Mittwoch, 20.01.2021

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Clooney über "The Midnight Sky": "Meine größte Herausforderung"

Ein Interview über den Netflix-Film, seine Arbeit als Regisseur und seinen Motorradunfall - 12.01.2021 09:36 Uhr

George Clooney in seinem neuen Film "The Midnight Sky".

05.01.2021 © Foto: imago images/ZUMA


George, haben Sie selbst je die Erfahrung gemacht, zwischen Leben und Tod zu stehen?

Clooney: Ja, sogar drei Mal. Ich hatte einen Motorradunfall in Italien, vor anderthalb Jahren. Ich bin mit über 100 Sachen mit einem Auto zusammengestoßen, flog durch die Luft – und kurz vor dem Aufprall habe ich schon gedacht, das war’s, jetzt ist es aus. Ich hatte dann einfach nur riesiges Glück in der Situation! Dann gab es auch mal einen sehr gefährlichen Moment im Süd-Sudan. Da wurde unser Auto von einer Gruppe Männer gestoppt, und uns wurden Waffen an den Kopf gehalten. Aber sie wollten uns nur ausrauben. Später war ich dann in den Nuba-Bergen im Sudan, als es dort einen Raketenangriff mit Missiles auf unser Dorf gab. Auch da dachte ich, es ist vorbei. Aber ich hatte wieder Glück und kam unbeschadet raus. Unfassbar.

Welche Konsequenzen hatten die Momente im Angesicht des Todes für Sie? Haben Sie etwas daraus gelernt, etwas in Ihrem Leben verändert?

Clooney: Aus dem Unfall habe ich "gelernt", dass ich mich in Zukunft lieber nicht auf ein Motorrad setzen sollte. (lacht) Meine Frau hat es mir seitdem verboten, sie meinte: "Es reicht!" Und ich habe ihr Recht gegeben. Nach den Erfahrungen im Sudan ist mir noch einmal klar geworden, wie wertvoll das Leben ist, weil es so zerbrechlich ist. Nur eine falsche Bewegung und es ist vorbei.

Wie haben Sie den Unfall auf dem Motorrad überlebt, wie schwer waren Sie verletzt?

Clooney: Bei dem Motorradcrash landete ich zufällig auf meinen Händen und Knien. Bei jedem anderen Körperteil wäre ich vermutlich tot gewesen, ich hätte mir wahrscheinlich das Rückgrat gebrochen. Wir sind uns selten bewusst, was für eine große Rolle Glück in unserem Leben spielt. Das beginnt schon bei der Geburt: Der Zufall entscheidet bereits, ob wir in ein Krisen- oder gar Kriegsgebiet wie Syrien hineingeboren werden oder nicht.

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Sie zeigen in "Midnight Sky" das Ende der Welt – aber ohne zu verraten, was genau mit unserem Globus passiert. Warum?

Clooney: Wir wollten nicht zu spezifisch sein, sondern den Weltuntergang der Vorstellungskraft des Publikums überlassen – die Fantasie ist stärker als alles, was man im Film zeigen kann. Es bleibt daher jedem selbst überlassen, ob die Klimakatastrophe ein Loch in der Atmosphäre verursacht oder ob eine nukleare Krise der Auslöser gewesen sein könnte. Wir wollten nur eines klar machen: Bei all dem Hass und der Spaltung, die wir derzeit in der Welt sehen, vor allem 2020, müssen wir uns eingestehen, dass die Menschheit zerbrechlicher ist, als wir es je für möglich hielten.

Prägen Spaltung und Zorn derzeit nicht vor allem Ihre Heimat?

Clooney: Die USA hatten definitiv einen Löwenanteil daran! Aber unsere gesamte Gesellschaft ist fragil, wir alle müssen aufpassen. Präsident Jimmy Carter sagte, dass nicht nur Krieg, sondern auch Frieden mit großer Anstrengung erkämpft werden muss. Frieden erhält sich nicht von selbst. Es ist leider gar nicht so abwegig, dass wir in 30 Jahren am Abgrund stehen. "The Midnight Sky" handelt davon, was Menschen sich selbst als Spezies antun können. Ich habe mich in das Buch verliebt, weil es eine so wichtige Frage stellt: die Frage, ob die Menschheit es wert ist, für sie zu kämpfen. Ich bin überzeugt, dass die Antwort ein klares "ja" ist.

George Clooney 59 Jahre. Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Hier bei den Filmfestspielen in Cannes.

01.01.2021 © Foto: EPA/JULIEN WARNAND


Sie inszenierten also eine fiktive Apokalypse, bis dann durch Covid-19 ein reales Endzeit-Szenario Ihre Fiktion einholte?

