Brückenschlag von AEG zur Quelle

6.9.2013, 09:43 Uhr
„Offen Auf AEG“ heißt es bereits zum vierten Mal am 14./15. September. Auch der sogenannte lange Dallmann, die ehemalige Waschmaschinen-Förderbrücke in 15 Metern Höhe, wird diesmal zum Ausstellungsort.

„Offen Auf AEG“ heißt es bereits zum vierten Mal am 14./15. September. Auch der sogenannte lange Dallmann, die ehemalige Waschmaschinen-Förderbrücke in 15 Metern Höhe, wird diesmal zum Ausstellungsort. © PR

Ausgebucht! Aus diesem Traum ist nun doch noch nichts geworden. „Macht aber nichts“, meint Bertram Schultze, Projektentwickler des AEG- Geländes. Vor einem Jahr noch hatte er die Hoffnung, 2013 die gesamte Fläche von rund 120000 Quadratmeter vermietet haben zu können. „Wir hatten stark gehofft, dass das Staatstheater mit seinen Werkstätten hier einzieht. Leider ist nichts daraus geworden“, meint Schultze. Und auch für die riesige Halle 18, die mit ihren fast 11000 Quadratmetern an die Fürther Straße grenzt, konnte trotz langer Verhandlungen mit einem Interessenten noch kein Vertrag unterzeichnet werden. Dennoch ist Schultze mit der Auslastung zufrieden: Aktuell werden 85000 Quadratmeter genutzt.

Zwar schenkt die „Rösttrommel“ neuerdings Kaffee-Spezialitäten aus, und das Café Pforte ist bereits eine Institution, dennoch fehlen aus Sicht Schultzes noch mehr solcher kleinen Anlaufstationen, die die Atmosphäre auf dem Gelände quirlig und lebendig machen.

Hauptmieter ist mit rund 16000 Quadratmetern nach wie vor Electrolux, gefolgt vom Freistaat Bayern, der für Hochschuleinrichtungen vor allem im Bereich der Energieforschung 12000 Quadratmeter angemietet hat. Kulturelle Nutzer belegen derzeit rund 6000 Quadratmeter. Mit der Eröffnung der Kulturwerkstatt, die gerade entsteht, wächst diese Fläche auf 10000 Quadratmeter. Kunst, Design und alle anderen Bereiche der Kreativwirtschaft sind ein wichtiger Bestandteil „Auf AEG“ und natürlich auch das Zugpferd für die Tage der offenen Tür, die im Vorjahr über 15000 Besucher anzogen.

Offene Ateliers

Zum vierten Mal heißt es am 14. /15. September „Offen Auf AEG“. Alle 97 auf dem Gelände ansässigen Künstler laden dann in ihre Ateliers, die Wissenschaftler in ihren Energie-Campus und die Akademie Galerie in ihre neuen Räume. Der studentische Ausstellungsraum ist von der Nürnberger Innenstadt in den Westen gezogen und zeigt Fotografie zur Eröffnung.

Fünf weitere große Sonderschauen sorgen für Kunst satt bei dem Aktionswochenende — und darüber hinaus. Denn sie bleiben bis zum 12. Oktober vor Ort. Auf sechs Etagen werden sich die Künstler, die „Auf AEG“ arbeiten, mit ihrer Werkschau ausbreiten — sie ist Jahr für Jahr das Herzstück der Veranstaltung. Wer hier etwas Interessantes sieht, kann sich gleich aufmachen in das Atelier, wo es entstanden ist und mit dem Maler, Bildhauer, Zeichner, Designer oder Fotografen ins Gespräch kommen.

Mit einem pfiffigen Finanzmodell für Künstler macht die (deutschlandweit erste) Ausstellung des internationalen Artist Pension Trust bekannt: Kuratoren suchen vielversprechende junge Künstler und lagern jeweils einige ihrer Werke ein — natürlich in der Hoffnung auf Wertsteigerung. Das Sammel-Lager wird für zehn Jahre geschlossen. Dann beginnt der Verkauf. Die Erlöse werden unter allen Künstlern verteilt. Das heißt auch diejenigen, die keine große Karriere machen, haben so ein Stück weit finanzielle Sicherheit.

„Diese Ausstellung bringt uns internationales Flair“, sagt Schultze. Nachbarschaftspflege betreibt er dagegen mit dem Projekt „Q 17/Q18“: Künstler, die sich im gegenüberliegenden ehemaligen Quelle-Versandhaus angesiedelt haben, stellen erstmals beim Nachbarn „Auf AEG“ aus. In der Quelle findet zeitgleich die Messe „Freshville“ statt — mit Arbeiten von 40 auch internationalen Designern.

„Es ist faszinierend, was sich da drüben angesiedelt hat: Viele gute, junge Leute voller Herzblut. So etwas findet man nicht mal in den Metropolen“, schwärmt Schultze und betont: „ Wir wollen den Brückenschlag zur Quelle. Der Nürnberger Westen könnte zu einem genialen Kreativstandort werden.“

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