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Auf Suche nach dem normalen Leben: "Nightlife"

Simon Verhoevens Komödie ist nicht gerade originell, aber unterhaltsam und ein etwas anarchistisch - 13.02.2020 14:35 Uhr

Mainstream-Kino mit einer guten Prise Anarchismus: Elyas M’Barek als Milo und Frederick Lau als Renzo in „Nightlife“. © Foto: Warner


"Familie, Kinder, Fahrradausflüge und so" – wünscht sich Milo (Elyas M’Barek), und Renzo (Frederick Lau) stimmt begeistert ein: "Ja, lass’ uns fucking seriös werden!" Die beiden Freunde arbeiten seit vielen Jahren als Barkeeper in der Berliner Club-Szene. Milo hat genug vom oberflächlichen Nachtleben. Um den Existenzschwerpunkt in den Tag zu verlegen, wollen die beiden ihren eigenen Laden aufmachen.

Aber der Kreditgeber stört sich an Renzos Vorstrafe, der einmal ein Auto von A nach B gefahren hat, in dem die Polizei eine Ladung Drogen entdeckte. Eben dies tut er nun wieder und nach dem Erwerb eines Schokoriegels im Späti ist der Wagen mit dem Koks verschwunden.

Die exilrussischen Auftraggeber sind darüber nicht amüsiert und stellen ein Ultimatum: Eine Nacht bleibt den beiden, um Kompensationsleistungen im Wert von 150 000 Euro aufzutreiben. Dabei hat Milo gerade mit der Musik-Managerin Sunny (Palina Rojinski) die Frau seines Leben kennengelernt, mit der er sich die Sache mit den Fahrradausflügen ganz gut vorstellen kann.

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Zugegeben: Der Grundplot von "Nightlife" strotzt nicht gerade vor Originalität. Aber Regisseur Simon Verhoeven ("Männerherzen", "Willkommen bei den Hartmanns") verbindet hier erneut die Ansprüche des Mainstream-Kinos nach Vertrautheit – populäre Besetzung, übersichtliche Handlungsstruktur – mit einer guten Portion Anarchismus, mit der die Erwartungen des Publikums gezielt unterwandert werden. Humor ist bei Verhoeven immer eine Frage der Details. Anders als die meisten deutschen Genre-Kollegen arbeitet er nicht mit Pointen, die stolz auf dem Silbertablett hereingereicht werden, sondern mit vielen kleinen Einfällen, die – scheinbar beiläufig eingestreut – oft erst einige Szenen später ihre komische Wirkung entfalten.

So wird der kriminelle Machismo hübsch durch den Umstand konterkariert, dass die russische Mafia zur Tarnung einen Hüpfburg-Verleih in Marzahn betreibt. An anderer Stelle wird der Rollenspielabend von Bankangestellten nach allen Regeln der Kunst unkontrolliert zur Explosion gebracht.

Vor allem aber erweist sich Verhoevens Komödiengespür in seinem liebevollen Blick auf die durch und durch fehlbaren Figuren. Der spießig überdrehte Bankbeauftragte etwa wird von Leon Ullrich zunächst als krasse Stereotype ausgespielt. Aber wenn Elyas M’Barek im entgleisten Beratungsgespräch den Kopf schief legt und in sich hinein lächelt, erkennt das Publikum mit ihm hinter der Karikatur einen durchaus liebenswerten Menschen.

Die Fähigkeit, über jemanden zu lachen, ohne ihn auszulachen, Klischees zu bedienen und sie gleichzeitig zu unterlaufen – das sind Tugenden, die im deutschen Lustspielwesen immer noch selten anzutreffen sind. Verhoeven ist diesbezüglich eine wohltuende Ausnahmeerscheinung. Hinter dem schrillen, höchst unterhaltsamen Komödienfeuerwerk, das er in "Nightlife" über der Berliner Nacht abbrennt, schlägt das große Herz eines humorvollen Humanisten. (D/111 Min.)

 

MARTIN SCHWICKERT

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