Clooney: Ja. Kaum waren wir fertig mit dem Dreh, ging die Pandemie los. Wir hatten noch Glück, wir wurden im Februar fertig. Ich flog nach Hause nach L.A., als jemand uns erklärte, dass nun bei der Postproduktion besondere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich wären. Der Typ sage wörtlich: "Aber keine Sorge, Covid ist nur für alte Leute gefährlich!" Und ich sagte, na prima, dann gibt’s ja kein Problem. Woraufhin er entgegnete: "Alte Leute ab 55 Jahren aufwärts!" Ich dachte: "Waaaas? Dann bin ich also – alt ? Was für eine Frechheit!" (lacht)

Haben Pandemie und das seltsame Jahr 2020 Ihrem Projekt eine neue Lesart gegeben?

Clooney: Ja, dadurch ergab sich für uns eine übergeordnete Relevanz: die Erkenntnis, wie wichtig ein Zuhause ist und mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt. Sich mit ihnen auszutauschen. Es reicht nicht, wenn man nur über Computerscreens miteinander kommuniziert.

Ein Magazin nannte Sie vor Jahren, als Sie noch Single waren, mal den "einsamsten Mann Hollywoods". Hatte es mit dieser Annahme Recht, rückwirkend betrachtet?

Clooney: Für mich war es nie ein Problem, alleine zu sein, dazu kann ich mich zu gut beschäftigen, ich lese gern in Ruhe oder nehme mir Zeit für etwas anderes. Natürlich möchte ich nicht mehr zu lange allein sein. Aber ich habe mittlerweile Zwillinge, die drei Jahre alt sind. Bei uns zuhause gibt es nicht einen Moment Ruhe! Ich sehne mich gerade sehr nach einem winzigen bisschen Einsamkeit, ich würde mein linkes Bein dafür geben!

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Was haben Sie über sich selbst gelernt, als Sie den Film drehten?

Clooney: Der Film war eine der größten Herausforderungen für mich, als Schauspieler und auch als Regisseur. Auf Island mussten wir meine Schneeszenen bei minus 30 Grad drehen, dazu wehte ein fieser Wind mit fast 120 km/h. Ich war nicht sicher, ob mir der Doppeljob gelingt. Was ich gelernt habe, ist, dass ich auf Hilfe von Freunden und Kollegen zählen kann, wenn ich sie brauche. Meine Frau war froh, als der Dreh vorbei war, ich hatte mir den Schädel rasiert und trug einen David-Letterman-Bart.

. . . und was während des Lockdowns?

Clooney: Na ja, wie viele andere habe ich in der Zeit hauptsächlich Wäsche gewaschen, den Boden feucht aufgewischt, Geschirr gespült und Windeln gewechselt – nicht meine Windeln, so alt bin ich noch nicht, sondern die Windeln meiner Kinder. (lacht) Während der Pandemie fühlte ich mich oft in die Zeit zurückversetzt, als ich noch alleine in einem Appartement wohnte. Ich habe gelernt, dass ich mir vertrauen kann und noch gut klar komme. Ich bin immer noch ein passabler Handwerker, kann immer noch Lampen neu anschließen, das Waschbecken austauschen und Kleinigkeiten reparieren. Ich war froh zu merken, dass ein einfaches Leben bei mir immer noch gut funktioniert.

Wie zufrieden war Regisseur Clooney mit seinem Hauptdarsteller Clooney? Im Ernst: Wie bewahrt man sich in der Doppelfunktion vor Fehlern oder Fehleinschätzungen?

Clooney: Bei dieser Konstellation gab es nur einen einzigen Vorteil: Ich wusste als Schauspieler genau, was der Regisseur von mir erwartet! (lacht) Für den Rest bekam ich Hilfe von meinem Freund Grant Heslov. Wir kennen uns seit bald 40 Jahren, seit der Schauspielschule. Er hat mir 1982 mal 100 Dollar geliehen, damit ich professionelle Porträtfotos von mir machen konnte. Wir betreiben heute zusammen eine Produktionsfirma, für "Argo" haben wir gemeinsam den Oscar gewonnen. Als ich vor der Kamera stand, saß er immer neben dem Monitor und behielt alles im Blick. War ich schlecht, kam von ihm sofort: "Nochmal, Du Schmock!". Ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Wenn er zufrieden war, war ich es auch.

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Macht es Ihnen keinen Spaß, mal "nur" für einen normalen Schauspieljob vor der Kamera zu stehen?

Clooney: Doch, und außerdem kann ich damit meine Rechnungen bezahlen. Ob Sie es glauben, oder nicht: Ich werde als Regisseur gar nicht gut bezahlt. Ich mache das, weil es mir viel bedeutet. Um Geld zu verdienen, muss ich ab und zu als Schauspieler arbeiten.

MARIAM SCHAGHAGHI

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