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Bayerns Künstlerhilfsprogramm: 3000 Anträge in 48 Stunden

Heftige Kritik aus der Kulturszene an den Förderbedingungen - 24.05.2020 14:13 Uhr

Keine Auftritte, kein Geld. Mit einem allerdings umstrittenen "Künstlerhilfsprogramm Plus" will der Freistaat den Kulturschaffenden helfen. © Colourbox


Der Antrag auf Soforthilfe des Freistaates kann seit Dienstag unter kuenstlerhilfe-corona.bayern im Netz gestellt werden. Nachfragen zur Antragsstellung seien bisher vor allem von Künstlerinnen und Künstlern gestellt worden, deren Antrag auf Grundsicherung oder eine Corona-Soforthilfe des Freistaats oder des Bundes abgelehnt wurde. "Der Antrag auf Künstlerhilfe kann trotzdem gestellt werden", betonte das zuständige Ministerium von Kunstminister Bernd Sibler (CSU)

Das Programm sieht vor, dass freischaffende Künstlerinnen und Künstler über drei Monate hinweg monatlich bis zu 1000 Euro erhalten können, wenn ihre Einnahmen zur Sicherstellung des Lebensunterhalts aufgrund der Corona-Pandemie nicht ausreichen. Antragsberechtigt sind Freischaffende mit Hauptwohnsitz in Bayern, die eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausüben.

Wachsende Kritik am Programm

Aus der Kulturszene kommt weiterhin heftige und wachsende Kritik an dem Programm. Zum einen seien die 30 Millionen Euro, die laut Ministerium für "bis zu 700 kleinere und mittlere Spielstätten im Bereich Theater, Kleinkunst, Musik und Kabarett bis Ende des Jahres" kalkuliert seien, zu wenig. Es müssten, so die prominent besetzte Kritikerriege, 40 Millionen Euro bereitgestellt werden. Sturm laufen die Künstlerinnen und Künstler sowie ihre Kollegen aus dem Produktionsbereich aber vor allem gegen die Tatsache, dass nur diejenigen Anträge beim neuen, sogenannten "Künstlerhilfeprogramm Plus" stellen können, die noch keine Mittel aus der "Soforthilfe Corona" erhalten haben.


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"Dieses Programm ist unlogisch und geht in seiner Ausrichtung an einem ganz großen Teil der professionell tätigen freischaffenden Künstler vorbei: wer nämlich einen – und sei er auch noch so geringen – Hilfsbeitrag zur Deckung der laufenden Betriebskosten erhalten hat, der darf diese Hilfe zum Lebensunterhalt nicht erhalten", kritisiert Willi Nemski, Sprecher der Selbstständigen in ver.di Mittelfranken.

Um ihrem Ärger Luft zu machen und die Defizite am Programm zu beleuchten, geben verschiedene Künstler (u.a. Mathias Richter von Schandmaul oder der Kabarettist Helmut Schleich) zusammen mit Bernd Schweinar, Geschäftsführer vom Verband für Popkultur in Bayern, am Dienstag eine Pressekonferenz. "Nach unserer einhelligen Auffassung geht dieses Programm am langfristigen Nothilfebedarf der freien Kulturszene weitestgehend vorbei", sagen sie.

dpa/nn

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