Alter Nazibau

Kultur in der Kongresshalle: Jetzt sind die Bürgerinnen und Bürger gefragt!

Stefan Gnad

"Leben"

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11.11.2021, 10:35 Uhr
Ein Klotz aus Stein mitten in der Stadt: Die nie vollendete Kongresshalle der Nazis am Dutzendteich.

Ein Klotz aus Stein mitten in der Stadt: Die nie vollendete Kongresshalle der Nazis am Dutzendteich. © imago images/imagebroker

Zur Erinnerung: Die dauerhafte Nutzung (von Teilen) der Kongresshalle für künstlerische und kulturelle Zwecke war eines der großen Strukturprojekte bei der (gescheiterten) Bewerbung Nürnbergs zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025.

Da es damals jedoch hieß, dass diese Ideen auch im Falle eines Nicht-Erfolgs weiter verfolgt werden, lässt die Stadt nun Taten folgen - und hat eine Veranstaltungsreihe rund um die angepeilte kulturelle Nutzung des von den Nazis nie fertiggestellten Steinklotz' am Dutzendteich zusammengestellt.

In dem alten Nazibau könnten 80 000 Quadratmeter für die Kulturszene der Stadt bereit gestellt werden. Darüber will die Stadt nun mit den Bürgerinnen und Bürgern reden.

In dem alten Nazibau könnten 80 000 Quadratmeter für die Kulturszene der Stadt bereit gestellt werden. Darüber will die Stadt nun mit den Bürgerinnen und Bürgern reden. © Christian Sperber

Immerhin geht es dort um rund 80.000 Quadratmeter leerstehende Flächen. Ob und wenn ja, wie diese zu nutzen sind, dazu sollen nun die Ideen, Wünsche und Visionen von Architekten, aber auch von Künstlern eingeholt und zusammengetragen werden. Und auch die Nürnberger Bürgerinnen und Bürger haben die Gelegenheit, sich vor Ort zu informieren und ihre Meinung zu äußern.

Die Veranstaltungsreihe startet noch in dieser Woche und zieht sich bis in den Februar 2022 hinein. Da werden kostenlose Führungen durch den Kongresshallenbau angeboten, es wird Vorträge und Podiumsdiskussionen geben, Netzwerkformate, ein Expertenforum und eine Ausstellung. Von all dem erhofft sich die Stadt fruchtbare Diskussionen im Spannungsfeld von Architektur, Erinnerungskultur und Stadtentwicklung.

1949 fand die

1949 fand die "Deutsche Bauausstellung" in der Kongresshalle statt. Zu diesem Anlass wurde damals im 2. Obergeschoss ein Terrassen-Cafè eingerichtet. © Gertrud Gerardi

Los geht es bereits an diesem Samstag, 13. November 2021: Unter der Überschrift "Try out Kongresshalle" werden von 10 bis 14 Uhr kostenlose geführte Rundgänge durch sonst nicht zugängliche Bereiche des Rundbaus angeboten, der im Augenblick mehr noch als sonst vor allem eine riesige Baustelle ist. Weitere Führungen durch die Kongresshalle gibt es am Samstag, 20. November 2021, von 10 bis 16 Uhr, dann unter dem Motto "Open up Kongresshalle". Die Rundgänge sind nicht barrierefrei, festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Teilnehmerzahl je Rundgang ist begrenzt, es gilt die 2G-Regel.

Am Dienstag, 30. November 2021, haben interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, in einem "World Café" mit Fachleuten über die Zukunft der Kongresshalle zu diskutieren. Diese Veranstaltung soll den Auftakt für einen intensiven Bürgerdialog markieren, der 2022 weiter vertieft wird. Das "World Café" findet von 17 bis 21 Uhr in der Meistersingerhalle, Münchener Straße 21 (Konferenzraum 6), statt.

Ebenfalls in der Meistersingerhalle wird es am Freitag, 3. Dezember 2021, ein Podiumsgespräch geben. Thema: "Erinnerungskultur(en). Neue Wege in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus". NN-Chefredakteur Michael Husarek diskutiert mit Charlotte Bühl-Gramer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Axel Drecoll (Direktor Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten), Meron Mendel (Direktor der Bildungsstätte Anne Frank) und Claus Leggewie (Justus-Liebig-Universität Gießen). Beginn ist um 18 Uhr.

