "800 Jahre sind eine lange Zeit", verweist sie auf die Epoche des Kirchturmbaus, das Spätmittelalter. Hinzu kommen noch einige nicht immer ganz fachgerechte Reparaturen in späteren Jahren, die ihren Teil zum Sanierungsfall beitrugen.

Nur minimalinvasive Eingriffe

Nachdem das Gerüst aufgestellt und die Kirchturmeindeckung abgenommen war, zeigte auch der Blick von außen aufs Gebälk, dass eine Sanierung wichtig ist. Durch Feuchtigkeit angegriffenes Holz sowie verdrehte oder auseinandergezogenen Verzapfungen können jetzt besser erkannt und repariert werden. "Wir müssen die Bewegung stoppen und die Steifigkeit wieder herstellen", lautet das oberste Gebot der Sanierungsmaßnahme.

Gelingen kann das durch Austausch ganz maroder Holzteile oder den Einbau von Verstärkungshölzern. Grundsätzlich sollen, so auch das Credo des Amtes für Denkmalpflege, nur minimalinvasive Eingriffe in die historische Substanz unternommen werden. Auf Metallverbindungen wird im Turm der Klosterkirche verzichtet, die Anwendung traditioneller Holzbaukunst kann es genauso richten. Die Zusammenarbeit des Bauamtes mit der Denkmalpflege sei sehr eng, betont auch Swantje Schröder, Abteilungsleiterin im Bereich Hochbau beim Staatlichen Bauamt.

Kosten von 500.000 Euro

Läuft alles nach Plan, soll die Turmsanierung mitsamt neuer Eindeckung mit Biberschwanz-Ziegeln bis zum Frühjahr 2022 abgeschlossen sein. Um Statik und Bauleitung kümmert sich das Ingenieurbüro Wolfrum aus Nürnberg, die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten hat die Firma Karch aus Dietfurt übernommen. Es wird mit Kosten von insgesamt 500.000 Euro kalkuliert, von denen das Staatliche Bauamt - der Staat hat im Falle der Klosterkirche die Kirchenbaulast - 95 Prozent übernimmt. Den Rest muss die Kirchengemeinde zahlen. "Es fehlen uns noch rund 4500 Euro", sagt Pfarrer Peter Söder.

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