Größtes Straßenbauprojekt Nürnbergs

Kommentar gegen Ausbau: Der Frankenschnellweg ist aus der Zeit gefallen

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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25.11.2021, 14:13 Uhr
Schöne Pläne, die sich durch die Verkehrswende wohl erledigt haben dürften.

Schöne Pläne, die sich durch die Verkehrswende wohl erledigt haben dürften. © langhuggerramp, NNZ

Vor 30 Jahren war ich ein vehementer Befürworter des Frankenschnellwegs. Damals trug er seinen Beinamen "Frankenstauweg" vollkommen zurecht, auch heute noch wälzt sich viel zu viel Verkehr über die Rampen. Dennoch bin heute ein Gegner dieses Straßenbauprojekts. Warum?

Weil es mindestens ein Jahrzehnt dauern dürfte, ehe die Baumaßnahmen (da staut es sich dann so richtig in und um Nürnberg) abgeschlossenen sind. Und weil es heute noch gar nicht absehbar ist, wann mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zunächst müssen Gerichte entscheiden, anschließend könnte es noch ein Bürgerbegehren geben. Mit dem Abschluss des kreuzungsfreien Ausbau ist also kaum vor dem Jahr 2035 zu rechnen.

Treten wir also eine kurze Reise in die Zukunft an: Ab 2025 will die Ampel-Koalition die Förderung für E-Autos einstellen - bis dahin soll der Kauf eines solchen Fahrzeugs selbstverständlich sein, so die dahinter stehende Logik. 2035 dürften also kaum mehr Verbrenner auf dem Frankenschnellweg unterwegs sein, 2040 wohl ausschließlich elektro- oder wasserstoffangetriebene Pkw und Lkw.

Der äußert berechtigte Hauptnutzen eines kreuzungsfreien Ausbaus wäre also schon bei der Freigabe der knapp 700 Millionen Euro teuren Strecke weggefallen. Denn vor allem wegen der Abgas- und Lärmemissionen sollte der Verkehr dereinst kreuzungsfrei und teilweise untertunnelt fließen.

Wozu aber eine Frankenröhre, wenn ohnehin keine stinkenden und lärmenden Fahrzeuge unterwegs sind? Zumal die politisch gewollte Veränderung der Mobilität, die rot-grün-gelbe Regierung hat sich im Koalitionsvertrag eindeutig für eine Verkehrswende mit Vorfahrt für die Schiene ausgesprochen, für eine signifikante Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs sorgen dürfte.

Muss eine Straße, die weniger und noch dazu von "grünen" Fahrzeugen befahren wird, so kostspielig umgebaut werden? Aus meiner Sicht nein. Als letztes Argument führen Kommunalpolitiker die hohe Förderquote ins Feld. Eine Begründung, die aufhorchen lässt: Denn auch Fördergelder sind Steuermittel, mit denen möglichst sorgsam umgegangen werden soll.

Als einziges wirklich stichhaltiges Argument bleiben für mich die geplanten Grünflächen im Westen der Stadt übrig. Diese wären tatsächlich nötig - allerdings geht das auch günstiger. Der Frankenschnellweg, so lautet mein Fazit, ist aus der Zeit gefallen. Und für Dinosaurier-Projekte sollte kein Geld ausgegeben werden. Angesichts weitgehend leerer öffentlicher Kassen gilt das umso mehr.

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