Montag, 09.12.2019

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Aufstand gegen die Reichen

Der Nürnberger Schriftsteller LUCAS FASSNACHT über seinen ersten Thriller. - 17.10.2019 14:37 Uhr

Lucas Fassnacht. © Foto: Katharina Erlenwein


Bislang hat er kleinere Prosa veröffentlicht, Poesie, die ihre Slam-Tauglichkeit längst bewiesen hat, witzige Alltagsbeobachtungen, dann einen Roman im Selbstverlag. Und jetzt: ein 680 Seiten dicker Thriller, der nächste Woche in einem renommierten Publikumsverlag erscheint. Lucas Fassnacht hat es geschafft.

Wenn man den Autor ein paar Tage vor der Buchpremiere trifft, ist der 31-jährige Nürnberger entspannt, es entkommt ihm höchstens ein fröhliches Grinsen, wenn man ihn auf diesen Sprung im Literaturbetrieb anspricht. "Das war ein verdammt langer Weg", erzählt er. Wie im Lehrbuch hat er zunächst mal einen Literaturagenten gesucht, auch etliche gefunden, aber ein Kontakt zu einem Verlag sprang nicht raus. "Meine jetzige Agentin hat gerade genau so etwas gesucht wie meine Thriller-Idee und hatte die richtigen Kontakte zu Blanvalet", erzählt Fassnacht. Jetzt hat er schon den zweiten Thriller in Arbeit, der Münchner Verlag wollte gleich Nachschub.

Viele Pointen

Lucas Fassnacht gehört zu den bekannten Namen in der Poetry-Slam-Szene, seit Schulzeiten schreibt er, Sprache war schon immer sein Ding. "Dass ich Thriller-Autor werde, war ursprünglich nie der Plan, aber es macht viel Spaß, unterhaltsam zu schreiben", sagt er. Seinen Kapiteln merkt man die langjährige Bühnen-Schule an, eine Pointe gibt es am Ende fast immer, "aber ich versuche, die offensichtlichen Cliffhanger zu vermeiden, die finde ich so leicht durchschaubar, und durch die vielen TV-Serien, die das alle so machen, hat man das schon etwas satt".

Warum also ein Thriller? "#Kill the Rich" erzählt in rasantem Tempo von einer Eskalation der Gewalt auf verschiedenen Erdteilen. Das Volk geht auf die Straßen, nachdem ein eher achtloser Online-Post über Nacht Millionen rund um den Globus antreibt, sich zu wehren.

Die grassierende soziale Ungleichheit, sowohl in der Ersten als auch in der Dritten Welt, beschäftigt Lucas Fassnacht schon lange. Dass die Unzufriedenheit vieler und der unfassbare Reichtum und die Machtansprüche einiger weniger irgendwann zu einem Ausbruch führen, ist für ihn realistisch – Beispiele aus Hongkong, Moskau, USA und südamerikanischen Ländern gibt es derzeit genug.

"Das hat mich alles schon lange beschäftigt, spätestens seit dem Arabischen Frühling." Zusammen mit den schnellen Kommunikationsmöglichkeiten, die weltweit in kurzer Zeit Menschen zusammenbringen können, gebe das eine brisante Mischung. "Seit ich 2016 angefangen habe zu schreiben, ist noch ganz viel in dieser Richtung passiert. Ich freue mich nicht, wenn ich die Nachrichten anschaue, aber offenbar lag ich mit meinem Szenario richtig."

Trump und Bolsonaro

Die Thriller-Form bot sich für Fassnacht also an. Sein dicker Wälzer ist hochaktuell, "ganz zum Schluss habe ich noch alle Kapitel geschrieben, die mit Bolsonaro zu tun haben". Trump hat er eine wunderbar dem echten Habitus nachempfundene Rede angedichtet, "da war er aber noch gar nicht Präsident. Ich wollte das wieder abschwächen, aber meine Redakteurin meinte, das sei noch harmlos im Vergleich zum echten Trump."

Viele Personen der Zeitgeschichte kommen in dem Polit-Thriller vor, gegen sie und mit ihnen kämpfen die Hauptfigur Conrada, Diplomatin der EU, und der abgehalfterte indische Journalist Bimal Kapoor.

Im nächstem Thriller wird es um die Facebook-Währung Libra gehen, mit der die Internet-Riesen demnächst den Zahlungsverkehr und vor allem unsere Daten kontrollieren wollen. Fassnacht recherchiert eifrig – und ist konsequent: Social Media versucht er privat zu vermeiden.

KATHARINA ERLENWEIN

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