Bunte Individualität: Zeitschriftenläden in St. Johannis

8.11.2007, 00:00 Uhr
Nach draußen präsentieren sich Zeitschriftenläden oft ungeniert individuell nach dem Geschmack der Besitzer, drinnen bestimmt üppige Farbigkeit die Auslagen.

Nach draußen präsentieren sich Zeitschriftenläden oft ungeniert individuell nach dem Geschmack der Besitzer, drinnen bestimmt üppige Farbigkeit die Auslagen. © Christian Oberlander

«Auf ein paar hundert Metern stößt man hier gleich auf mehrere Kioske«, erzählt er. Und keiner ist wie der andere. Die Schaufenster-Dekorationen entsprechen bestimmt nicht gängigen Designer-Vorstellungen oder dem Geschmack der breiten Kundenmasse, sind aber dafür meist höchst individuell.

Verlängertes Wohnzimmer

Christian Oberlander kann sich vor allem für das «schöne bunte Wirrwarr in einer ansonsten euronormierten Welt« begeistern. Im Sortiment auf engem Raum darf zusammenkommen, was nicht unbedingt zusammenpasst - eine farbenfrohe Mischung, mit der sowohl Kinder als auch Erwachsene zuverlässig versorgt werden. Und doch herrscht in jedem der Läden die ureigene Ordnung des jeweiligen Besitzers.

Den muss man zwischen den überbordenden Auslagen aus Zeitungen und Zeitschriften, Süßkram, Tabakwaren, Los- und Lotterie-Angeboten oftmals erst entdecken. Ihren individuellen Arbeitsplatz haben die Menschen hinter dem Tresen häufig seit Jahrzehnten nicht verändert. «Der Laden scheint für viele eine Art verlängertes Wohnzimmer zu sein«, vermutet Christian Oberlander. Und anders als zwischen den Regalen eines Supermarkts ist in diesen Nischen des gepflegten Chaos immer auch Zeit für einen kurzen Plausch und gepflegte Nachbarschaft.

Um die Menschen geht es Oberlander beim Fotografieren allerdings nicht. «Ich will keine Geschichten erzählen«, sagt er, «mir kommt es vielmehr auf das Spiel der Formen und Farben an.« Er selbst ist ein eher seltener Kunde in den «Gruschburgen«, «aber wenn ich mal drin bin, genieße ich es«, gibt er zu.