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Bloß keine Experimente: Der Kölner-"Tatort" im Check

"Kaputt" läuft nach bewährtem Schema ab - 07.06.2019 21:17 Uhr

Ballauf und Schenk bekommen es in "Kaputt" mit einem totgeprügelten Polizisten zu tun. Bis zum Ende des Films sterben noch drei weitere Menschen. Kölns Kommissare müssen also wieder mal ganz viele W-Fragen stellen und ihre Verdächtigen schön weichkochen. © WDR/Thomas Kost


Um was geht's? Streifenpolizist Frank Schneider und seine Kollegin Melanie Sommer (Anna Brüggemann) fahren zu einem nächtlichen Einsatz. Sie sollen einer zu lauten Party in einem Wohnhaus den Stecker ziehen und für Ruhe sorgen. Was nach Routine klingt, entpuppt sich als Alptraum. Denn wenig später liegt Schneider tot am Boden. Seine Kollegin wird im Garten des Anwesens gefunden. Sie überlebt zwar, kann sich jedoch an nichts mehr erinnern.

Was passiert dann? Ballauf und Schenk reißen die Ermittlungen an sich und recherchieren wie üblich in sämtliche Richtungen. Dabei legen sie gekonnt die Stirn in Falten, ziehen unnachahmlich die Brauen hoch und haben im Handumdrehen gleich mehrere Verdächtige auf dem Zettel stehen. Kölns große Verhörspiele können beginnen.

Die Geschichte hinter der Geschichte: In "Kaputt" landen gleich mehrere aktuelle Themen auf dem Tisch. So geht es darin unter anderem um Selbstjustiz, Homosexualität bei der Polizei und die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz. Außerdem beleuchtet der Film von Christine Hartmann den harten Alltag von und Gewalt gegen Streifenpolizisten und haut damit in die gleiche Kerbe wie die kürzlich gesendete Berliner Episode "Der gute Weg".

Auftritt des Films: Freddys schöner Oldtimer legt auch in "Kaputt" die beste Performance von allen hin. Diesmal lenkt der Kommissar einen eleganten braunen Mercedes 350 SLC quer durch Köln. Besonders sportiv wirkt das Gefährt übrigens, wenn Ballauf ein mobiles Blaulicht auf dem Dach anbringt und die zwei Cops dann wie zwei ganz harte Kerle zum Einsatz brausen.

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"Kaputt": Kölner "Tatort" in Bildern

Ballauf und Schenk fahnden in "Kaputt" nach dem Mörder eines Polizisten. Bis zur Aufklärung des mit vielen aktuellen Themen gespickten Falls müssen aber noch drei weitere Menschen ihr Leben lassen. Außerdem spielt ein Handyvideo wieder mal eine gewichtige Rolle.


Beobachtung des Films: Der sonst so gelassen wirkende Jütte präsentiert sich in diesem Film von einer ungewohnt schroffen Seite. Ballaufs und Schenks Assistent feuert auf einmal ganz kernige Sprüche aus der Hüfte und überrascht damit nicht nur seine zwei Vorgesetzten.

Spruch des Films: "Körperverletzung, Drogenhandel, Cannabis, Crystal Meth, Koks, Pillen – das ganze Sortiment. Erst 19, aber ein Lebenslauf wie ein Bewerbungsschreiben für Ossendorf". Jüttes Kommentar, als er einen Blick auf das Vorstrafenregister eines Tatverdächtigen wirft.

Lektion des Films: Wer arbeitet, macht auch mal einen Fehler. Nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler.

Erkenntnis des Films: Nach dem Kick kommt der Kater.

Zitat des Films: "Es gibt viele Arten zu sterben. Man muss rausfinden, wie man leben kann."

Unser Fazit: Diesen "Tatort" kann man sich eigentlich sparen. Denn Christine Hartmanns wendungsreichem aber langatmigem Film fehlt es am gewissen Etwas. Einmal mehr wursteln sich Ballauf und Schenk durch einen schnell anödenden Ermittlungskrimi ohne Wow-Effekte. Darüber hinaus führen sie mit ihren Spielpartnern erschreckend platte Dialoge, wie man sie sonst nur aus dem Reality-TV kennt. Das ist eines "Tatorts" unwürdig und deshalb mangelhaft.

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Micha Klang Nordbayern.de E-Mail

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