Ausgezeichnetes Kino beim Filmfestival Türkei/Deutschland

23.3.2014, 18:47 Uhr
Ehrenpreisträgerin Fatma Girik (Mitte mit blauer Stola) freute sich ebenso herzlich über die Auszeichnung wie Regisseurin Deniz Akçay Katýksýz (rechts neben ihr), Schauspielerin Lale Baþar, Dokumentarfilmerin Mo Asumang (mit Rose) und Schauspieler Doron Amit (mit gelber Hose).

Ehrenpreisträgerin Fatma Girik (Mitte mit blauer Stola) freute sich ebenso herzlich über die Auszeichnung wie Regisseurin Deniz Akçay Katýksýz (rechts neben ihr), Schauspielerin Lale Baþar, Dokumentarfilmerin Mo Asumang (mit Rose) und Schauspieler Doron Amit (mit gelber Hose). © Ralf Rödel

Generationen von Kinogängern in der Türkei sind mit ihr aufgewachsen: Ehrenpreisträgerin Fatma Girik, in ihren unzähligen Filmen oft mit einer Waffe in der Hand und durchdringend blauen Augen, schritt in großer schwarzer Robe auf die Bühne der Nürnberger Tafelhalle. Große türkische Filmemacher wie Halil Ergün, der die Laudatio auf sie hielt, verbeugten sich vor ihr. Und die Schauspielerin wies ganz nebenbei darauf hin, dass 57 von den „100 Jahren türkisches Kino“, die derzeit gefeiert werden, mit ihrer Beteiligung stattfanden. Chapeau.

Hätte man von der zittrigen Stimme von Deniz Akçay Katýksýz Rückschlüsse gezogen, dann hätte es sich um die Oscar-Verleihung gehandelt: Die junge Regisseurin freute sich riesig über die Auszeichnung für den besten Spielfilm, die die Jury einstimmig und schnell getroffen hatte: Mit einfachen Mitteln zeige ihr Film „Entwurzelt“ Tragödien, die im urbanen Alltag verborgen sind. Hauptdarstellerin Lale Baþar erhielt außerdem den Preis als beste Schauspielerin — und war dankbar, dass die Regisseurin auch für ihren Sohn eine Rolle vorgesehen hatte. Bester Darsteller wurde der Israeli Doron Amit. Er spielte in dem deutschen Film „Hannas Reise“ über israelische Verhältnisse, der die Internationalität des Festivals unterstrich.



„Endlich hat sich die Jury mal nicht geirrt“, stellte Regisseur Arne Ahrens grinsend fest, als er den Kurzfilmpreis für seine humorvolle, kluge Sicht auf ein substanzielles Erlebnis im Leben kleiner türkischer Jungen — „Meine Beschneidung“ — entgegennahm.

Fast hatte man Angst, dass die Glastrophäe von Mo Asumang ein ähnlich zersplittertes Dasein fristen muss wie die, die man Schauspielerin Barbara Auer vor Jahren per Postpaket nachschickte: So zupackend freute sich die Regisseurin über den Öngeren-Preis für Demokratie. Ihr unter Gefahr entstandener Dokumentarfilm „Die Arier“ wurde ausgezeichnet. Auf der Bühne zeigte sie einen NS-Arierausweis, der die (falsche) Definition der Nazis festhält: Arier ist, wer deutschblütig ist. „Niemand hat das hinterfragt“, so Asumang. „Man sollte generell mehr hinterfragen. Tun Sie das mal!“

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