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Bayreuth feiert seinen Barock

Stadt will neben zweites Opern-Festival von internationalem Format etablieren - 06.02.2020 11:24 Uhr

Countertenor, Regisseur, Musikforscher und nun auch künstlerischer Leiter von „Bayreuth Baroque“: Der Kroate Max Emanuel Cencic. © Foto: Marco Borggreve (Universal)


Der 43-jährige Kroate ist nicht nur ein weltweit gefragter Countertenor, sondern auch Regisseur, Produzent, musikwissenschaftlich engagierter Programm-Macher und vor allem der künstlerische Leiter von "Bayreuth Baroque". Dessen erste Ausgabe soll vom 3. bis 13. September und damit unmittelbar nach den Wagner-Festspielen an den Start gehen.

Zielpublikum ist die bekannt reisefreudige Gemeinde der Barockopern-Liebhaber. Vor allem Franzosen und Italiener möchte Cencic nach Oberfranken locken. Entsprechend ist der französische Streamingdienst "Mezzo" wichtigster Medienpartner. Da das Markgräfliche Opernhaus aber nur über 515 Plätze verfügt, sollen alle Aufführungen live in die Bayreuther Kinos übertragen werden.

Stadt sichert die Finanzierung

Einen Großteil des 1,5 Millionen Euro-Etats übernimmt die Stadt Bayreuth, die Cencic und der gesamten Unternehmung eine dreijährige Anlaufphase garantiert. Weitere potente Geldgeber sind die Oberfranken-Stiftung und der Kulturfonds Bayern.

Schon das Programm des Premierenjahrgangs, das Cencic ziemlich schnell stricken musste, kann sich sehen lassen: US-Primadonna Joyce DiDonato wird ebenso eine Gala geben wie die amerikanische Mezzosopranisten Vivica Genaux. Die baskische Gambenlegende Jordi Savall kommt mit dem Ensemble "Hesperion XXI", aus Berlin reist Wolfgang Katschners "Lauttencompagney" an, aus Ravenna die "Accademia Bizantina" und ebenfalls aus Italien die Formation "Il pomo d‘oro". Gemeinsam ist ihnen: Sie gehören zu den Spitzenvertretern der Alte-Musik-Zunft.

"Im Grunde produzieren wir hier genauso wie zu Wilhelmines Zeiten, denn das Haus ist zunächst einmal ein Museum", schmunzelt Max Emanuel Cencic. "Es gibt keine Werkstätten, es gibt keine Probenräume und alle Künstler kommen von weit her, um dieses Juwel zu beleben."

Tatsächlich ist auch die Schlösserverwaltung als Hausherrin sehr aufgeschlossen dem neuen Festival gegenüber. In der unmittelbaren Produktionsphase von "Bayreuth Baroque" will man Proben-Führungen anbieten, sodass Besucher den Entstehungsprozess einer Oper ausschnittsweise miterleben können.

"Das Hauptaugenmerk gilt der opera seria", erklärt Cencic. "Mozart machen alle, wir nicht." Der Intendant sieht den Zeitraum von 1730 bis 1770 als Schwerpunkt. Wie schaut es da mit Gluck oder Haydn aus? "Haydn vielleicht, Gluck eher nicht, weil wir dem Nürnberger Gluck-Festival keine Konkurrenz machen wollen."

Als Hauptinszenierung gräbt man heuer ein Drama des Neapolitaners Nicolo Antonio Porpora (1686-1768) aus: "Carlo Il Calvo" (Karl der Kahle). "Dabei handelt es sich um einen Erbschleicher-Thriller, den ich in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts auf eine kubanische Finca versetzen werden", erläutert Cencic, diesmal in seiner Funktion als Regisseur. Mit dabei in diesem Werk, das zuletzt 1738 in Rom zu sehen war, ist auch der argentinische Countertenor Franco Fagioli. Als Orchester fungiert "Armonia Atenea" unter Leitung des griechischen Dirigenten George Petrou.

Bildungsauftrag der Kultur

"Wir wollen keineswegs nur Unterhaltung bieten. Kultur hat auch einen Bildungsauftrag und den nehmen wir sehr ernst", beteuert Cencic. "Bayreuth hatte eine atemberaubende Musikgeschichte. Die Werke der allerersten Garde von Hasse bis Händel wurden hier aufgeführt. Dem fühlen wir uns verpflichtet. Neben der Oper sind die Schloss- und die Stadtkirche weitere Aufführungsorte.

Kann sich Cencic auch vorstellen, das andere Opernhaus Wilhemines, das Erlanger Markgrafentheater, oder die Freiluft-Theater der Eremitage oder von Sanspareil zu bespielen? "An Ideen mangelt es uns nicht. Jetzt wollen wir erst einmal den Start erfolgreich hinbekommen und dann sehen wir weiter."

 

InfoDer Vorverkauf beginnt heute. Weitere Infos unter www.bayreuthbaroque.de

JENS VOSKAMP

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