Von 24. Januar bis 20. Februar 2022 ist die Ausstellung „Architektur-Visionen“ geplant. Im Offenen Büro in der Lorenzer Straße 30 werden vier Wochen lang Entwürfe von jungen Künstlern und Architekten zum architektonischen Umgang mit der Kongresshalle gezeigt, von denen manche tatsächlich nur Visionen sein und bleiben möchten ...

Und dann gibt es aktuell noch die Idee, dass das Opernhaus während der anstehenden Sanierungsphase übergangsweise in den Innenhof der Kongresshalle zieht ...

Und dann gibt es aktuell noch die Idee, dass das Opernhaus während der anstehenden Sanierungsphase übergangsweise in den Innenhof der Kongresshalle zieht ... © Norbert Probst / imago images/imagebroker

Da die Nazis gerne groß gedacht und gebaut haben, ist im Inneren der Kongresshalle viel Platz ...

Da die Nazis gerne groß gedacht und gebaut haben, ist im Inneren der Kongresshalle viel Platz ... © Christian Sperber

Nichtöffentlich ist die Fachwerkstatt „Potentiale für die Stadtentwicklung“, die die Nutzung der Kongresshalle unter anderem mit Blick auf den neuen, in direkter Nachbarschaft entstehenden Nürnberger Stadtteil Lichtenreuth sowie die dortige Technische Universität denkt und beleuchtet.

Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner nutzte die Pressekonferenz für die Informations- und Diskurs-Reihe, um der jüngst wieder aufgeflammten Diskussion über die Errichtung einer dauerhaften Konzerthalle in der Kongresshalle eine klare Absage zu erteilen.

Hintergrund: Das Nürnberger Opernhaus steht vor einer dringend nötigen, nicht mehr länger aufschiebbaren Sanierung - und muss für eine lange Zeit einen Ausweichspielort in der Stadt suchen.

Aktuelle Pläne sehen diesen unter anderen in der Kongresshalle, weshalb die Idee aufkam, dort doch gleich einen richtigen Konzertsaal zu errichten, der erst von der Oper zwischengenutzt und hinterher von-wem-auch-immer weiter betrieben wird - vielleicht sogar nach den Plänen für den im Luitpoldhain geplanten Konzertsaal, die letzten November aus Kostengründen auf Eis gelegt wurden.

Was ein Oschi - und dabei ist das Ding noch nicht mal annährend so groß geworden, wie es die Nazis eigentlich geplant hatten. Blick von oben in die die unvollendete Kongresshalle der NSDAP, die genau einmal im Jahr zum Einsatz gekommen wäre ...

Was ein Oschi - und dabei ist das Ding noch nicht mal annährend so groß geworden, wie es die Nazis eigentlich geplant hatten. Blick von oben in die die unvollendete Kongresshalle der NSDAP, die genau einmal im Jahr zum Einsatz gekommen wäre ... © imago images

"Operninterim in der Kongresshalle ja oder nein - das muss nun zügig entschieden werden. So lange man keine Entscheidung getroffen hat, kriegt man keine Klarheit", sagte Lehner.

Die Idee, eine dauerhafte Konzerthalle in der Kongresshalle zu errichten, hält sie für eine Sackgasse. "Interim ist Interim", so die Bürgermeisterin. "Wenn hier ein Musiktheater auf Zeit eingerichtet wird, dann wird das hinterher wieder abgebaut und verkauft oder anderswo aufgebaut."

Alle öffentlichen Veranstaltungen sind kostenfrei, jedoch nur gegen vorherige Anmeldung. Diese ist ab 15. November möglich - elektronisch über https://tickets.nuernberg.de. Für den ersten Termin am 13. November wird um Anmeldung per E-Mail an zep@stadt.nuernberg.de gebeten. Allgemeine Informationen zu den Veranstaltungen gibt es ebenfalls per E-Mail oder telefonisch unter 09 11 / 2 31-2 02 82 (Di-Fr 9-13 Uhr). Bei allen Veranstaltungen gilt die 2G-Regel.

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